{"id":14011,"date":"2019-08-12T09:26:24","date_gmt":"2019-08-12T07:26:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=14011"},"modified":"2019-08-12T09:27:01","modified_gmt":"2019-08-12T07:27:01","slug":"politologe-ei-ichi-kido-in-koeln-radioaktive-hinterlassenschaften-der-militaerischen-und-zivilen-nukleartechnik-in-japan-sind-verheerend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=14011","title":{"rendered":"Politologe Ei-Ichi Kido in K\u00f6ln: &#8222;Radioaktive Hinterlassenschaften der milit\u00e4rischen und zivilen Nukleartechnik in Japan sind verheerend&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Rede des Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Ei-Ichi Kido am\u00a010. August 2019 auf der K\u00f6lner Feier zum Gedenken an die Opfer der Atombombenabw\u00fcrfe auf die japanischen St\u00e4dte Hiroshima und Nagasaki vor 74 Jahren.<\/em><\/p>\n<p>Kurz nach der deutschen Einheit habe ich einen gr\u00fcnen Stadtbezirksabgeordneten in Berlin-Tiergarten kennengelernt. Er hatte initiert, die Stra\u00dfe, in der die japanische Botschaft heute steht, in Hiroshimastra\u00dfe umzubennen. Sie hie\u00df fr\u00fcher Graf-Spee-Stra\u00dfe. Die Umbenennung des Stra\u00dfennamens bedeutet einen Sinneswandel von der Verehrung des deutschen Militarismus zur Willenserkl\u00e4rung f\u00fcr den Weltfrieden.<\/p>\n<p>Ich habe dem Berliner Stadtbezirksabgeordneten gesagt:<\/p>\n<blockquote><p>Es ist toll, dass Sie die Hiroshimastra\u00dfe eingef\u00fchrt haben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Er konterte:<\/p>\n<blockquote><p>Es tut mir leid, dass wir mit Nagasakistra\u00dfe keinen Erfolg haben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Da hat sich ein Schamgef\u00fchl in mir verbreitet, weil die Erinnerung der Japaner an Hiroshima und Nagasaki schon damals immer schw\u00e4cher geworden war.<\/p>\n<p>Seit M\u00e4rz diesen Jahres wohne ich in Bochum. Der NRW-Aufenthalt hat mich an dieses Schamgef\u00fchl erinnert. Platz von Hiroshima in Dortmund. Rua Hiroshima in Oberhausen. Hiroshima-Nagasaki-Park hier in K\u00f6ln. All das zeigt die politische Wachsamkeit, die f\u00fcr Demokratie notwendig ist. Aber wie ist das in Japan?<\/p>\n<h4>&#8222;Einzige Atombombenopfernation der Welt&#8220; gegen UN-Atomwaffenverbotsvertrag<\/h4>\n<div id=\"attachment_14017\" style=\"width: 317px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14017\" class=\" wp-image-14017\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSC_0295-e1565593418948.jpg\" alt=\"Ein asiatisch aussehender Herr mit kurzen schwarzen Haaren und Brille, in einem beigefarbenen Leinenhemd und sonnengelbem T-Shirt darunter spricht in ein Mikrophon. Im Hintergrund ein Schild mit einer Friedenstaube und dem Logo von ICAN, der Internationalen Kampagne zur Abschaffung der Kernwaffen.\" width=\"307\" height=\"461\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSC_0295-e1565593418948.jpg 3072w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSC_0295-e1565593418948-100x150.jpg 100w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSC_0295-e1565593418948-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSC_0295-e1565593418948-2000x3000.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 307px) 100vw, 307px\" \/><p id=\"caption-attachment-14017\" class=\"wp-caption-text\">Ei-Ichi Kido am 10.8.2019 im Hiroshima-Nagasaki-Park K\u00f6ln. Foto: Stefanie Intveen<\/p><\/div>\n<p>Die sogenannte \u201eeinzige Atombombenopfernation der Welt\u201c wendet dem Atomwaffenverbotsvertrag den R\u00fccken zu, der bei der UNO-Generalversammung im Juli 2017 mit gro\u00dfer Mehrheit angenommen wurde. Und das, obwohl das japanische Wort \u201eHibakusha\u201c, Opfer des Einsatzes von Kernwaffen, international geworden ist.<\/p>\n<p>Der japanische Ministerpr\u00e4sident Shinz\u00f4 Abe sagt, Japan versuche, eine Br\u00fccke zwischen Atomm\u00e4chten und Nichtatomm\u00e4chten zu bauen. Diese Stellungnahme ist reiner Betrug. Denn sein Kabinett hat am 1. April 2016 erkl\u00e4rt, dass die pazifistische Verfassung Japans dem Land weder Besitz noch Einsatz von Kernwaffen verbietet. Daher kann man leicht verstehen, warum Japan trotz der Atomkatastrophe in Fukushima immer noch nicht auf AKW verzichten will.<\/p>\n<h4>273 Kinder mit Schilddr\u00fcsenkrebs in Fukushima<\/h4>\n<p>Im September 2013 sagte Abe beim IOC-Treffen in Buenos Aires, dass die Situation in Fukushima unter Kontrolle\u00a0sei. Zur Bewerbung Tokios um die Olympischen Sommerspiele 2020 hat er die Welt\u00f6ffentlichkeit belogen. Fakt ist: wir Japaner sind v\u00f6llig ratlos, wie wir mit den wachsenden Abwassertanks mit radioaktiv verseuchtem Wasser machen sollen. Inzwischen gibt es in Fukushima mindestens 273 Kinder, die Schilddr\u00fcsenkrebs haben.<\/p>\n<p>Die radioaktiven Hinterlassenschaften der milit\u00e4rischen und zivilen Nukleartechnik sind so verheerend. Die Botschaft von &#8222;Fridays for Future&#8220; ist klar: f\u00fcr ein menschengerechtes \u00dcberleben muss sofort etwas gemacht werden. Einen Schritt dahin, ein menschengerechtes \u00dcberleben zu sichern, k\u00f6nnte auch das Inkrafttreten des Atomwaffenverbotsvertrags markieren. Dazu brauchen wir grenz- und generations\u00fcbergreifende Solidarit\u00e4t der Zivilgesellschaften. In diesem Sinne m\u00fcssen wir gemeinsam der japanischen Regierung, der Bundesregierung und allen Regierungen, die den Vertrag noch nicht unterzeichnet haben, viel mehr Druck machen.<\/p>\n<p><em>Ei-Ichi Kido\u00a0ist ein japanischer Politikwissenschaftler, der zur Zeit als Gastdozent an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum arbeitet. Er engagiert sich gegen die Remilitarisierung Japans und hat dar\u00fcber auch in deutscher Sprache <a href=\"https:\/\/www.ruhr-uni-bochum.de\/gj\/personal\/kido.html\">publiziert<\/a>. Wir bedanken uns bei ihm herzlich f\u00fcr die M\u00f6glichkeit, seine Rede hier ver\u00f6ffentlichen zu d\u00fcrfen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede des Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Ei-Ichi Kido am\u00a010. August 2019 auf der K\u00f6lner Feier zum Gedenken an die Opfer der Atombombenabw\u00fcrfe auf die japanischen St\u00e4dte Hiroshima und Nagasaki vor 74 Jahren. 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