{"id":10074,"date":"2016-11-25T07:00:32","date_gmt":"2016-11-25T05:00:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=10074"},"modified":"2016-11-24T17:33:31","modified_gmt":"2016-11-24T15:33:31","slug":"frieren-fuer-den-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=10074","title":{"rendered":"Frieren f\u00fcr den Frieden"},"content":{"rendered":"<p>Ich war schon fr\u00fcher neugierig auf B\u00fcchel gewesen, Jahre, bevor der neue Kalte Krieg 2014 begann. Dort sollten ein paar alte Atombomben aus dem alten Kalten Krieg, die seltsamerweise\u00a0 nicht beseitigt worden waren, unter Aufsicht einer amerikanischen Garnison mehr oder weniger vor sich hingammeln, was die einheimische Bev\u00f6lkerung offenbar mit gemischten Gef\u00fchle aufnahm. So freuten sich die einen \u00fcber Arbeitspl\u00e4tze, hie\u00df es, w\u00e4hrend die anderen sich vor radioaktiver Strahlung f\u00fcrchteten.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte mir gern mal <!--more-->ein Bild gemacht, leider hatte sich aber bisher bei keinem meiner gelegentlichen Ausfl\u00fcge in die faszinierende Vulkaneifel die Gelegenheit zu einem Abstecher ergeben.<\/p>\n<p>Inzwischen haben sich die Zeiten ge\u00e4ndert. Zu meiner ungl\u00e4ubigen Best\u00fcrzung wurde der alte Feind\u00a0aktualisiert, der alte St\u00fctzpunkt\u00a0reaktiviert, und man beschloss, die antiquierten Bomben durch neue, einsatzf\u00e4hige zu ersetzen. So sah auch ich mich veranlasst, an l\u00e4ngst vergangene friedensbewegte Zeiten anzukn\u00fcpfen und beteiligte mich in den letzten zwei Jahren wieder an verschiedenen Friedensaktionen.<\/p>\n<p>Und so bin ich am Samstag, den 19. November 2016, im Rahmen einer kleinen Kundgebung\u00a0 nun doch nach B\u00fcchel gekommen.<\/p>\n<p>Um 8:30 stiegen Ariane und ich bei Stefanie in den Wagen, wo wir uns mit diversen mitgebrachten Demo-Utensilien den Platz teilten, und es ging los. Bald schon fuhren wir begleitet von einigen Gespr\u00e4chen \u00fcber die politische Lage und anderes durch idyllische Landschaften.<\/p>\n<p>Der Wetterbericht hatte Regen angek\u00fcndigt. Gl\u00fccklicherweise\u00a0belie\u00dfen es\u00a0die vielen schwarzen Wolken, unheilschwangeren Wolken,\u00a0denen wir auf der Fahrt begegneten, aber bei finsteren Drohungen und behielten ihr Wasser bei sich.\u00a0 Hoffentlich w\u00fcrden sie ihre Haltung nicht \u00e4ndern!<\/p>\n<p>Als wir endlich in B\u00fcchel ankamen, regnete es noch immer nicht, aber es blies ein kalter Wind und durchdrang schnell die Kleidungsschichten. Mir war gar nicht klar gewesen, dass der St\u00fctzpunkt auf einer Anh\u00f6he liegt.\u00a0Fr\u00f6stelnd aus dem Wagen kletternd fiel mein Blick\u00a0 auf eine kleine Gruppe von Menschen, vorwiegend Frauen, die\u00a0bei einem Kreisverkehr vor den Toren des St\u00fctzpunktes wartete. Sie trugen Transparente, schwarze Schilder und bunte Friedensfahnen. Wir packten unsere eigene Ausr\u00fcstung und gesellten uns unter\u00a0freudiger Begr\u00fc\u00dfung zu ihnen.<\/p>\n<p>Eine der Demonstrantinnen trug ein selbstgefertigtes Skelettkost\u00fcm. Wenn ich mich davon an Halloween erinnert f\u00fchlte, dann noch mehr, als wir die selbstgefertigten wei\u00dfen Totenkopfmasken \u00fcberstreiften, welche Ariane f\u00fcr uns mitgebracht hatte. Ein Gl\u00fcck, dass nicht gerade Halloween war, so w\u00fcrde kein Zweifel aufkommen, um welche b\u00f6sen Geister es hier ging!<\/p>\n<p>Eine Gruppe einheimischer Polizisten sprach uns an und wollte wissen, was genau wir vorh\u00e4tten. Sollten wir eine Blockade auf der Fahrbahn machen, w\u00fcrden sie sich um uns und die Autos k\u00fcmmern m\u00fcssen. Sie schienen erleichtert, zu erfahren, dass wir solches nicht planten, und lie\u00dfen uns ziehen.<\/p>\n<p>Nun besetzten wir die begr\u00fcnte Insel des Kreisverkehrs, drapierten unsere Transparente und Fahnen und hofften, bei m\u00f6glichst vielen der von zwei Stra\u00dfen einbiegenden Autos Aufmerksamkeit zu erregen. Zu \u00fcbersehen waren wir sicher\u00a0nicht!\u00a0 Welchen Eindruck wir aber genau hinterlie\u00dfen, ist schwer zu sagen &#8211; von einigen Fahrern konnte man zustimmende Gesten und Blicke wahrnehmen. Wie das meistens ist, beschloss jedoch der Gro\u00dfteil, uns nicht besonders zur Kenntnis zu nehmen.<\/p>\n<p>Jetzt galt es auszuharren, bis die angek\u00fcndigte lokale Journalistin k\u00e4me, etwa f\u00fcr\u00a013 Uhr hatte sie sich angek\u00fcndigt.\u00a0 Noch drei Stunden, die es galt, hier den Posten f\u00fcr den Frieden zu halten. Ganz sch\u00f6n lang, wenn man f\u00fchlte, wie einem der kalte Wind unter und durch die &#8211;\u00a0 dicke! &#8211; Kleidung fuhr und einen das frostige Wesen des Kalten Krieges so richtig anschaulich erleben lie\u00df! Ich ertappte mich bei der\u00a0 Sehnsucht nach einer hei\u00dfen Phase in Form einer Thermoskanne mit Kaffee oder, noch besser, Gl\u00fchwein. Vor allem letzterer h\u00e4tte unsere Friedensleidenschaft bestimmt so mitrei\u00dfend gemacht, dass es jeden Autofahrer beeindruckt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Noch zwei Stunden. Ich lie\u00df mein Schild\u00a0 los, zog die Totenmaske noch sch\u00fctzender vor mein Gesicht und suchte Windschutz\u00a0 hinter einem Transparent, w\u00e4hrend ich schuldbewusst an Sibirien dachte, wo russische und deutsche Soldaten sich einst\u00a0 durch arktische Verh\u00e4ltnisse gequ\u00e4lt hatten, gegen die dies hier eine Saunalandschaft war.\u00a0 War ich so ein Weichei? Nun w\u00fcrde sich zeigen, wieviel ich als Friedensk\u00e4mpfer taugte und was mir das \u00dcberleben dieser Welt bedeutete. Keinesfalls w\u00fcrde ich als erste aufgeben.<\/p>\n<p>Den anderen ging es auch nicht besser. Wir teilten uns Handschuhpaare, reichten Kalorieneinheiten in Form von N\u00fcssen, Schokolade oder Broten herum, wechselten die Trageh\u00e4nde und unterhielten uns \u00fcber Politik und andere Themen. Die beiden Kinder veranstalteten Dauerwettrennen um die Kreisverkehrsinsel herum, und einer der vier, f\u00fcnf m\u00e4nnlichen Teilnehmer sang sich frohgemut und\u00a0ohne Unterbrechung durch sein gesamtes Liederrepertoire, welches mich an fast vergessene Jugendfreizeiten erinnerte.<\/p>\n<p>All das half \u00fcber die schlimmsten H\u00e4rten hinweg.<\/p>\n<p>Gegen 12 Uhr zeigte mir eine Teilnehmerin aus Daun die Friedenswiese mit all ihren anschaulichen bis urigen Requisiten vorheriger Kundgebungen. So bekam ich etwas Bewegung, und als das Thema auf die sch\u00e4ndlich von Abbau bedrohten Eifelvulkane kam, wurde mir bei dem hei\u00dfen Thema schon beinahe warm vor Emp\u00f6rung. So verging dann\u00a0die Zeit doch letztlich schneller als gedacht.<\/p>\n<p>Die Endphase, so etwa als die Journalistin kam, wurde dann noch einmal hart, und ich habe von dem Gespr\u00e4ch mit ihr auch gar nichts mitbekommen. Der eisige Wind legte noch einmal kr\u00e4ftig zu. Aber die anderen hatten nun auch genug, und sobald das Gespr\u00e4ch beendet war, packten wir unsere Sachen zusammen, froh, endlich in die sch\u00fctzenden Autos steigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es dauerte noch\u00a0 eine Weile bis uns wieder warm war, aber wir waren froh, durchgehalten zu haben. Nicht auszudenken, wenn es in B\u00fcchel zu diesem Wind noch geregnet h\u00e4tte! Dann h\u00e4tten wir wohl die Friedenswaffen strecken und die Fahnen streichen\u00a0 m\u00fcssen. Aber der Himmel hatte es bei drohenden Wolken belassen und gelegentlich sogar die Sonne durchblinzeln lassen. Die Au\u00dfenpolitik tut das hoffentlich auch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Hella Schier.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich war schon fr\u00fcher neugierig auf B\u00fcchel gewesen, Jahre, bevor der neue Kalte Krieg 2014 begann. 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