{"id":16805,"date":"2021-05-09T13:05:28","date_gmt":"2021-05-09T11:05:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=16805"},"modified":"2021-05-09T13:05:28","modified_gmt":"2021-05-09T11:05:28","slug":"eva-aras-stalingrad-ein-symbol-fuer-die-unsinnigkeit-des-kriegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=16805","title":{"rendered":"Eva Aras: Stalingrad &#8211; ein Symbol f\u00fcr die Unsinnigkeit des Kriegs"},"content":{"rendered":"<p><em>Am Tag der Befreiung beschrieb Eva Aras am Hansaplatz K\u00f6ln das Kriegsgedenken in Wolgograd (ehem. Stalingrad):<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p>Ich begr\u00fc\u00dfe Sie alle und freue mich, dass so viele gekommen sind, um des heutigen wichtigen Tages zu gedenken.<\/p>\n<div id=\"attachment_16812\" style=\"width: 356px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16812\" class=\" wp-image-16812\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/DSC_0250-scaled.jpg\" alt=\"Eine Frau mit Sonnenbrille und dichten grau-blonden kinnlangen Locken spricht in ein Mikrofon, das in eine Plastikfolie eingewickelt ist. Sie tr\u00e4gt ein rosa Tuch und eine erdgraue Lederjacke. Im Hintergrund gr\u00fcnes Blattwerk.\" width=\"346\" height=\"519\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/DSC_0250-scaled.jpg 1707w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/DSC_0250-133x200.jpg 133w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/DSC_0250-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/DSC_0250-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/DSC_0250-1365x2048.jpg 1365w\" sizes=\"auto, (max-width: 346px) 100vw, 346px\" \/><p id=\"caption-attachment-16812\" class=\"wp-caption-text\">Eva Aras am 8. Mai 2021 in K\u00f6ln. Foto: Stefanie Intveen<\/p><\/div>\n<p>Heute vor 76 Jahren wurde der 2. Weltkrieg beendet, der bisher gewaltigste Krieg mit 65 Millionen Opfern. Die Sowjetunion hat mit 27 Millionen Toten die Hauptlast getragen, und haupts\u00e4chlich konnte durch den Einsatz der Roten Armee Deutschland vom Faschismus befreit werden. Das wird leider von unseren Regierenden nicht gen\u00fcgend gew\u00fcrdigt und auch nicht von der Presse \u2013 nichts stand heute \u00fcber den 8. Mai im K\u00f6lner Stadtanzeiger. So j\u00e4hrt sich dieses Jahr am 22.6. der \u00dcberfall auf die Sowjetunion zum 80. Mal, und unser Bundespr\u00e4sident Herr Sch\u00e4uble h\u00e4lt es nicht f\u00fcr n\u00f6tig, eine gemeinsame Gedenkveranstaltung des Parlaments stattfinden zu lassen.<\/p>\n<p>Unserer Partnerstadt Wolgograd \u2013 dem damaligen Stalingrad \u2013 kommt im 2. Weltkrieg eine ganz besondere Rolle zu: Dort hat es insgesamt auf beiden Seiten die gr\u00f6\u00dften Opfer gegeben: Auf sowjetischer Seite kamen im Kampf 400.000 Menschen ums Leben. Bis zu 300.000 Soldaten der Wehrmacht und ihrer Verb\u00fcndeten wurden eingekesselt; ca. 110.000 Soldaten und Verb\u00fcndete kamen in Kriegsgefangenschaft, wovon 6.000 zur\u00fcckkehrten. In Stalingrad selbst gab es die erbittertsten K\u00e4mpfe, die Stadt wurde dem Erdboden gleichgemacht. Deshalb ist bis heute diese Stadt im kollektiven Ged\u00e4chtnis der Russen und Deutschen fest verankert als Symbol f\u00fcr die Unsinnigkeit des Krieges \u2013 das soll nie wieder stattfinden!<\/p>\n<p>Leider befinden wir uns in einer Zeit, in der der Kalte Krieg sich wieder gef\u00e4hrlich ausbreitet: Wolfgang Ischinger, der Leiter der M\u00fcnchener Sicherheitskonferenz, spricht von einer Situation, die explosiver sei als im Kalten Krieg. Der ehemalige Bundeswehrinspekteur Harald Kujat vergleicht die heutige Situation mit 1914. In einem Online-Vortrag vorgestern stellte Matthias Platzeck sein neues Buch \u201eWir brauchen eine neue Ostpolitik\u201c vor und verwies noch einmal deutlich auf die Politik von Willi Brandt und Egon Bahr. In den schlimmsten Zeiten haben die beiden den Kalten Krieg durch \u201eWandel durch Ann\u00e4herung\u201c \u00fcberwunden.<\/p>\n<div id=\"attachment_16814\" style=\"width: 354px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16814\" class=\" wp-image-16814\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/DSC_0264-scaled.jpg\" alt=\"Ein Grabkranz mit wei\u00dfen Rosen und roten Nelken.\" width=\"344\" height=\"516\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/DSC_0264-scaled.jpg 1707w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/DSC_0264-133x200.jpg 133w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/DSC_0264-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/DSC_0264-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/DSC_0264-1365x2048.jpg 1365w\" sizes=\"auto, (max-width: 344px) 100vw, 344px\" \/><p id=\"caption-attachment-16814\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Verantwortung tragen &#8211; Frieden schaffen!&#8220; &#8211; Kranzschleife des St\u00e4dtepartnerschaftsverein K\u00f6ln &#8211; Wolgograd e. V. am 8. Mai 2021 am Denkmal f\u00fcr die Opfer des NS-Regimes im Hansapark K\u00f6ln. Foto: Stefanie Intveen.<\/p><\/div>\n<p>Ich m\u00f6chte noch einmal auf Wolgograd zur\u00fcckkommen: Wie bereits oben gesagt, wurde das ehemalige Stalingrad im Krieg dem Erdboden gleichgemacht. In der Stadtmitte steht heute ein einziger Baum, der den Krieg \u00fcberdauert hat \u2013 er wird gehegt und gepflegt als Symbol f\u00fcr das Leben. In Erinnerung an die schlimmsten K\u00e4mpfe wurde in den 60ger Jahren eine gro\u00dfe Anlage mit zahlreichen Skulpturen errichtet, wo auf dem Gipfel &#8211; die heftig umk\u00e4mpfte H\u00f6he 102 \u2013 die &#8222;Mutter Heimat&#8220; steht, 85 m hoch. Aus ganz Russland kommen hier immer wieder Besucher hin, denn die Erinnerung an den Krieg ist in Russland bis heute in jeder Familie pr\u00e4sent, weil es in jeder Familie Tote gab. Ein Teil des Ensembles ist die Ruhmeshalle, in der in permanenter Schleife \u201eDie Tr\u00e4umerei\u201c von Schumann gespielt wird \u2013 das scheint mir besonders erw\u00e4hnenswert. In der Innenstadt befindet sich das neue Panorama-Museum. das auf einer 120 m langen und 16 m hohen Leinwand drastische Szenen der Stalingrader Schlacht abbildet. Die Innenstadt Wolgograds selbst ist nach dem Krieg von deutschen Kriegsgefangenen neu aufgebaut worden \u2013 weitl\u00e4ufig und mit viel Gr\u00fcn dazwischen.<\/p>\n<p>Ein wichtiger Erinnerungsort liegt 40 km au\u00dferhalb der Stadt, der Soldatenfriedhof Rossoschka. Man f\u00e4hrt durch die Steppe und findet einen russischen und einen deutschen Soldatenfriedhof \u2013 nebeneinander \u2013 was f\u00fcr ein Symbol! Bei unseren Reisen legen wir immer an beiden Orten Kr\u00e4nze nieder. Schon zweimal haben Reiseteilnehmer*innen die Namen ihrer vermissten Verwandten dort gefunden \u2013 das war bewegend. So schwer die Kriegserinnerungen sind, so herzlich sind die Begegnungen mit Wolgograder B\u00fcrgern. Sie signalisieren immer ganz deutlich, wie gerne sie mit uns in Kontakt bleiben wollen, und jedes Mal freuen wir uns \u00fcber die gro\u00dfz\u00fcgige Gastfreundschaft, die bei uns nicht mehr so selbstverst\u00e4ndlich wie dort ist.<\/p>\n<p>Wie Frau OB Reker in ihrem Gru\u00dfwort erw\u00e4hnt hat, unterhalten wir das Hilfsprojekt f\u00fcr ehemalige Zwangsarbeiter*innen, wo sie medizinisch, pflegerisch und sozial betreut werden. Das ist momentan unser wichtigstes Projekt. Dar\u00fcber hinaus tauschen wir Marathonl\u00e4ufer*innen aus und organisieren deutsch-russische Musikprojekte. Neben unseren Begegnungsreisen nach Wolgograd organisieren wir j\u00e4hrlich Veranstaltungen in K\u00f6ln zu den deutsch-russischen Beziehungen \u2013 gemeinsam mit VHS, Friedensforum, Lutherkirche, ver.di und Friedensbildungswerk. Am 27. Oktober ist wieder die Veranstaltung mit Frau Krone-Schmalz geplant, die wir wegen der Pandemie schon zweimal ausfallen lassen mussten.<\/p>\n<p>In der momentanen Zeit ist es unglaublich wichtig, auf der Ebene die Kontakte zu halten. So kann man im Kleinen etwas bewegen&#8230; Der ehemalige Wolgograder Oberb\u00fcrgermeister Jurij Starovatykh sagt immer:<\/p>\n<blockquote><p>Die Politiker machen oben ihre Politik, und K\u00f6lner und Wolgograder B\u00fcrger treffen sich auf Augenh\u00f6he und betreiben Volksdiplomatie.<\/p><\/blockquote>\n<p>Matthias Platzeck nannte das \u201eGoldstaub\u201c.<\/p>\n<p>Ich danke Ihnen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Eva Aras ist Vorsitzende des <a href=\"https:\/\/wolgograd.de\">St\u00e4dtepartnerschaftsvereins K\u00f6ln &#8211; Wolgograd<\/a>.\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Tag der Befreiung beschrieb Eva Aras am Hansaplatz K\u00f6ln das Kriegsgedenken in Wolgograd (ehem. 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