{"id":11235,"date":"2017-08-25T20:51:29","date_gmt":"2017-08-25T18:51:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedenkoeln.de\/?page_id=11235"},"modified":"2018-04-28T08:50:56","modified_gmt":"2018-04-28T06:50:56","slug":"spaete-gruendung-in-koeln","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?page_id=11235","title":{"rendered":"1912: sp\u00e4te Gr\u00fcndung der K\u00f6lner DFG-Gruppe"},"content":{"rendered":"<p><em>Von Guido Gr\u00fcnewald. Aktualisierte Fassung vom 28.4.2018.<sup>1<\/sup>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>1885 reiste der englische Pazifist Hodgson Pratt nach Deutschland, um die Bildung von Friedensgesellschaften anzuregen. Er kam auch nach K\u00f6ln, hatte dort aber keinen Erfolg.<\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/link-0-Textdatei-Entstehung-DFG-VK-in-K\u00f6ln-aus-Vorl\u00e4ufern.pdf\">K\u00f6lner Gruppe der DFG wurde wahrscheinlich erst 1912 gegr\u00fcndet<\/a>. K\u00f6ln war damit unter den gro\u00dfen St\u00e4dten im Deutschen Reich ein Nachz\u00fcgler (Gr\u00fcndung der DFG auf Reichsebene 1892). Vorsitzender wurde zun\u00e4chst der Architekt Wilhelm Schulz, wahrscheinlich ab 1913 Rechtsanwalt Paul Adam Esch<sup>2<\/sup>.<\/p>\n<p>Schlagzeilen machte aber als erster der wohlhabende Kaufmann Hubert Joseph Hausmann<sup>3<\/sup>, der 1912 von der Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Beleidung des Vorstands des Deutschen Wehrvereins, Ortsgruppe K\u00f6ln, verklagt wurde. Hausmann hatte unaufgefordert einen Aufruf zum Beitritt zum Wehrverein erhalten, diesen aber zur\u00fcckgeschickt mit der Bemerkung, er bitte,<\/p>\n<blockquote><p>vern\u00fcnftige Menschen mit derartigen Eseleien zu verschonen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hausmann wurde in 1. Instanz freigesprochen; \u00fcber den Ausgang des Berufungsverfahrens ist nichts bekannt.<sup>4<\/sup><\/p>\n<p>Esch war offenbar r\u00fchrig. F\u00fcr den Winter 1914 plante er eine Veranstaltung mit Bertha von Suttner; im Februar 1914 war er an der Gr\u00fcndung der Ortsgruppe Aachen beteiligt. Im Mai 1914 nahm er am VII. Deutschen Friedenskongress in Kaiserslautern (gleichzeitig Hauptversammlung der DFG) teil und meldete sich zu Wort. Zuvor hatte die K\u00f6lner Gruppe einen Vortragsabend mit dem p\u00e4pstlichen Hauspr\u00e4laten und Vorsitzenden der Ungarischen Friedensvereinigung, Domherr Alexander Gie\u00dfwein, veranstaltet, der vor allem in katholischen Kreisen Anklang fand. Esch zielte im \u201ehilligen\u201c K\u00f6ln offenbar auf engere Kontakte zur kommunalpolitisch dominierenden Zentrumspartei ab. Allerdings \u00fcbersah er dabei, dass das Zentrum seit Ende des Kulturkampfes auch auf Dr\u00e4ngen des Papstes seine bisherige antimilitaristische Linie verloren und 1898 der Vorlage zum Bau einer gro\u00dfen Kriegsflotte zugestimmt hatte.<sup>5<\/sup><\/p>\n<p>In den ersten Wochen nach Beginn des 1. Weltkriegs zeigte sich die K\u00f6lner Gruppe k\u00e4mpferisch: Jetzt, nicht erst nach Kriegsende sei es Zeit, \u201edie Stimme f\u00fcr den Frieden\u201c zu erheben.<\/p>\n<div id=\"attachment_11931\" style=\"width: 574px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/link-6-Dokument-V\u00f6lkerfriede-9-1914_klein.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11931\" class=\" wp-image-11931\" src=\"http:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/link-6-Dokument-V\u00f6lkerfriede-9-1914_klein.jpg\" alt=\"\" width=\"564\" height=\"257\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/link-6-Dokument-V\u00f6lkerfriede-9-1914_klein.jpg 773w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/link-6-Dokument-V\u00f6lkerfriede-9-1914_klein-768x350.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 564px) 100vw, 564px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11931\" class=\"wp-caption-text\">V\u00f6lker-Friede September 1914, S. 107<\/p><\/div>\n<p>Die Milit\u00e4rbeh\u00f6rden verhinderten durch Verbotsma\u00dfnahmen jedoch bald eine weitere aktive T\u00e4tigkeit.<\/p>\n<hr \/>\n<p><sup>1<\/sup> \u00dcber die Jahre bis 1945 liegen nur wenige Unterlagen vor; die folgenden Informationen setzen sich aus Mosaiksteinen zusammen.<\/p>\n<p><sup>2<\/sup> Adam Paul Esch (1875-1950) war Rechtsanwalt beim Oberlandesgericht K\u00f6ln, wurde wohlhabend und bet\u00e4tigte sich als Kunstsammler; sp\u00e4ter schenkte er den K\u00f6lner Museen diverse Kunstwerke. Nach dem 1. Weltkrieg war Esch aus pazifistischen Motiven einige Zeit in der Rheinischen Volksvereinigung und im Reichs- und Heimatbund deutscher Katholiken t\u00e4tig, die einen Rheinstaat im Rahmen des Reichsverbundes anstrebten; in der DFG war er nicht mehr aktiv.<\/p>\n<p><sup>3<\/sup> Hubert Joseph Hausmann (1874-1932) war Hundeliebhaber, Anh\u00e4nger von Richard Wagner und Besitzer von 5 Immobilien. 1927 gr\u00fcndete er die Joseph-Hausmann-Stiftung f\u00fcr junge Musiker; seinen Besitz vermachte er testamentarisch der Stadt K\u00f6ln. In der DFG trat er nicht weiter hervor.<\/p>\n<p><sup>4<\/sup> <a href=\"http:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/link-4-Dokument-FW-1912-S.-309.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-1\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\">Die Friedens-Warte, 14. Jg. 1912, S. 309f.<\/a> Der Freispruch ist durchaus ungew\u00f6hnlich, wurde doch die Friedensbewegung im Kaiserreich von der Presse entweder ignoriert oder mit Hohn und Spott \u00fcbersch\u00fcttet und von den tonangebenden Nationalisten erbittert bek\u00e4mpft. Bezeichnend ist, dass die Staatsanwaltschaft von sich aus Klage erhob.<\/p>\n<p><sup>5<\/sup> Esch suchte wohl vor allem den Kontakt zu Karl Bachem, wichtiger Impulsgeber der Zentrumspartei und einflussreicher Redakteur (ab 1915 Chefredakteur) der von seinem Vater gegr\u00fcndeten K\u00f6lnischen Volkszeitung. Innerhalb des Zentrums war Bachem zwar einer der wichtigsten Reformer, er war aber auch \u00fcberzeugter Monarchist und unterst\u00fctzte im 1. Weltkrieg vorbehaltlos die annexionistische Kriegs- und Durchhaltepolitik der Obersten Heeresleitung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido Gr\u00fcnewald. Aktualisierte Fassung vom 28.4.2018.1\u00a0 1885 reiste der englische Pazifist Hodgson Pratt nach Deutschland, um die Bildung von Friedensgesellschaften anzuregen. Er kam auch nach K\u00f6ln, hatte dort aber keinen Erfolg. Die K\u00f6lner&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":110,"featured_media":0,"parent":7938,"menu_order":3,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-11235","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/11235","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/110"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11235"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/11235\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12091,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/11235\/revisions\/12091"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/7938"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11235"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}