{"id":14146,"date":"2019-09-19T07:00:25","date_gmt":"2019-09-19T05:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=14146"},"modified":"2019-09-18T13:57:32","modified_gmt":"2019-09-18T11:57:32","slug":"wolfgang-uellenberg-van-dawen-zweiter-weltkrieg-war-ein-rassistischer-eroberungs-und-vernichtungskrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=14146","title":{"rendered":"Wolfgang Uellenberg van Dawen: Zweiter Weltkrieg war ein rassistischer Eroberungs- und Vernichtungskrieg"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\"><em>Rede auf der <a href=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=14115\">Kundgebung zum Antikriegstag am 31. August 2019 in K\u00f6ln<\/a>\u00a0<\/em><\/div>\n<div><em>von<\/em> <em>Wolfgang Uellenberg van Dawen.<\/em><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Vor achtzig Jahren \u00fcberfiel das von den Nationalsozialisten beherrschte Deutschland Polen und begann damit den Zweiten Weltkrieg. Dieser Zweite Weltkrieg war ein rassistischer Eroberungs- und Vernichtungskrieg, wie ihn Hitler seit Gr\u00fcndung der NSDAP propagiert und wie ihn die Nazis und ihre Unterst\u00fctzer seit dem 30. Januar 1933 systematisch vorbereitet hatten. Die Milit\u00e4rs mit dem Aufbau einer gigantischen Kriegsmaschinerie, die Industrie mit einem riesigen R\u00fcstungsprogramm, der Terrorapparat mit Polizei und SS, der jede Opposition erstickte, die Medien mit ihren L\u00fcgen. Millionen und Abermillionen Deutscher folgten ihm, befangen im Hitlerkult, indem sie die Ausgrenzung und Verfolgung der Juden und die Hetze auf alle, die die Nazis in ihrem Herrenmenschenwahn als minderwertig ansahen, aktiv unterst\u00fctzten oder sie zumindest hinnahmen.<\/p>\n<div id=\"attachment_14151\" style=\"width: 467px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14151\" class=\" wp-image-14151\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190831_KRM_1120896.jpg\" alt=\"Ein \u00e4lterer Herr im Poloshirt mit Brille und wenigen kurzrasierten Haaren spricht in ein Mikro.\" width=\"457\" height=\"517\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190831_KRM_1120896.jpg 1810w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190831_KRM_1120896-133x150.jpg 133w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190831_KRM_1120896-768x869.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 457px) 100vw, 457px\" \/><p id=\"caption-attachment-14151\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Wolfgang Uellenberg van Dawen spricht zum Antikriegstag. Alter Markt, K\u00f6ln, 31.8.2019. Foto: \u00a9 Klaus Reinhard M\u00fcller (CC BY-SA 4.0).<\/p><\/div>\n<p>Die Nazis verfolgten im Wesentlichen zwei Ziele. Das eine war die Unterwerfung Europas und die Versklavung der V\u00f6lker. Sie wollten sich bereichern und sie auf Dauer ausbeuten. Und damit begannen sie sofort. Sie raubten die besetzten L\u00e4nder aus, ermordeten wie in Polen die Eliten, ver\u00fcbten vom ersten Tag an Kriegsverbrechen. Im Laufe des Krieges wurden Millionen als Zwangsarbeiter rekrutiert. Millionen Kriegsgefangene verhungerten oder wurden durch Sklavenarbeit in den Tod getrieben.<\/p>\n<p>Am 1. September 1939 begann nicht nur der Zweite Weltkrieg. An eben diesem Tag befahl Hitler den Massenmord an den psychisch kranken Menschen in der Obhut der Heil- und Pflegeeinrichtungen. Und im Zweiten Weltkrieg erleichterten purer Rassismus und Unmenschlichkeit den Nazis die Ermordung von Sinti und Roma, Homosexuellen, Bibelforschern, Zeugen Jehovas, Christen und Widerstandsk\u00e4mpfern aus Deutschland und allen besetzten L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Denn das eigentliche von den Nazis in aller Offenheit verk\u00fcndete Ziel war die Vernichtung des in ihren Augen minderwertigen Lebens, aber in erster Linie aller j\u00fcdischen Menschen, derer sie habhaft werden konnten. Dieses Ziel haben die Nazis mit Billigung der meisten Deutschen bis in die letzten Tage des Kriegs konsequent verfolgt. Sie haben sechs Millionen J\u00fcdinnen und Juden kaltbl\u00fctig ermordet \u2013 ein in der Geschichte einmaliges Verbrechen! Der Zweite Weltkrieg war wie kein Krieg zuvor ein rassistischer Vernichtungskrieg.<\/p>\n<p>Unsere Botschaft an diesem achtzigsten Jahrestag des \u00dcberfalls auf Polen muss sein: die Menschheitsverbrechen des von den Nazis beherrschten Deutschlands d\u00fcrfen niemals vergessen, verdr\u00e4ngt und relativiert werden! Darin liegt unsere Verantwortung!<\/p>\n<p>W\u00e4re es nach dem Willen der besiegten Deutschen, die die Rache der Sieger f\u00fcrchteten, gegangen, dann w\u00e4re der 8. Mai 1945 zur Stunde Null, zur Stunde des Vergessens geworden. Als amerikanische Truppen im M\u00e4rz bzw. April 1945 auch K\u00f6ln besetzten, waren die Soldaten ersch\u00fcttert und angeekelt, als fast alle Deutschen, die in der Stadt lebten, ihnen versicherten, nie etwas mit den Nazis zu tun gehabt zu haben.<\/p>\n<blockquote><p>Sie beteuerten ihre Unschuld, beklagten ihr Leid in den Bombenn\u00e4chten, aus T\u00e4tern wurden Opfer,<\/p><\/blockquote>\n<p>so die US Journalistin Marta Gellhorn 1944. Lee Miller, die als Kriegsreporterin das zerst\u00f6rte K\u00f6ln dokumentiert hat, hielt verbittert fest:<\/p>\n<blockquote><p>Die Deutschen werfen den Nazis nur vor, dass sie den Krieg verloren haben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hannah Arendt klagte Anfang der f\u00fcnfziger Jahre:<\/p>\n<blockquote><p>Dieser allgemeine Gef\u00fchlsmangel (angesichts der Naziverbrechen), diese Herzlosigkeit, die manchmal mit billiger R\u00fchrseligkeit kaschiert wird, ist jedoch nur das auff\u00e4lligste Symptom einer tiefverwurzelten, hartn\u00e4ckigen und gelegentlich brutalen Weigerung, sich dem tats\u00e4chlich Geschehenen zu stellen.<\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Vergessen wollen, Verdr\u00e4ngung, Schlussstrichmentalit\u00e4t, Relativierung des Holocaust, Wiedereingliederung von Teilen der Eliten des Dritten Reiches verhinderten eine Aufarbeitung der Vergangenheit. \u00dcber zwanzig Jahre herrschte Schweigen, und es ist mutigen Menschen wie Fritz Bauer, den Prozessen gegen die T\u00e4ter von Auschwitz, einer anderen Berichterstattung in den Medien und einem Generationswechsel vor 50 Jahren zu verdanken, dass das NS-Unrecht wieder \u00f6ffentlich, das Bewusstsein f\u00fcr die Verbrechen der Nazis und ihre Ideologie gesch\u00e4rft wurde.<\/p>\n<p>Verdr\u00e4ngen und Vergessen jedoch erm\u00f6glichte es den alten und neuen Nazis, die Geschichte umzudeuten. Es ist erschreckend und emp\u00f6rend, mit welcher Selbstsicherheit heute die Propheten des Nationalismus, des V\u00f6lkisch- Nationalen auftreten und gegen den angeblichen Schuldkult zu Felde ziehen. Wenn es m\u00f6glich ist, dass sich die braune Pest in blauer Farbe, diese H\u00f6ckes, Gaulands und Weidels sich wieder so ausbreiten und ihre Propagandisten, anstatt der allgemeinen Verachtung anheimzufallen, sogar noch in Parlamente gew\u00e4hlt werden, dann hat dies seine Ursache auch darin, dass f\u00fcr viele die Geschichte vergangen zu sein scheint und die Ma\u00dfst\u00e4be eines humanen und demokratischen Gemeinwesens verloren gehen oder offen in Frage gestellt werden. Diese Ma\u00dfst\u00e4be wurden nach 1945 hier hart erarbeitet, und wir m\u00fcssen uns ihrer immer wieder versichern.<\/p>\n<p>Und darum sind dieser und alle anderen Gedenktage an das Unrecht der NS-Zeit und die Bewahrung und Aufarbeitung der Zeugnisse wie in unserem NS-Dokumentationszentrum unverzichtbar.<\/p>\n<p>Wenn ich an den Umgang leider allzu vieler Menschen und auch mancher Medien mit den Roma, mit den Muslimen, mit den Schwarzen Menschen, mit den Fl\u00fcchtlingen und mit den jungen Menschen aus Nordafrika denke, dann h\u00f6re ich auch wieder die deutschen Herrenmenschen mit ihrer selbstgerechten Moral und Spie\u00dfigkeit heraus, die alle, die sie als anders empfinden, am liebsten wieder aus dem Lande treiben und abschieben w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Und was ist es anders als Ausdruck puren Hasses und tiefer Menschenfeindlichkeit, wenn sich der Antisemitismus wieder im \u00d6ffentlichen wie im Privaten breitmacht: im Alltag und in den sozialen Netzwerken mit Hass und Verschw\u00f6rungstheorien, an vielen Schulen und in der \u00d6ffentlichkeit, wo Jude wieder ein Schimpfwort ist, in \u00dcberf\u00e4llen auf J\u00fcdinnen und Juden. Es ist besch\u00e4mend, wenn die Justiz keinen Weg zu wissen scheint, antisemitische Plakate einer neonazistischen Partei zu ahnden, und es w\u00e4re eine Schande f\u00fcr unsere Demokratie, wenn J\u00fcdinnen und Juden aus Furcht vor Verfolgung Deutschland wieder verlassen.<\/p>\n<div id=\"attachment_14153\" style=\"width: 589px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14153\" class=\" wp-image-14153\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190831_KRM_1120977.jpg\" alt=\"Seitlich im schattigen Vordergrund ein Mann mit K\u00e4ppi, Sonnenbrille und Gitarre, vor sich ein Mikro, und im sonnigen Hintergrund Zuh\u00f6rer*innen, der blaue Bulle mit der Aufschrift &quot;Frieden schaffen ohne Waffen&quot; und &quot;DFG-VK&quot;, sowie die bunten Fassaden einer gro\u00dfst\u00e4dtischen, aber kleinteiligen H\u00e4userfront.\" width=\"579\" height=\"439\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190831_KRM_1120977.jpg 2048w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190831_KRM_1120977-150x114.jpg 150w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190831_KRM_1120977-768x582.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 579px) 100vw, 579px\" \/><p id=\"caption-attachment-14153\" class=\"wp-caption-text\">Markus Fr\u00f6hlich singt zur Gitarre bei der Kundgebung zum Antikriegstag. Alter Markt, K\u00f6ln, 31.8.2019. Foto: \u00a9 Klaus Reinhard M\u00fcller (CC BY-SA 4.0).<\/p><\/div>\n<p>Darum haben wir die Verantwortung daf\u00fcr, Menschenfeindlichkeit entschieden zu bek\u00e4mpfen. Betroffene wehren sich und mahnen in der \u00d6ffentlichkeit. Aber es ist in erster Linie unsere Aufgabe, die Aufgabe der Zivilgesellschaft in Deutschland, Rassismus und Antisemitismus, wo und wie auch immer er auftritt, entschieden entgegen zu treten.<\/p>\n<p>Und wenn wir gegen Hass und Feindbilder im Inneren eintreten, dann gilt das erst recht f\u00fcr das Handeln Deutschlands in der Welt. In allen besetzten L\u00e4ndern, vor allem in Polen und der Sowjetunion, haben die Verbrechen der Nazis bis heute tiefe Spuren im Ged\u00e4chtnis der Menschen hinterlassen. Darum muss Deutschland in Europa wieder f\u00fcr Verst\u00e4ndigung und Ausgleich sorgen und sich einem neuen Wettr\u00fcsten entschieden entgegenstellen. Und auch wir m\u00fcssen den alten und neuen Bildern vom Feind im Osten entschieden widersprechen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 3\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Es gilt mehr denn je: Haltung zeigen! Informieren, Diskutieren, in die \u00d6ffentlichkeit gehen und sich engagieren f\u00fcr den respektvollen Umgang und die Wahrung der W\u00fcrde des Menschen. Das m\u00fcssen wir alle tun \u2013 heute, hier und jetzt!<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Dr. Wolfgang Uellenberg van Dawen ist\u00a0Historiker und Gewerkschafter. Er engagiert sich als Sprecher des K\u00f6lner Runden Tisches f\u00fcr Integration und Vorsitzender des Vereins EL DE Haus.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede auf der Kundgebung zum Antikriegstag am 31. August 2019 in K\u00f6ln\u00a0 von Wolfgang Uellenberg van Dawen. 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