{"id":11029,"date":"2017-07-06T19:07:32","date_gmt":"2017-07-06T17:07:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=11029"},"modified":"2017-07-06T19:07:32","modified_gmt":"2017-07-06T17:07:32","slug":"mossul-unterstuetzt-bundeswehr-krieg-gegen-zivilbevoelkerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=11029","title":{"rendered":"Mossul: Unterst\u00fctzt Bundeswehr Krieg gegen Zivilbev\u00f6lkerung?"},"content":{"rendered":"<p>Anhand alarmierender Pressemeldungen aus der Stadt Mossul im Irak stellte der Friedens- und Konfliktforscher <a href=\"https:\/\/www.akademie-bergstrasse.de\/lexikon\/henrik-paulitz\">Henrik Paulitz<\/a>\u00a0(Akademie Bergstra\u00dfe f\u00fcr Ressourcen-, Demokratie- und Friedensforschung) am 3. Juli 2017 <a href=\"https:\/\/www.akademie-bergstrasse.de\/dokumente\/AE\/Kampf_gegen_Zivilisten_in_Mossul.pdf\">fest<\/a>, es handle sich um einen &#8222;<strong>vornehmlich gegen die Zivilbev\u00f6lkerung gerichteten Krieg<\/strong>&#8222;. Die Bundeswehr ist indirekt an der Eroberung Mossuls <!--more-->beteiligt.<\/p>\n<p>Das Online-Portal der Tagesschau hatte\u00a0am 16. Oktober 2016 mit Bezug auf die dpa <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/bundeswehr-mossul-hintergrund-101.html\">gemeldet<\/a>, &#8222;eine internationale Koalition aus mehr als 60 Staaten und Organisationen&#8220; bek\u00e4mpfe die Terrororganisation &#8222;Islamischer Staat&#8220; in Syrien und im Irak. Am &#8222;Sturm auf die Millionenstadt Mossul&#8220; sei die Bundeswehr zwar nicht direkt beteiligt, unterst\u00fctze &#8222;die Operation&#8220; aber indirekt.<\/p>\n<div id=\"attachment_9199\" style=\"width: 445px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9199\" class=\"wp-image-9199\" src=\"http:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Ostermarsch-2016-Dom1-1024x623.jpg\" alt=\"Zwei Friedensaktivisten halten ein wei\u00dfes Stofftransparent , auf dem in schwarzer und roter Farbe der &quot;Krieg gegen den Terror&quot; durch immer gr\u00f6\u00dfer werdende Schriftzeichen &quot;Terror Krieg Terror Krieg&quot;, fallende Blutstropfen, Raketen und die L\u00e4ndernamen &quot;Afghanistan - Irak - Libyen - Syrien&quot; symbolisiert wird.\" width=\"435\" height=\"264\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Ostermarsch-2016-Dom1-1024x623.jpg 1024w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Ostermarsch-2016-Dom1.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 435px) 100vw, 435px\" \/><p id=\"caption-attachment-9199\" class=\"wp-caption-text\">Beim Ostermarsch 2016 in K\u00f6ln: Krieg gegen den Terror. Foto: Herbert Sauerwein.<\/p><\/div>\n<p>Demnach bildet die Bundeswehr im Nordirak religi\u00f6s und ethnisch begr\u00fcndete (para-)milit\u00e4rische Gruppierungen aus und habe sie mit Waffen und Munition beliefert. Die kurdischen Peschmerga h\u00e4tten u.a.\u00a01200 Panzerabwehrraketen, 400 Panzerf\u00e4uste, mehr als 20.000 Sturmgewehre und mehrere Millionen Schuss Munition erhalten.<\/p>\n<p>Es folgt der Beitrag von Henrik Paulitz vom 3. Juli 2017:<\/p>\n<blockquote><p>Angeblich wird im Nahen Osten der so genannte Islamische Staat (IS) bek\u00e4mpft. Bei genauer Betrachtung erkennt man allerdings einen brutalen, vornehmlich gegen die Zivilbev\u00f6lkerung gerichteten Krieg.<\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdigerweise ist von einer \u201eBefreiung\u201c die Rede, wenn \u00fcber den Krieg in der nord-irakischen Stadt Mossul berichtet wird. Tats\u00e4chlich aber erf\u00e4hrt die Welt\u00f6ffentlichkeit in einer Meldung der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) vom 2. Juli 2017, dass in Mossul die Bev\u00f6lkerung trotz der bevorstehenden K\u00e4mpfe \u201enicht evakuiert\u201c wurde. Zehntausende Zivilisten seien in der Altstadt \u201egefangen\u201c, weite Teile der Altstadt \u201ein Tr\u00fcmmer gelegt\u201c worden. Ende Juni, Anfang Juli 2017 sollen Flugzeuge jeden Tag 20 Luftangriffe auf ein nur noch einen Quadratkilometer gro\u00dfes Territorium der Stadt geflogen haben.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus findet sich in dem u.a. im \u201eHandelsblatt\u201c ver\u00f6ffentlichten Agentur-Bericht vom 2. Juli 2017 ein Satz, \u00fcber den die Welt\u00f6ffentlichkeit sehr intensiv nachdenken und diskutieren sollte:<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>\u201eSoldaten beauftragten in Mossul zudem oft Luftunterst\u00fctzung, nur um Gruppen von zwei bis drei K\u00e4mpfern mit leichten Waffen auszuschalten.\u201c<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Man bombardiert systematisch die Zivilbev\u00f6lkerung in der Altstadt der Millionen-Stadt Mossul.<\/p>\n<p>Als Rechtfertigung ist die Rede von Gruppen von zwei bis drei Personen \u201emit leichten Waffen\u201c, was normalerweise \u2013 sofern dieser Rechtfertigungsgrund tats\u00e4chlich zutrifft \u2013 allenfalls einen sehr begrenzten Einsatz am Boden zur Folge haben d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Dienen angebliche \u201eStellungen\u201c vermeintlicher milit\u00e4rischer Gegner als Legitimation daf\u00fcr, die Zivilbev\u00f6lkerung in gro\u00dfem Ausma\u00df zu bombardieren und zu vertreiben?<\/p>\n<p>Der Berliner Politologe und Konfliktforscher Prof. Dr. Herfried M\u00fcnkler skizziert den Charakter der \u201eNeuen Kriege\u201c als Auseinandersetzungen nicht zwischen Kriegsparteien, sondern als Krieg gegen die Zivilbev\u00f6lkerung:<\/p>\n<p>\u201eEs gibt keine Fronten mehr, und deshalb kommt es auch nur selten zu Gefechten und eigentlich nie zu gro\u00dfen Schlachten, sodass sich die milit\u00e4rischen Kr\u00e4fte nicht aneinander reiben und verbrauchen, sondern sich gegenseitig schonen und die Gewalt stattdessen gegen die Zivilbev\u00f6lkerung richten.\u201c<\/p>\n<p>Dass sich in den neuen Kriegen \u201edie Gewaltanwendung von den gegnerischen Streitkr\u00e4ften\u201c auf die Zivilbev\u00f6lkerung verlagert, ist nach Auffassung M\u00fcnklers \u201edas Ergebnis kalkulierter Planung\u201c.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Das gezielte T\u00f6ten von Zivilisten als Charakteristikum aktueller Kriege wahrzunehmen und als eigentliches Kriegsziel zu entlarven, ist ein wichtiges Mittel, um Kriege zu delegitimieren. Dies ist auf die politische Agenda zu setzen.<\/p>\n<p>Mehr dazu:<br \/>\nHenrik Paulitz: Anleitung gegen den Krieg &#8211; Analysen und friedenspolitische \u00dcbungen<br \/>\nLektor: Dr. Winfrid Eisenberg, Akademie Bergstra\u00dfe f\u00fcr Ressourcen-, Demokratie und Friedensforschung, 2016, 2. Auflage 2017, Taschenbuch, ISBN 978-3-981-85250-9<br \/>\nWeitere Informationen &amp; Bestellung:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.akademie-bergstrasse.de\">www.akademie-bergstrasse.de<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Handelsblatt (Associated Press): <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/international\/luftangriffe-auf-altstadt-von-mossul-reporter-beobachten-hunderte-teils-schwer-verletzte-zivilisten\/20009962.html\">Luftangriffe auf Altstadt von Mossul. Reporter beobachten Hunderte teils schwer verletzte Zivilisten<\/a>. 02.07.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Herfried M\u00fcnkler: Die neuen Kriege. Rowohlt. 2002. S. 11, 94 f. u. 146.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anhand alarmierender Pressemeldungen aus der Stadt Mossul im Irak stellte der Friedens- und Konfliktforscher Henrik Paulitz\u00a0(Akademie Bergstra\u00dfe f\u00fcr Ressourcen-, Demokratie- und Friedensforschung) am 3. 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