{"id":13727,"date":"2019-04-23T23:37:19","date_gmt":"2019-04-23T21:37:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=13727"},"modified":"2019-04-23T23:37:19","modified_gmt":"2019-04-23T21:37:19","slug":"beate-hane-knoll-ver-di-geld-fehlt-im-gesundheitswesen-aufruestung-ist-menschenverachtend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=13727","title":{"rendered":"Beate Hane-Knoll (ver.di): Geld fehlt im Gesundheitswesen &#8211; Aufr\u00fcstung ist menschenverachtend!"},"content":{"rendered":"<div><em>Beate Hane-Knoll, ver.di, sprach beim Auftakt des Ostermarsches Rhein-Ruhr am 20.4.2019 in K\u00f6ln.<\/em><\/div>\n<div>\n<hr \/>\n<\/div>\n<div>Mein Name ist Beate Hane-Knoll, ich bin Krankenschwester, Betriebsr\u00e4tin und ver.di Vertrauensfrau.<\/div>\n<div>\n<p>Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen setze ich mich f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen und mehr Personal im Gesundheitswesen ein. Nicht nur in den Krankenh\u00e4usern, sondern auch in der Altenpflege und der ambulanten Pflege herrscht erheblicher Personalmangel, der sich negativ auf die Besch\u00e4ftigten sowie Patientinnen und Patienten auswirkt.<\/p>\n<div id=\"attachment_13732\" style=\"width: 312px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13732\" class=\" wp-image-13732\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/8_20190420_hdh_0961_20190421_1157343632.jpg\" alt=\"Eine schlanke Dame mit blonden kurzen Haaren und grauer Baumwollbluse spricht in ein Mikro.\" width=\"302\" height=\"452\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/8_20190420_hdh_0961_20190421_1157343632.jpg 4000w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/8_20190420_hdh_0961_20190421_1157343632-100x150.jpg 100w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/8_20190420_hdh_0961_20190421_1157343632-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/8_20190420_hdh_0961_20190421_1157343632-2000x3000.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 302px) 100vw, 302px\" \/><p id=\"caption-attachment-13732\" class=\"wp-caption-text\">Beate Hane-Knoll (ver.di) beim Auftakt zum Ostermarsch Rhein-Ruhr am 20.4.2019, Breslauer Platz, K\u00f6ln. Foto (copyright): Hans-Dieter Hey, www.r-mediabase.eu.<\/p><\/div>\n<p>Die Zust\u00e4nde k\u00f6nnen durchaus als besorgniserregend bezeichnet werden.<\/p>\n<p>Eine angemessene Versorgung der Patient*innen und Bewohner*innen kann oftmals nicht gew\u00e4hrleistet und Hygienestandards k\u00f6nnen nicht eingehalten werden. Durch Personalmangel m\u00fcssen Betten reduziert oder sogar Stationen geschlossen werden.<\/p>\n<p>Das Personal ist maximal \u00fcberlastet und wird oftmals schlecht bezahlt.<\/p>\n<p>Der Personalschl\u00fcssel ist unzureichend, Arbeitsschutzgesetze werden missachtet, Ruhezeiten h\u00e4ufig nicht eingehalten. Teilzeitkr\u00e4fte werden in Vollzeit geplant, Auszubildende werden wie examinierte Kr\u00e4fte eingesetzt. Auch Angeh\u00f6rige f\u00fchlen sich immer wieder \u00fcberfordert.<\/p>\n<p>Die Situation im Gesundheitswesen verschlimmert sich zusehends, und sie betrifft nicht nur die Pflege, sondern auch den \u00e4rztlichen und den sogenannten gewerblichen Bereich mit Besch\u00e4ftigten in den K\u00fcchen, Handwerker*innen, Reinigungs- und weiteren Servicekr\u00e4ften. Sie betrifft nicht zuletzt auch die Patient*innen sowie ihre Angeh\u00f6rigen.<\/p>\n<p>Somit geht die Thematik uns alle an, denn entweder sind wir schon jetzt betroffen oder k\u00f6nnen dies jederzeit werden.<\/p>\n<p>Die Misere hat politische Ursachen: Jahrelang wurde die \u00d6konomisierung des Gesundheitswesens vorangetrieben. Dazu geh\u00f6rt die Einf\u00fchrung des DRG-Fallpauschalensystems (Diagnosis Related Groups) im Jahr 2004, das unser Gesundheitswesen nach betriebswirtschaftlichen Kriterien organisiert und den Konkurrenzkampf zwischen den Krankenh\u00e4usern hervorgebracht hat.<\/p>\n<p>Das Ergebnis: \u00fcberall steigt der Kostendruck.<\/p>\n<p>Die Qualit\u00e4t sinkt, weil Arbeitgeber zur Kostenreduktion Personaleinsparungen vornehmen.<\/p>\n<p>Immer mehr Kolleg*innen werden durch die belastende Arbeit krank, fl\u00fcchten in die Leiharbeit und bleiben nach der Ausbildung nicht lange im Beruf.<\/p>\n<div id=\"attachment_13731\" style=\"width: 308px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13731\" class=\" wp-image-13731\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/19_20190420_hdh_0964_20190421_2006104151.jpg\" alt=\"\" width=\"298\" height=\"446\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/19_20190420_hdh_0964_20190421_2006104151.jpg 3597w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/19_20190420_hdh_0964_20190421_2006104151-100x150.jpg 100w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/19_20190420_hdh_0964_20190421_2006104151-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/19_20190420_hdh_0964_20190421_2006104151-2000x3000.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><p id=\"caption-attachment-13731\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Geld f\u00fcr&#8217;s Wohnen, nicht f\u00fcr Drohnen&#8220;. Auftakt zum Ostermarsch Rhein-Ruhr am 20.4.2019, Breslauer Platz, K\u00f6ln. Foto (copyright): Hans-Dieter Hey, www.r-mediabase.eu.<\/p><\/div>\n<p>In der Altenpflege entscheidet\u00a0 sich am Geldbeutel, ob man am Lebensende &#8222;verwahrt&#8220; oder pflegend und aufmerksam begleitet wird!<\/p>\n<p>Die zunehmende Privatisierung, Fusionierung oder Schlie\u00dfung vormals \u00f6ffentlicher Krankenh\u00e4user stellt die Gesundheitsversorgung, ihre Besch\u00e4ftigten und die Patient*innen vor ein ernstes Problem: der Druck, &#8222;schwarze Zahlen&#8220; zu schreiben und Profite zu machen, gef\u00e4hrdet eine bedarfsgerechte Versorgung.<\/p>\n<p>Die Anzahl der Hebammen, die in den Krei\u00dfs\u00e4len zur Verf\u00fcgung stehen, hat drastisch abgenommen, so dass Hochschwangere mit dem Rettungswagen ein anderes Krankenhaus anfahren m\u00fcssen.\u00a0Es finden auch nicht alle Schwangeren auf Anhieb eine selbst\u00e4ndige Hebamme, die sie betreut, da auch deren Anzahl aufgrund der horrenden Versicherungsbeitr\u00e4ge gesunken ist.<\/p>\n<p>Da ist es mehr als absurd und menschenverachtend, wenn die Bundesregierung die R\u00fcstungsausgaben in den n\u00e4chsten Jahren fast verdoppeln will. Mindestens 30 Milliarden Euro sollen f\u00fcr Anschaffung von Panzern, Flugzeugen, Waffen usw. ausgegeben, statt in Bereichen investiert zu werden, in denen es dringend erforderlich ist.<\/p>\n<p>Der vielfach zitierte demographische Wandel wird in den n\u00e4chsten Jahren rasant voranschreiten. Die Anzahl der \u00e4lteren Menschen, die pflegebed\u00fcrftig und multimorbid sind, also eine Vielzahl von Erkrankungen haben, wird steigen.<\/p>\n<p>Die Anzahl der j\u00fcngeren Menschen wird sinken und derjenigen, die sich f\u00fcr eine Ausbildung im Gesundheitswesen entscheiden, wird noch weiter zur\u00fcckgehen, wenn die personelle Situation und die Arbeitsbedingungen nicht verbessert werden.<\/p>\n<p>Schon im April 2015 hat ver.di eine Kampagne f\u00fcr mehr Personal im Gesundheitswesen auf den Weg gebracht.<\/p>\n<p>Durch eine bundesweite Befragung in vielen Krankenh\u00e4usern wurde ermittelt, wie viele Kolleginnen und Kollegen fehlen. Sage und schreibe 162.000 fehlende Stellen wurden von den Besch\u00e4ftigten als erforderlich angesehen, um Patient*innen vern\u00fcnftig versorgen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In den darauffolgenden Jahren gab es weitere Aktionen, die das Ziel einer gesetzlichen und bedarfsgerechten Personalbemessung in allen Bereichen des Gesundheitswesens zum Ziel hatten.<\/p>\n<p>Voriges Jahr wurde wochenlang in den Unikliniken D\u00fcsseldorf und Essen gestreikt, um einen Entlastungstarifvertrag abschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bei all diesen Dingen geht es um mehr Geld, das ausgegeben werden muss, um eine gute Versorgung von pflegebed\u00fcrftigen Menschen in Krankenh\u00e4usern, Pflegeeinrichtungen oder in der ambulanten Pflege zu gew\u00e4hrleisten, die einhergeht mit einer wertsch\u00e4tzenden Bezahlung und verbesserten Arbeitsbedingungen\u00a0 f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p>Gesundheit ist keine Ware &#8211; der Regierung sollte bewusst sein, dass eine Umkehr der bisherigen Gesundheitspolitik das Gebot der Stunde ist.<\/p>\n<p>Mogelpackungen, wie sie uns von Herrn Spahn und anderen verkauft werden, taugen nichts f\u00fcr eine nachhaltige Verbesserung der personellen Situation. Sie k\u00f6nnen eher dazu f\u00fchren, dass die Altenpflegeeinrichtungen personell ausbluten, weil Besch\u00e4ftigte wegen einer besseren Verg\u00fctung in die Krankenh\u00e4user abwandern. Nicht nur die Betroffenen, sondern auch Organisationen wie die Deutsche Interdisziplin\u00e4re Vereinigung der Intensiv- und Notfallmedizin kritisieren den halbherzigen Vorsto\u00df seitens des Gesundheitsministeriums. Sie fordern genau wie ver.di bessere Bezahlung, verbesserte Aus- und Weiterbildung, familienfreundliche und planungssichere Arbeitszeiten, um dringend ben\u00f6tigtes Personal zu werben und zu halten.<\/p>\n<div id=\"attachment_13736\" style=\"width: 444px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13736\" class=\" wp-image-13736\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20190420_bb_0899_20190420_1409138888.jpg\" alt=\"Eine Frau mit schulterlangen Haaren und dunkler Sonnenbrille tr\u00e4gt ein gro\u00dfes gelbes Pappschild mit der genannten Schrift vor ihrer Brust.\" width=\"434\" height=\"651\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20190420_bb_0899_20190420_1409138888.jpg 4000w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20190420_bb_0899_20190420_1409138888-100x150.jpg 100w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20190420_bb_0899_20190420_1409138888-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20190420_bb_0899_20190420_1409138888-2000x3000.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 434px) 100vw, 434px\" \/><p id=\"caption-attachment-13736\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Wir d\u00fcrfen nicht l\u00e4nger den Preis des Krieges zahlen &#8211; wir m\u00fcssen beginnen, den Preis des Friedenszu bezahlen&#8220;. Auftakt zum Ostermarsch am 20.4.2019, Breslauerplatz, K\u00f6ln. Foto (copyright): Berthold Bronisz, www.r-mediabase.eu.<\/p><\/div>\n<p>Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass ausreichend vorhandenes\u00a0 Personal ein entscheidendes Kriterium f\u00fcr Patientensicherheit ist.<\/p>\n<p>Das vorhandene Geld sollte daher nicht in R\u00fcstung, sondern in zivilen Bereichen, wie zum Beispiel der Gesundheitsversorgung eingesetzt wird.<\/p>\n<p>Schaut man auf den aktuellen Bundeshaushalt, wird klar, dass schon jetzt genauso viel Geld f\u00fcr Verteidigung( 43,2 Milliarden) wie f\u00fcr Bildung (18,3), Gesundheit (15,3) und Familie (10,5) zusammen ausgegeben wird.<\/p>\n<p>Investitionen f\u00fcr eine nachhaltige und zukunftsorientierte Gesellschaft sehen anders aus.<\/p>\n<p>Stattdessen werden Feindbilder aufgebaut und immer wieder bedient, um den R\u00fcstungswahnsinn zu legitimieren. Das ist mehr als traurig und macht Politik nicht glaubw\u00fcrdiger.<\/p>\n<p>Eine Erh\u00f6hung der R\u00fcstungsausgaben wird die Welt nicht sicherer machen. Statt aufzur\u00fcsten sollte intensiver\u00a0 geredet und verhandelt werden. Ein neuer R\u00fcstungswettlauf bedeutet, dass die Spannungen zwischen Staaten zunehmen und das Risiko einer Eskalation steigt.<\/p>\n<p>Daher m\u00fcssen wir gemeinsam fordern &#8222;Abr\u00fcsten statt aufr\u00fcsten!&#8220;.<\/p>\n<p>Der 2017 gestartete Aufruf mit seinen inzwischen mehr als 140.000 Unterst\u00fctzerinnen und Unterst\u00fctzern, macht deutlich, dass die geplante R\u00fcstungsaufstockung auf\u00a0 Widerstand st\u00f6\u00dft. Es liegt an uns, aktiv\u00a0 zu\u00a0 werden und diesen Widerstand weiter zu verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>In diesem Sinne hoffe ich auf eine erfolgreiche Ostermarschbewegung.<\/p>\n<hr \/>\n<div class=\"\"><em><span class=\"\">Beate Hane-Knoll ist ausgebildete Krankenschwester und arbeitet\u00a0bei den St\u00e4dtischen Kliniken K\u00f6ln.\u00a0Sie engagiert sich als Gewerkschafterin in der Funktion als\u00a0Vertrauensfrau und Betriebsr\u00e4tin und ist\u00a0Sachkundige\u00a0Einwohnerin im Gesundheitsausschuss des Rates der Stadt K\u00f6ln.<\/span><\/em><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beate Hane-Knoll, ver.di, sprach beim Auftakt des Ostermarsches Rhein-Ruhr am 20.4.2019 in K\u00f6ln. Mein Name ist Beate Hane-Knoll, ich bin Krankenschwester, Betriebsr\u00e4tin und ver.di Vertrauensfrau. 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