{"id":14280,"date":"2019-10-15T09:25:21","date_gmt":"2019-10-15T07:25:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=14280"},"modified":"2019-10-15T09:36:00","modified_gmt":"2019-10-15T07:36:00","slug":"heiko-lietz-sicherheit-neu-denken-kirche-des-gerechten-friedens-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=14280","title":{"rendered":"DDR-Friedensrevolution\u00e4r Heiko Lietz in K\u00f6ln: Sicherheit neu denken &#8211; die Gesellschaft zum Tanzen bringen!"},"content":{"rendered":"<p><em>Den folgenden Vortrag hielt Heiko Lietz, einer der f\u00fchrenden K\u00f6pfe der Friedens- und Menschenrechtsbewegung und der Friedlichen Revolution in der DDR, am 12. Oktober 2019 bei der <a href=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=14245\">Tagung &#8222;Sicherheit neu denken&#8220;<\/a> in der Melanchthon-Akademie in K\u00f6ln.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p>liebe Weggef\u00e4hrtinnen und Weggef\u00e4hrten auf dem Weg des Schalom,<\/p>\n<p>Sicherheit immer wieder neu denken, ist eine gro\u00dfe Herausforderung auf dem Hintergrund gewohnter Denkstrukturen. Und es ist eine noch gr\u00f6\u00dfere, wenn dieses neue Denken auch zu ganz neuen Verhaltensweisen und grundlegenden gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen f\u00fchrt.\u00a0Welche Erfahrungen wir \u00a0in der DDR dabei gemacht haben, eine ganze Gesellschaft zum Tanzen zu bringen, davon \u00a0m\u00f6chte ich ihnen ein wenig erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg mit \u00fcber 60 Millionen Toten hatten die Delegierten bei der Gr\u00fcndung des \u00d6kumenischen Rat der Kirchen 1948 in Amsterdam entschieden daf\u00fcr votiert, den Krieg grunds\u00e4tzlich abzulehnen. Sie sagten:<\/p>\n<blockquote><p>Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das galt entsprechend auch f\u00fcr die Kirchen im geteilten Deutschland.<\/p>\n<p>Als die DDR 1962 das Wehrdienstgesetz einf\u00fchrte, gab es Christen, die aus Glaubens- und Gewissensgr\u00fcnden den Wehrdienst verweigerten. Hier wurde das erste Mal nach der Amsterdamer Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Kirche die Frage unausweichlich: Was ist der Wille Gottes in dieser Situation? Diese Frage wurde unausweichlich: zuerst f\u00fcr die Betroffenen selber und in der Folge dann auch f\u00fcr die Kirche als Ganzes. Denn sie war herausgefordert, diese jungen M\u00e4nner, die in einer schwierigen Situation f\u00fcr sich eine Entscheidung treffen mussten, zu beraten. Es war eine Entscheidung zwischen diesen beiden M\u00f6glichkeiten: Entweder den staatlich gesetzlichen Vorgaben gehorsam nachzukommen (seid untertan der Obrigkeit) oder dem Willen Gottes zu entsprechen, dass Krieg und jede Vorbereitung dazu nach Gottes Willen nicht sein soll, und damit dem Gesetz nicht nachzukommen. Blaupausen gab es nicht, auf die die Kirche zur\u00fcckgreifen konnte.<\/p>\n<div id=\"attachment_14290\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14290\" class=\"wp-image-14290 \" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/fullsizeoutput_1483.jpeg\" alt=\"Ein gro\u00dfer \u00e4lterer Herr mit einem Rest grauer kurzgeschorener Haare, buschigen r\u00f6tlich-grauen Augenbrauen und Brille, der ein helles Hemd und eine dunkle Weste dar\u00fcber tr\u00e4gt, spricht in ein Mikro.\" width=\"390\" height=\"562\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/fullsizeoutput_1483.jpeg 3072w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/fullsizeoutput_1483-104x150.jpeg 104w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/fullsizeoutput_1483-768x1108.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 390px) 100vw, 390px\" \/><p id=\"caption-attachment-14290\" class=\"wp-caption-text\">Heiko Lietz bei &#8222;Sicherheit neu denken&#8220;, 12.10.2019, Melanchthon-Akademie K\u00f6ln. Foto: Stefanie Intveen<\/p><\/div>\n<p>F\u00fcr diese M\u00e4nner stand viel auf dem Spiel. Das berufliche Weiterkommen war f\u00fcr viele gef\u00e4hrdet, und es drohte bei Verweigerung das Gef\u00e4ngnis. Wenn sich die Kirche in dieser Situation auch nicht eindeutig gegen das neue Wehrdienstgesetz aussprach, so lie\u00df sie jedoch keinen Zweifel daran, dass sie den Totalverweigerern den R\u00fccken st\u00e4rkte und auch dem Staat gegen\u00fcber daran keinen Zweifel lie\u00df. Damit war ein massiver Konflikt zwischen Staat und Kirche nicht mehr abzuwenden. Um diesen Konflikt etwas zu entsch\u00e4rfen, war der Staat einige Jahre sp\u00e4ter dazu bereit, den Verweigerern aus seiner Sicht eine Br\u00fccke zu bauen: er erlie\u00df 1964 eine Anordnung f\u00fcr einen waffenlosen Wehrdienst. Auch ich wurde einer dieser Bausoldaten, nachdem ich zun\u00e4chst auch diesen Dienst abgelehnt hatte und deswegen f\u00fcr einige Zeit in Untersuchungshaft landete.<\/p>\n<p>Aber eigentlich grub sich der Staat damit langfristig sein eigenes Grab. Denn seitdem kamen Jahr f\u00fcr Jahr die Widerst\u00e4ndigen in diesen Baueinheiten zusammen und hatten ausreichend Zeit, gesellschaftliche Gegenkonzepte zu entwickeln und sie danach auch auszuprobieren. Die Kirchen boten daf\u00fcr gen\u00fcgend Raum.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste massive Eingriff erfolgte 1978, als der Staat den Wehrunterricht f\u00fcr alle Sch\u00fcler der 9. und 10. Klasse obligatorisch einf\u00fchrte. Das f\u00fchrte dieses Mal noch eindeutiger zu einem massiven Protest der Kirchen. Auch viele christliche Eltern weigerten sich, ihre Kinder daran teilnehmen zu lassen, obwohl das gesetzeswidrig war und sie damit das problemlose Weiterkommen ihrer Kinder auf die erweiterte Oberschule und die Universit\u00e4t gef\u00e4hrdeten. Im\u00a0 Einzelfall lie\u00df der Staat dann doch Ausnahmen zu. Betroffene Eltern schlossen sich mit anderen Christen zusammen und so entstanden weitere Friedenskreise, wie das auch bei uns in G\u00fcstrow passierte.<\/p>\n<p>Als der Staat 1981 plante, auch Frauen zum Wehrdienst einzuberufen, entstand die Bewegung &#8222;Frauen f\u00fcr den Frieden&#8220;. Der Staat reagierte massiv und inhaftierte vor\u00fcbergehend sogar einige von ihnen, wie etwa B\u00e4rbel Bohley und Ulrike Poppe.<\/p>\n<p>\u00dcberall versuchte der Staat, die unterschiedlichen Aktivit\u00e4ten, die f\u00fcr ein alternatives Friedenszeugnis eintraten, zu unterbinden. Aber das war inzwischen nicht mehr m\u00f6glich. Die Anregung, am Ende des Kirchenjahres eine Friedensdekade in den Gemeinden durchzuf\u00fchren, kam im Herbst 1980 von der \u00f6kumenischen Jugendarbeit. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Jugend (AGCJ) und die Kommission f\u00fcr Kirchliche Jugendarbeit (KKJ) des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR hatten dazu Material erarbeitet, das vom Sekretariat des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR herausgegeben wurde. Auch hier war der Motor dieser Initiative ein Bausoldat.<\/p>\n<div id=\"attachment_14291\" style=\"width: 377px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14291\" class=\" wp-image-14291\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/fullsizeoutput_147f.jpeg\" alt=\"Ein gro\u00dfer \u00e4lterer Herr mit wei\u00dfen kurzgeschorenen Haaren und Brille, der ein helles Hemd und eine dunkle Weste dar\u00fcber tr\u00e4gt, spricht in ein Mikro.\" width=\"367\" height=\"510\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/fullsizeoutput_147f.jpeg 3072w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/fullsizeoutput_147f-108x150.jpeg 108w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/fullsizeoutput_147f-768x1066.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 367px) 100vw, 367px\" \/><p id=\"caption-attachment-14291\" class=\"wp-caption-text\">Heiko Lietz bei &#8222;Sicherheit neu denken&#8220;, 12.10.2019, Melanchthon-Akademie K\u00f6ln. Foto: Stefanie Intveen<\/p><\/div>\n<p>Diese Friedendekaden wurden sp\u00e4ter zu eine der Wurzeln f\u00fcr die \u00d6kumenische Versammlung im Rahmen des Konziliaren Prozesses. Von Anfang an war das Symbol Schwerter zu Pflugscharen das Kennzeichen der Friedensdekaden in der DDR. Die Kirche griff damit eine uralte prophetische Vision der Bibel wieder auf, die pl\u00f6tzlich ganz neue Kraft entfaltete. Konversion wurde wieder zum Leitmotiv vieler Friedensbewegten. Deswegen war es auch nicht verwunderlich, dass es deswegen mit dem Staat Anfang der 1980er Jahre zu harten Auseinandersetzungen kam. Das betraf vor allem Jugendliche, die dieses Symbol als Aufn\u00e4her an ihren Jacken trugen. Das war umso paradoxer, weil sich die Organisatoren dieses Symbol einem Denkmal entliehen, dass die hochgesch\u00e4tzte Sowjetunion 1957 den Vereinten Nationen schenkte und vor dem UNO-Geb\u00e4ude aufstellen lie\u00df.<\/p>\n<p>Es entstanden in den 80-er Jahren \u00a0immer bessere Vernetzungen zwischen den einzelnen Gruppen, aber auch zu den Kirchengemeinden. Diese Gruppen versammelten sich in der Regel in kirchlichen R\u00e4umen, auch wenn viele der Teilnehmer nicht unmittelbar der Kirche angeh\u00f6rten. In der Regel waren es kirchliche Mitarbeiter der Jugendarbeit, die in dieser Arbeit aktiv waren. Viele von ihnen waren durch ihre Zeit als Bausoldaten auch belastbarer und \u00a0konfliktf\u00e4higer geworden. So breitete sich die unabh\u00e4ngige kirchliche Friedensbewegung auf der Suche nach dem Willen Gottes in den Konflikten ihrer Zeit immer weiter aus.<\/p>\n<p>Erste DDR-weite Friedensseminare wurden schon zu Beginn der 80-er Jahre, durchgef\u00fchrt. Fast \u00fcberall waren auch hier Bausoldaten die Inspiratoren dieser Seminare. Das war auch bei uns in Mecklenburg so. Zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Seminare, die unser Friedenskreis von 1982 &#8211; 1984 in Kessin bei Rostock organisierte, geh\u00f6rten u. a. auch B\u00e4rbel Bohley, Markus Meckel und Roland Jahn. Auf diesen Seminaren wollten wir mit staatlichen Vertretern einen Dialog \u00fcber die brisanten friedensethischen Fragen f\u00fchren. Aber sie verweigerten uns den Dialog, weil wir f\u00fcr sie nicht die angemessenen Gespr\u00e4chspartner waren. So kam es bei den Verantwortlichen Ende 1984 zu ersten \u00dcberlegungen, wie man das ganze System zum Tanzen bringen konnte. Auch \u00dcberlegungen zu einer friedlichen Revolution machten die Runde.<\/p>\n<p>Ein Gedenkstein vor der Kirche mit der Aufschrift &#8222;Kessiner Friedensseminare 1982- 1984 &#8211; sie waren Bausteine einer friedlichen Revolution&#8220;, der in diesem Jahr feierlich errichtet wurde, erinnert seitdem an sie.<\/p>\n<p>Auf viel breiterer Basis entfaltete sich dann ab 1983 das DDR-weite Seminar &#8222;Konkret f\u00fcr den Frieden&#8220;, in dem es zu einer verbindlicheren konstruktiven Zusammenarbeit zwischen den Basisgruppen der unabh\u00e4ngigen Friedensbewegung\u00a0 und den verfassten Kirchen kam. Von Jahr zu Jahr erweiterte sich das Themenspektrum. Zu den Friedensgruppen gesellten sich nach und nach die Umweltgruppen, die Zweite-Dritte-Weltgruppen, die Frauengruppen und die Menschenrechtsgruppen. Es ging um Fragen des Friedens, der Umwelt, der Gerechtigkeit und der Menschenrechte, die dringender Antworten bedurften. Besonders die Menschenrechtsgruppen wurden f\u00fcr den Staat immer problematischer, weil sie begannen, die Menschenrechtsverletzungen DDR-weit zu sammeln, um sie an die UN-Menschenrechtskommission zu \u00fcbermitteln. Der Staat reagierte darauf gegen\u00fcber einigen Aktivisten mit massiven Drohungen. 1990 hatten wir vor, eine DDR-weite Menschenrechtskonferenz durchzuf\u00fchren. Aber das war dann nicht mehr n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Aus dem Seminar &#8222;Konkret f\u00fcr den Frieden&#8220; gingen dann 1989 die unabh\u00e4ngigen B\u00fcrgerbewegungen wie die &#8222;Initiative f\u00fcr Frieden und Menschenrechte&#8220;, das NEUE FORUM, &#8222;Demokratie jetzt&#8220; und der &#8222;Demokratische Aufbruch&#8220; hervor. Den meisten Zulauf hatte das im September gegr\u00fcndete NEUE FORUM, weil es Raum schaffen wollte f\u00fcr einen demokratischen Dialog \u00fcber die Aufgaben des Rechtsstaates, der Wirtschaft und der Kultur. Ziel sollte es sein, Wege aus der gegenw\u00e4rtigen krisenhaften Situation zu finden.<\/p>\n<p>Sie alle wurden zu Tr\u00e4gern der Friedlichen Revolution und waren auch Initiatoren f\u00fcr den Zentralen Runden Tisch, der die Aufgabe hatte, die Gesellschaft gewaltfrei aus einem diktatorischen Unrechtsstaat in demokratische, menschenw\u00fcrdige Verh\u00e4ltnisse zu f\u00fchren. Seine wichtigsten Ziele bestanden darin, die ersten freien Wahlen vorzubereiten, einen Verfassungsentwurf f\u00fcr die DDR zu erstellen und die noch vorhandene Regierung und die Volkskammer in ihrer Macht zu begrenzen. Als einer der Vertreter des NEUEN FORUMS war das f\u00fcr mich schon eine gro\u00dfartige Erfahrung.<\/p>\n<p>Hatten sich in der ersten H\u00e4lfte der 80-er Jahre vor allem nur einzelne kirchliche Synoden intensiv mit gesellschaftpolitischen Problemen befasst, so sollte sich das in der zweiten H\u00e4lfte der 80-er erheblich \u00e4ndern. Der Impuls dazu kam von der Vollversammlung des \u00f6kumenischen Rates der Kirchen 1983. Auf ihr schlug die DDR-Delegation ein gesamtchristliches Friedenskonzil vor. Es m\u00fcsse<\/p>\n<blockquote><p>gepr\u00fcft werden, ob die Zeit reif ist f\u00fcr ein allgemeines christliches Friedenskonzil, wie es Dietrich Bonhoeffer angesichts des drohenden Zweiten Weltkrieges vor f\u00fcnfzig Jahren f\u00fcr geboten hielt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Vollversammlung beschloss nach intensiver Debatte, einen konziliaren Prozess der Kirchen f\u00fcr Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Sch\u00f6pfung durchzuf\u00fchren. Dieser Beschluss entfaltete nach und nach eine neue Dynamik innerhalb der protestantischen Kirchen in der DDR. Die Initiative f\u00fcr eine \u00d6kumenische Versammlung ging von einer Gruppe in Dresden aus, der sich nach und nach alle Kirchen in der DDR anschlossen. Der Funke, der zun\u00e4chst von Basisgruppen ausging, sprang jetzt auf die Gemeinden und Kirchen \u00fcber und f\u00fchrte zu einer intensiven Arbeit in der \u00d6kumenischen Versammlung, die von 1988 bis 1989 in Dresden und Magdeburg tagte. Unter den 146 Delegierten waren auch viele Vertreter der Basisgruppen, die in die Versammlung eine gr\u00f6\u00dfere Dynamik mit ihren radikalen Positionen brachten. Auf diesen Versammlungen wurden alle gesellschaftlich relevanten Fragen auf die Tagesordnung gesetzt und Antworten, die an der biblischen Botschaft orientiert waren, gesucht. Am Ende wurden im April 1989 in Dresden 12 Texte verabschiedet.<\/p>\n<p>Der Basistext &#8222;Umkehr zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Sch\u00f6pfung&#8220; bildete f\u00fcr alle die theologische Grundlegung. Am brisantesten waren der Text 3: &#8222;Mehr Gerechtigkeit in der DDR &#8211; unsere Aufgabe, unsere Erwartung&#8220;. Hier kam es schon auf der Abschlussversammlung hinter den Kulissen zu einem offenen Eklat mit dem staatlichen Vertreter.\u00a0 Er forderte in einem Vier-Augengespr\u00e4ch vom leitenden Bischof, diesen Text so nicht zu verabschieden. Doch die Versammlung ignorierte diese Forderung und verabschiedete diesen Text mit einer satten Zwei-Drittel-Mehrheit.<\/p>\n<p>Aber auch Text 4: &#8222;Der \u00dcbergang von einem System der Abschreckung zu einem System der politischen Friedenssicherung&#8220; stellte wichtige Weichen in die Zukunft. Darin hei\u00dft es u.a.<\/p>\n<blockquote><p>Wir brauchen eine neue Friedensordnung, Friedenssicherung auf der Grundlage der gemeinsamen Sicherheit ist etwas so Neues und weit \u00fcber den milit\u00e4rischen Bereich Hinausgehendes, dass eine Ver\u00e4nderung des Denkens, der Wertvorstellungen und ihrer Umsetzung in allen Lebensbereichen grunds\u00e4tzlich neu gelernt und immer wieder konkret neu buchstabiert werden muss.<\/p><\/blockquote>\n<p>Diesen konziliaren Prozess weiterzuf\u00fchren, ist damals ein wesentlicher Auftrag der \u00d6kumenischen Versammlung an die Kirchen gewesen. Er wurde jedoch nur zu einem sehr geringen Teil umgesetzt, weil sich mit der Friedlichen Revolution und der Vereinigung beider deutscher Staaten grundlegendes im politischen Umfeld ver\u00e4ndert hatte. Das ging auch an den Kirchen nicht spurlos vorbei, ganz im Gegenteil. Fast alle Energien flossen\u00a0 jetzt vor allem in den evangelischen Kirchen in den organisatorischen Umbau. Deswegen ist es f\u00fcr mich ein hoffnungsvolles Zeichen, dass die Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden vom 24. Oktober 2013 vielleicht auch bewusst daran angekn\u00fcpfte, als sie beschloss, Kirche des Friedens zu werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_14293\" style=\"width: 4618px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14293\" class=\"size-full wp-image-14293\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/DSC_0217.jpg\" alt=\"Ein \u00e4lterer Mann in Sommerhose und Hemd steht rechts am Rednerpult. Links auf der Leinwand ist die Pr\u00e4sentation &quot;Sicherheit neu denken. Europa zwischen milit\u00e4rischer Tradition und zivilen L\u00f6sungen&quot; zu sehen.\" width=\"4608\" height=\"3072\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/DSC_0217.jpg 4608w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/DSC_0217-150x100.jpg 150w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/DSC_0217-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 4608px) 100vw, 4608px\" \/><p id=\"caption-attachment-14293\" class=\"wp-caption-text\">Ralf Becker bei &#8222;Sicherheit neu denken&#8220;, 12.10.2019, Melanchthon-Akademie K\u00f6ln. Foto: Stefanie Intveen<\/p><\/div>\n<hr \/>\n<p><em>Heiko Lietz war Kriegsdienstverweigerer, evangelischer Pfarrer, B\u00fcrger- und Menschenrechtsaktivist in der DDR und nahm f\u00fchrende Aufgaben bei der Friedlichen Revolution 1989\/90 in Mecklenburg-Vorpommern wahr. Er engagiert sich weiterhin f\u00fcr Gewaltfreiheit, gemeinsame Sicherheit und die St\u00e4rkung der Menschenrechte.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir freuen uns, dass wir seinen Vortrag hier ver\u00f6ffentlichen d\u00fcrfen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den folgenden Vortrag hielt Heiko Lietz, einer der f\u00fchrenden K\u00f6pfe der Friedens- und Menschenrechtsbewegung und der Friedlichen Revolution in der DDR, am 12. 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