{"id":14214,"date":"2019-09-24T07:00:44","date_gmt":"2019-09-24T05:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=14214"},"modified":"2019-09-23T23:29:03","modified_gmt":"2019-09-23T21:29:03","slug":"ei-ichi-kido-ueber-japan-beherrscht-durch-nationalismus-geschichtsrevisionismus-und-militarisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=14214","title":{"rendered":"Ei-Ichi Kido \u00fcber Japan: &#8222;Beherrscht durch Nationalismus, Geschichtsrevisionismus und Militarisierung&#8220;"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><em>Rede auf der Kundgebung zum Antikriegstag am 31. August 2019 in K\u00f6ln\u00a0von Ei-Ichi Kido.\u00a0Es gilt das gesprochene Wort.<\/em><\/p>\n<blockquote><p>In den japanischen und deutschen Gesellschaften, mit ihrer traurigen Vergangenheit, in der sie gegen andere L\u00e4nder und andere V\u00f6lker Krieg gef\u00fchrt, gemordet, gebrandschatzt und geraubt haben und dann Mord, Brand und Raub am eigenen Leibe erfahren mussten, ist die Nachkriegszeit durch die Ablehnung von Krieg gekennzeichnet.<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_14220\" style=\"width: 241px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14220\" class=\" wp-image-14220\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190831_KRM_1130031.jpg\" alt=\"Ein ernster Mann mit dichten, schwarzen kurzen Haaren und Brille, der ein Blatt Papier in der Hand h\u00e4lt und ein kurz\u00e4rmliges wei\u00dfes Hemd mit Blumenverzierungen tr\u00e4gt, spricht in ein Mikro. \" width=\"231\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190831_KRM_1130031.jpg 2048w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190831_KRM_1130031-150x145.jpg 150w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190831_KRM_1130031-768x743.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><p id=\"caption-attachment-14220\" class=\"wp-caption-text\">Ei-Ichi Kido bei der Kundgebung zum Antikriegstag am 31.8.2019 auf dem Alter Markt, K\u00f6ln. Foto: Klaus Reinhard M\u00fcller (CC BY-SA 4.0)<\/p><\/div>\n<p>Das ist ein Zitat aus dem Buch des japanischen Schriftstellers Makoto Oda (1932-2007). Als kleiner Junge sah Oda die Teilnehmer der HJ-Delegation [Hitler-Jugend &#8211; d. Red.], die Japan besuchte, neidisch an. Das Gro\u00dfjapanische\u00a0Kaiserreich und das NS-Deutschland unterzeichneten im November 1936 den Antikominternpakt und im September 1940 zusammen mit dem faschistischen Italien den Drei-M\u00e4chte-Pakt, die sogenannte Achse Berlin-Rom-Tokio. Gro\u00df und schlank, hellh\u00e4utig, blond, diszipliniert in Uniform. F\u00fcr viele Japaner waren die Hitler-Jungen unglaublich schick und blendend. Aber der Krieg, den Deutschland und Japan begonnen hatten, kehrte zu uns zur\u00fcck. Das symbolische Kriegserlebnis Odas war der gro\u00dfe US-Luftangriff auf Osaka am 14. August 1945, keine 24 Stunden, bevor [der japanische Kaiser] Hirohito in seiner Radioansprache die Anerkennung der amerikanisch-britisch-chinesischen Potsdamer Erkl\u00e4rung vom 26. Juli 1945 [\u00fcber die Bedingungen f\u00fcr die Kapitulation Japans] ank\u00fcndigte.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg studierte Oda als Fulbright-Stipendiat an der Harvard-Universit\u00e4t. In dieser Zeit wagte er eine Ein-Dollar-pro-Tag-Weltreise. Sein Reisebericht \u201eIch will mir alles anschauen\u201c, der 1961 erschien, begeisterte vor allem seine und die j\u00fcngere Generation und wurde ein Bestseller. 1965 gr\u00fcndete er die League of Citizens&#8216; Movements for Peace in Vietnam (Beheiren) mit. Von 1985 bis 1987 hielt sich Oda als DAAD-Stipendiat in Westberlin auf. Dort fiel ihm das \u00e4hnliche Friedensbewusstsein der Deutschen und der Japaner auf, wie ich ihn am Anfang der Rede zitiert habe. Von Oda angeregt, wurde am 5. Januar 1989 in Berlin das \u201eDeutsch-Japanische Friedensforum\u201c (DJF) gegr\u00fcndet.<\/p>\n<div id=\"attachment_14221\" style=\"width: 382px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14221\" class=\" wp-image-14221\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190831_KRM_1120864.jpg\" alt=\"Ein dunkelblauer VW-Transporter mit einer Comic-Figur, die einen Sch\u00fcler darstellt.\" width=\"372\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190831_KRM_1120864.jpg 2048w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190831_KRM_1120864-150x90.jpg 150w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190831_KRM_1120864-768x463.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 372px) 100vw, 372px\" \/><p id=\"caption-attachment-14221\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Frieden schaffen ohne Waffen!&#8220; &#8211; Bulli der DFG-VK am 31.8.2019 auf dem Alter Markt, K\u00f6ln. Foto: Klaus Reinhard M\u00fcller (CC BY-SA 4.0)<\/p><\/div>\n<p>Das DJF besch\u00e4ftigt sich vor allem mit zwei Projekten. Das eine sind die \u201eHiroshima-Nagasaki Peace Study Courses\u201c, die seit dem Sommersemester 2004 bei der Beuth Hochschule f\u00fcr Technik Berlin (fr\u00fcher TFH Berlin) angeboten werden. Das andere ist der \u201eInternationale Jugendfreiwilligendienst in Japan\u201c. Das DJF entsendet in Kooperation mit den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (ijgd) seit September 2007 jedes Jahr etwa 20 junge deutsche Freiwillige an Seniorenheime, Kinderg\u00e4rten und Behinderteneinrichtungen in Japan. Diese T\u00e4tigkeiten kann man eine Form des \u201eaktiven Pazifismus\u201c nennen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Der \u201eaktive Pazifismus\u201c, wie der japanische Ministerpr\u00e4sident Shinz\u00f4 Abe ihn zu Hause propagiert, ist etwas v\u00f6llig Anderes. Er nennt sich selber einen rechten Militaristen. Seit er 2012 zum zweiten Mal Regierungschef geworden ist, erreichen die japanischen Milit\u00e4rausgaben jedes Jahr einen neuen Rekord. 2015 hat Abe ein Gesetz durchgesetzt, womit Japan jederzeit und weltweit an der Seite der USA milit\u00e4risch einsatzbereit sein kann. Unter Abe ist Japan auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen weit nach hinten ger\u00fcckt, und zwar von Platz 11 (2011) auf Platz 67. Der fanatische Nationalismus, der Geschichtsrevisionismus und die Militarisierung herrschen \u00fcber den Inselstaat.<\/p>\n<p>2020 sollen die olympischen Sommerspiele in Tokio stattfinden. Die zu dieser Zeit brennende Hitze, den Schmiergeldskandal und die Gefahren radioaktiver Strahlung beiseite lassend, m\u00f6chte ich darauf hinweisen, dass die Abe-Regierung die Absicht hat, das Fest des Friedens zur totalen Mobilisierung f\u00fcr ihre Kriegsvorbereitungspolitik zu missbrauchen. Die StudentInnen sollen lange Zeit und kostenlos \u201efreiwillig\u201c arbeiten. Die Universit\u00e4ten sollen deshalb die Pr\u00fcfungszeitr\u00e4ume verschieben. W\u00e4hrend der Olympiade solle man sich mit Onlineshopping zur\u00fcckhalten, um Internet-St\u00f6rungen zu vermeiden.<\/p>\n<p>Wenn Sie diese Geschichte mitbekommen haben, assoziieren Sie sicherlich die Olympischen Sommerspiele 1936. Mit der Tatsache, dass es in Japan heute nicht so schlimm wie in Deutschland damals ist, k\u00f6nnen Sie sich nicht beruhigen. Adolf Hitler bewunderte den verb\u00fcndeten Staat im Fernen Osten:<\/p>\n<blockquote><p>Wir haben eben \u00fcberhaupt das Ungl\u00fcck, eine falsche Religion zu besitzen. Warum haben wir nicht die der Japaner, die das Opfer f\u00fcr das Vaterland als das H\u00f6chste ansieht?<\/p><\/blockquote>\n<p>So ein durch und durch militarisiertes Japan ist f\u00fcr Abe &amp; Co. das Ideal. Au\u00dferdem gibt es bei den Mitgliedern und den Anh\u00e4ngern der Regierungspartei LDP jede Menge Nazi-Sympathisanten.<\/p>\n<p>An den olympischen Sommerspielen in Tokio teilzunehmen bedeutet, den Irrweg Japans in den Faschismus und Krieg zu beg\u00fcnstigen. Seit einigen Wochen ist der Aufruf \u201eNo Abe!\u201c im ostasiatischen Raum deutlich geworden, denn Abe st\u00f6rt als Geschichtsf\u00e4lscher und Militarist Vers\u00f6hnung und Frieden in dieser Region. Anl\u00e4sslich dieses Antikriegstages m\u00f6chte ich die B\u00fcrgerInnen in Deutschland und in aller Welt bitten, sich mit diesem Aufruf zu solidarisieren.<\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<p><em><em>Prof. Dr. Ei-Ichi Kido ist Politikwissenschaftler und arbeitet an den Universit\u00e4ten Osaka und Bochum. Er ist in der japanischen Friedensbewegung aktiv und Mitglied des\u00a0<a href=\"http:\/\/djf-ev.de\">Deutsch-Japanisches Friedensforum e. V.<\/a>\u00a0<\/em><\/em><em>Am 10. August 2019 hatte er auf der K\u00f6lner Feier zum Gedenken an die Opfer der Atombombenabw\u00fcrfe auf die japanischen St\u00e4dte Hiroshima und Nagasaki eine <a href=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=14011\">Rede<\/a> gehalten.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede auf der Kundgebung zum Antikriegstag am 31. August 2019 in K\u00f6ln\u00a0von Ei-Ichi Kido.\u00a0Es gilt das gesprochene Wort. In den japanischen und deutschen Gesellschaften, mit ihrer traurigen Vergangenheit, in der sie gegen andere L\u00e4nder&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":110,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[111],"tags":[153,126,45,81,160,3,159],"class_list":["post-14214","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rede","tag-aufruestung","tag-bildung","tag-geschichte","tag-medien","tag-militarismus","tag-pazifismus","tag-sport"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14214","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/110"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14214"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14214\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14224,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14214\/revisions\/14224"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14214"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14214"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14214"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}