{"id":12258,"date":"2018-05-26T07:00:27","date_gmt":"2018-05-26T05:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=12258"},"modified":"2018-05-26T00:03:51","modified_gmt":"2018-05-25T22:03:51","slug":"nie-wieder-krieg-nie-wieder-faschismus-nie-wieder-brennende-buecher-peter-foerster-zum-85-jahrestag-der-buecherverbrennung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=12258","title":{"rendered":"Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus, nie wieder brennende B\u00fccher! &#8211; Peter F\u00f6rster zum 85. Jahrestag der B\u00fccherverbrennung"},"content":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des 85. Jahrestages der B\u00fccherverbrennung durch die Faschisten fand am Donnerstag, den 17. Mai 2018 auf dem Albertus-Magnus-Platz vor dem Hauptgeb\u00e4ude der Uni K\u00f6ln eine \u00f6ffentliche Lesung statt. Wir dokumentieren die Rede von Peter F\u00f6rster f\u00fcr den Arbeitskreis Zivilklausel an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln.<\/p>\n<p>Die Liste der vorgetragenen Texte findet sich am Schluss.<\/p>\n<hr \/>\n<blockquote><p><em>Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab:<\/em><br \/>\n<em>Emigranten.<\/em><br \/>\n<em>Das hei\u00dft doch Auswandrer. Aber wir<\/em><br \/>\n<em>Wanderten doch nicht aus, nach freiem Entschluss<\/em><br \/>\n<em>W\u00e4hlend ein andres Land. Wanderten wir doch auch nicht<\/em><br \/>\n<em>Ein in ein Land, dort zu bleiben, wom\u00f6glich f\u00fcr immer<\/em><br \/>\n<em>Sondern wir flohen. Vertriebene sind wir, Verbannte.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><em>Bertolt Brecht, \u201e\u00dcber die Bezeichnung Emigranten\u201c, 1937<\/em><\/p>\n<p>Liebe Mitstreiter und Mitleser, Zuh\u00f6rer und Zuschauer,<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>nochmal an alle vielen Dank f\u00fcr die Beteiligung an den Lesungen zum Jahrestag der B\u00fccherverbrennung! Ihr findet unten eine (leider nicht ganz vollst\u00e4ndige) Zusammenstellung der vorgetragenen Texte von diesem Jahr.<\/p>\n<div id=\"attachment_12262\" style=\"width: 443px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/1933-may-10-berlin-book-burning.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12262\" class=\" wp-image-12262\" src=\"http:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/1933-may-10-berlin-book-burning.jpg\" alt=\"Eine Schwarz-Wei\u00df-Aufnahme zeigt einen uniformierten Mann von hinten. Er wirft gerade ein Buch in das vor ihm brennende Feuer.\" width=\"433\" height=\"343\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/1933-may-10-berlin-book-burning.jpg 800w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/1933-may-10-berlin-book-burning-768x609.jpg 768w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/1933-may-10-berlin-book-burning-100x80.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12262\" class=\"wp-caption-text\">SA-Mitglied bei der \u00f6ffentlichen Verbrennung &#8222;undeutscher&#8220; B\u00fccher am 10. Mai 1933, Opernplatz in Berlin. Foto: n.b. United States Holocaust Memorial Museum, courtesy of National Archives and and Records Administration, College Park<\/p><\/div>\n<p>Wir haben diese Lesungen in K\u00f6ln als Arbeitskreis Zivilklausel vor f\u00fcnf Jahren am 80. Jahrestag der B\u00fcchverbrennung intiiert, 2013. Die Lesungen haben wir damals unter das Motto des in diesem Jahr verstorbenen Widerstandsk\u00e4mpfers und Antifaschisten Martin L\u00f6wenberg &#8222;Mit den Waffen des Geistes gegen den Geist der Waffen&#8220; gestellt. 2013 war der hoffnungsvolle arabische Fr\u00fchling bereits an vielen Orten in einen von au\u00dfen befeuerten, andauernden Krieg abgeglitten, indem massenhaft Menschen aus ihren H\u00e4usern vertrieben wurden.<\/p>\n<p>Das war auch der Beginn der bemerkenswerten Welle von Fl\u00fcchtlingssolidarit\u00e4t, die eine konservative Kanzlerin und Regierung zur zeitweiligen \u00d6ffnung der Grenzen bewegt hat. Damals gr\u00fcndete sich unter F\u00fchrung von Bernd Lucke die AfD, die mit geistiger Brandstiftung den N\u00e4hrboden legt f\u00fcr brennende Asylbewerberheime. Die Lesungen in diesem Jahren waren auch vom Nein zum Krieg und einem empathischen, anderen Blickwinkel auf Flucht und Exil und dem Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine humanistisch begr\u00fcndete Urteilsf\u00e4higkeit gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Auch die Universit\u00e4t K\u00f6ln hat sich in dieser Zeit entwickelt und mit neuem Selbstbewusstsein in die Geschichte eingegriffen: 2014 ist es gelungen, dass sich die Universit\u00e4t K\u00f6ln dem Frieden verpflichtet hat. Wesentlich auf Engagement aus der Hochschule heraus geht zur\u00fcck, dass Sharo Garip, in der T\u00fcrkei verfolgter Wissenschaftler f\u00fcr den Frieden zur\u00fcck nach Deutschland kommen konnte. Sharo war dieses Mal auch bei den Lesungen dabei. Die Universit\u00e4t hat sich bem\u00fcht, sich f\u00fcr Gefl\u00fcchtete zu \u00f6ffnen und ist nun mit ihrer Positionierung f\u00fcr eine weltoffene Universit\u00e4t und gegen die geplanten Studiengeb\u00fchren f\u00fcr Menschen von au\u00dferhalb der Europ\u00e4ischen Union Alternative zur national-vebr\u00e4mten Politik der Landesregierung.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund waren die antifaschistischen Lesungen auch in diesem Jahr ein Erinnern \u201enach vorne\u201c. Sie sind ein Beitrag dazu, dass an der Universit\u00e4t aus der Geschichte Konsequenzen gezogen werden f\u00fcr engagiertes Eingreifen gegen Rechts und f\u00fcr ein solidarisches Zusammenleben. Erfreulich waren auch in diesem Jahr das Zusammentreffen von Universit\u00e4t und Stadtgesellschaft, das Neu-Kennenlernen, von Texten wie von Kommilitonen, Lehrenden, Mitstreitern.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Jahr werden die Lesungen stattfinden im Jahr des hundertj\u00e4hrigen \u201eJubil\u00e4um\u201c der nach dem 1. Weltkrieg neugegr\u00fcndeten Universit\u00e4t \u2013 ein zus\u00e4tzlicher Anlass zur Reflexion der Indienstnahme der Universit\u00e4t f\u00fcr menschenverachtende Interessen wie auch f\u00fcr Widerst\u00e4ndigkeit, die es auch gegeben hat. Sonst h\u00e4tten aus den Bibliotheken nicht massenhaft B\u00fccher entfernt und verbrannt werden m\u00fcssen. (Bei der Lesung wurden Goswin Frenken und Benedikt Schmittmann geehrt, Professoren der Universit\u00e4t, die dem Hitler-Faschismus kritisch gegen\u00fcberstanden, inhaftiert und in Konzentrationslagern umgebracht wurden. Die K\u00f6lner Universit\u00e4tsleitung hatte die Setzung von Stolpersteinen auf dem Grundst\u00fcck, das der Universit\u00e4t geh\u00f6rt, untersagt. Die Stolpersteine mit ihren Namen liegen daher auf st\u00e4dtischem Boden.)<\/p>\n<p>Hoffentlich auf bald!<\/p>\n<p>Peter f\u00fcr den Arbeitskreis Zivilklausel<\/p>\n<blockquote><p><i>Und das Lernen des Schauspielers mu\u00df zusammen mit dem Lernen der anderen Schauspieler, sein Aufbau der Figur mit dem Aufbau der anderen Figuren vorgenommen werden. Denn die kleinste gesellschaftliche Einheit ist nicht der Mensch, sondern zwei Menschen. Auch im Leben bauen wir uns gegenseitig auf.<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p><em>Bertolt Brecht, Kleines Organon f\u00fcr das Theater, 1949<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h4>Bibliographische Angaben zu den verlesenen Texten:<\/h4>\n<p>Albert Einstein<br \/>\n&#8211; \u201eWarum Krieg?\u201c Briefwechsel mit Sigmund Freud<\/p>\n<p>Anne Frank<br \/>\n&#8211; aus dem Tagebuch<\/p>\n<p>Benedikt Schmittmann<br \/>\n&#8211; Die Verdr\u00e4ngung des sozialwissenschaftlichen Universit\u00e4tsstudiums duch das Wirtschaftsdiplom. Kritisches zur neuen Volkswirtschaftsdiplompr\u00fcfung, 1926<\/p>\n<p>Bertolt Brecht:<br \/>\n&#8211; Verbrennt mich!!<br \/>\n&#8211; An die Nachgeborenen<br \/>\n&#8211; Die Auswanderung der Dichter<br \/>\n&#8211; Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration<br \/>\n&#8211; Kleines Organon zum Theater<br \/>\n&#8211; Besuch bei den verbannten Dichtern<br \/>\n&#8211; \u00dcber die Bezeichnung Emigranten<\/p>\n<p>Erich Maria Remarque<br \/>\n&#8211; Im Westen nichts Neues<\/p>\n<p>Erich K\u00e4stner<br \/>\n&#8211; Fabian<\/p>\n<p>Erich M\u00fchsam:<br \/>\n&#8211; Der Revoluzzer<\/p>\n<p>Franz Kafka<br \/>\n&#8211; In der Strafkolonie<br \/>\n&#8211; Beschreibung eines Kampfes. Novellen, Skizzen, Aphorismen aus dem Nachla\u00df, in: Franz Kafka, Gesammelte Werke, hrsg. von Max Brod, Taschenbuchausgabe in acht B\u00e4nden, Frankfurt 1983, darin die Seiten 70-71: &#8222;Das Stadtwappen&#8220; (urspr\u00fcngliche gebundene Ausgabe: Frankfurt 1969).<\/p>\n<p>Georg Weerth<br \/>\n&#8211; Rede auf dem Freihandelskongress in Br\u00fcssel (18. September 1847), Werke I, S. 112-116<br \/>\n&#8211; Gedicht: \u201eHeute morgen fuhr ich nach D\u00fcsseldorf\u201c, Werke I, S. 80-83<br \/>\n(aus: Werke in zwei B\u00e4nden, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1974.)<\/p>\n<p>Heinrich Mann<br \/>\n&#8211; Der Untertan<\/p>\n<p>Irmgard Keun<br \/>\n&#8211; Ausschnitt des Romans: Gilgi, eine von uns (1931) aus: Irmgard Keun Das Werk, Bd. 1 S. 51ff.<\/p>\n<p>Jannis Ritsos<br \/>\n&#8211; &#8222;Epilog&#8220;. In: Die Umkehrbilder des Schweigens, Suhrkamp 2001, S. 141<\/p>\n<p>Joachim Ringelnatz<br \/>\n&#8211; Gedichte aus: Die Schnupftabakdose. Stumpfsinn in Versen, 1912<\/p>\n<p>Joseph Roth<br \/>\n&#8211; Juden auf Wanderschaft (1928)<\/p>\n<p>Gertrud Kolmar<br \/>\n&#8211; Gedicht &#8222;Der 9. November 1918&#8220;. Aus den nachgelassenen Gedichten, ver\u00f6ffentlicht 1978 in der DDR unter dem Titel &#8222;Das Wort der Stummen&#8220;.<\/p>\n<p>Karl Marx<br \/>\n&#8211; Grundrisse der Kritik der politischen \u00d6konomie (Rohentwurf) 1857-1858.<br \/>\nEurop\u00e4ische Verlagsanstalt Frankfurt, Europa Verlag Wien.<br \/>\nAusschnitte von den Seiten 592 \u2013 596<\/p>\n<p>Konstantin Wecker<br \/>\n&#8211; Sage NEIN! (1992)<\/p>\n<p>Kurt Tucholsky<br \/>\n&#8211; keinen Mann und keinen Groschen<br \/>\n&#8211; Und wer spricht f\u00fcr euch?<br \/>\n&#8211; \u00dcber wirkungsvollen Pazifismus (alle aus: Unser Milit\u00e4r! B\u00fcchergilde Gutenberg 1982)<br \/>\n&#8211; Berlin! Berlin!<br \/>\n&#8211; Deutschland erwache! (1930)<br \/>\n&#8211; Olle Germanen (1925)<br \/>\n&#8211; Der Mensch<br \/>\n&#8211; Drei Minuten Geh\u00f6r<br \/>\n&#8211; Ich m\u00f6chte Student sein<\/p>\n<p>Oskar Maria Graf<br \/>\n&#8211; Das Leben meiner Mutter<br \/>\n&#8211; Verbrennt mich&#8220;<\/p>\n<p>Mascha Kaleko<br \/>\n&#8211; Gedichte: Kinder reicher Leute (1933), Emigrantenmonolog (o.J.) aus: Der Gro\u00dfe Conrady- Das Buch deutscher Gedichte, S.644f.<\/p>\n<p>Theodor Plievier<br \/>\n&#8211; Der Kaiser ging, die Gener\u00e4le blieben. (Bibliothek der verbrannten B\u00fccher) Fischer Taschenbuch 5171, 1981. Ausz\u00fcge aus den Seiten 204-238<\/p>\n<p>Thomas Mann<br \/>\n&#8211; Der Zauberberg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des 85. Jahrestages der B\u00fccherverbrennung durch die Faschisten fand am Donnerstag, den 17. Mai 2018 auf dem Albertus-Magnus-Platz vor dem Hauptgeb\u00e4ude der Uni K\u00f6ln eine \u00f6ffentliche Lesung statt. 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