{"id":11743,"date":"2018-02-16T07:00:20","date_gmt":"2018-02-16T05:00:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=11743"},"modified":"2018-02-14T00:29:03","modified_gmt":"2018-02-13T22:29:03","slug":"ein-brief-nach-wolgograd-zum-ende-der-schlacht-um-stalingrad-vor-75-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=11743","title":{"rendered":"Ein Brief nach Wolgograd zum Ende der Schlacht um Stalingrad vor 75 Jahren"},"content":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich der Kapitulation der 6. Armee der Wehrmacht in Stalingrad (jetzt: Wolgograd) vor 75 Jahren hat der fr\u00fchere Regierungspr\u00e4sident von Braunschweig Karl-Wilhelm Lange\u00a0an die ihm aus der Zusammenarbeit bekannte Museumsdirektorin Valentina Sorokoletova in Wolgograd einen lesenswerten Brief geschrieben. Herr Lange war auch Pr\u00e4sident des Volksbundes deutscher Kriegsgr\u00e4berf\u00fcrsorge. Wir danken den <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42290\">Nachdenkseiten<\/a> f\u00fcr die M\u00f6glichkeit des Nachdrucks.<\/p>\n<blockquote><p>Karl-Wilhelm Lange \u2013 Beethovenstra\u00dfe 25 \u2013 34346 Hann. M\u00fcnden \u2013 3. Februar 2018<br \/>\nRegierungspr\u00e4sident i.R.<\/p>\n<p>Wolga-Don-Kanal-Museum<br \/>\nFrau Museumsdirektorin<br \/>\nValentina Sorokoletova<\/p>\n<p>Volgograd. Russia 400082<\/p>\n<p>Liebe Valentina,<\/p>\n<p>heute vor 75 Jahren kapitulierten die Reste der 6.Armee unter General Paulus in Stalingrad nach monatelangen schweren K\u00e4mpfen, bei denen auf beiden Seiten fast 500.000 Soldaten, Zivilisten \u2013 auch viele Kinder unter ihnen \u2013 ihr Leben verloren. Ich w\u00e4re heute gern bei Euch, unter den Zehntausenden gewesen, die sich zum Trauern und Gedenken in Wolgograd versammelt haben. Denn ich wei\u00df um die Gef\u00fchle der Veteranen und Veteraninnen, die an diesem Tage nicht nur einen Sieg \u00fcber die deutschen Aggressoren feiern, sondern sich auch an das Leiden, an das Sterben und den Tod erinnern, der keinen Unterschied machte zwischen Soldaten und Zivilisten, zwischen Frauen und Kindern und auch nicht zwischen Russen und Deutschen.<\/p>\n<p>Du hast zahlreiche Briefe der jungen deutschen Soldaten aus dem Wolgograder Milit\u00e4rmuseum ver\u00f6ffentlicht, die ihren sicheren Tod vor Augen einen letzten Gru\u00df an ihre Mutter richteten, Briefe die die Heimat nicht mehr erreichten. Ihre Abschiedsworte klingen in ihrer Trauer, ihrem Mut und in ihrem Trost f\u00fcr ihre M\u00fctter nicht anders als die Briefe ihrer russischen Kameraden, die ebenso unschuldig in diese K\u00e4mpfe gezogen waren und ihr Leben opferten, weil der milit\u00e4rische Befehl ihnen keine andere Wahl lie\u00df.<\/p>\n<div id=\"attachment_11745\" style=\"width: 515px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Vechnii_ogon-1_Volgograd.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11745\" class=\" wp-image-11745\" src=\"http:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Vechnii_ogon-1_Volgograd.jpg\" alt=\"Es ist das Innere einer runden Halle zu sehen, deren W\u00e4nde in rot-goldenem feinen Mosaik gestaltet sind und in die zahlreiche Fahnen eingearbeitet sind, auf denen Tausende Namen der in der Schlacht von Stalingrad gestorbenen Menschen stehen. Im Vordergrund f\u00e4llt der Blick auf eine mehrere Meter hohe Hand aus hellem Stein, welche aus dem dunklen Steinboden, der ein Grabmal andeutet, emporragt und ein schmales hohes Gef\u00e4\u00df mit der Ewigen Flamme tr\u00e4gt. Auf dem Boden liegen Grabkr\u00e4nze und frische Blumen. Zwei Soldaten halten Wache.\" width=\"505\" height=\"379\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Vechnii_ogon-1_Volgograd.jpg 900w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Vechnii_ogon-1_Volgograd-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 505px) 100vw, 505px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11745\" class=\"wp-caption-text\">Die Ewige Flamme in der Wolgograder Kriegsgedenkst\u00e4tte Mamaev Kurgan. Foto vom 14.8.2004: Mariluna, CC BY-SA 3.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=2685291<\/p><\/div>\n<p>Und ich erinnere mich an die vielen Gespr\u00e4che mit russischen Gener\u00e4len, Offizieren und einfachen Soldaten, die ihren deutschen Gegnern mit Respekt begegneten und ihnen die Hand zur Vers\u00f6hnung reichten, weil sie sehr wohl zu unterscheiden wussten zwischen der faschistischen F\u00fchrung unter Adolf Hitler und seiner Aggression gegen die Sowjetunion und den deutschen Soldaten und dem deutschen Volk.<\/p>\n<p>Ich f\u00fchle mich an diesem Tag in tiefer Trauer Dir, den Wolgogradern und den Veteranen verbunden, erinnere mich an unsere Zusammenarbeit beim Bau der Soldatenfriedh\u00f6fe in Wolgograd\/Rossoschka und bin dankbar f\u00fcr die Br\u00fccken der Vers\u00f6hnung, die wir hier f\u00fcr unsere beiden V\u00f6lker geschaffen haben, Br\u00fccken auf denen wir uns \u2013 Alte und Junge \u2013 begegnen konnten, uns umarmten und gelobten, dass Nichts und Niemand uns jemals wieder von diesem Weg der Vers\u00f6hnung, des Friedens und der Zusammenarbeit w\u00fcrde abbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Ansprache von Pr\u00e4sident Putin im Jahre 2001 vor dem deutschen Bundestag, dessen Mitglieder ihm f\u00fcr diese gro\u00dfe Rede zu den deutsch-russischen Beziehungen im gerade begonnenen 21. Jahrhundert stehend dankten, bildete den symbolischen Eckstein dieser neuen Friedensordnung zwischen unseren V\u00f6lkern und f\u00fcr Europa. F\u00fcr uns schien sich damals ein Traum zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Doch heute, am 75.Jahrestag der Schlacht von Stalingrad stehen wir vor den Tr\u00fcmmern dieses allzu kurzen Traums, mitten in einem neuen kalten Krieg, der allein den Interessen der USA\/NATO dient und die Kr\u00e4fte der Vers\u00f6hnung, des Friedens und der Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland durch Hochr\u00fcstung, durch Man\u00f6ver an der Grenze zu Russland sowie durch wirtschaftliche Sanktionen zu zerst\u00f6ren versucht.<\/p>\n<p>Trotz alledem, liebe Valentina, wollen wir nicht verzweifeln, sondern an unserem Traum festhalten und mit allen Kr\u00e4ften daf\u00fcr arbeiten, dass die Kr\u00e4fte des Friedens und der Vers\u00f6hnung den Sieg erringen werden \u00fcber diese aus den Tiefen der H\u00f6lle wieder hervorgestiegenen Gespenstern der Vergangenheit. Zu dieser beharrlichen Arbeit verpflichten uns die Erinnerung an die Schlacht und die Soldatenfriedh\u00f6fe in Stalingrad, das Gedenken an die Millionen Opfer des Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieges und unsere Verantwortung f\u00fcr die jungen Menschen in unseren V\u00f6lkern, die unser politisches Wirken zu Recht eines Tages vor Allem daran messen werden.<\/p>\n<p>In Freundschaft und Verbundenheit sowie mit herzlichen Gr\u00fc\u00dfen an alle Freunde in Wolgograd<br \/>\nDein Karl-Wilhelm<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich der Kapitulation der 6. 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