{"id":16923,"date":"2021-09-20T11:17:46","date_gmt":"2021-09-20T09:17:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=16923"},"modified":"2021-09-20T11:21:25","modified_gmt":"2021-09-20T09:21:25","slug":"michael-suenner-eine-nachhaltige-gesunde-und-friedliche-entwicklung-ist-moeglich-und-hat-laengst-begonnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=16923","title":{"rendered":"Michael S\u00fcnner: &#8222;Eine nachhaltige gesunde und friedliche Entwicklung ist m\u00f6glich und hat l\u00e4ngst begonnen!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Am 4. September 2021 fand am Rudolfplatz in K\u00f6ln eine\u00a0<em>Open-Air-Podiumsdiskussion zum Thema &#8222;Pflegenotstand&#8220; mit Politiker*innen verschiedener Parteien statt. Die Veranstaltung wurde vom &#8222;<a href=\"https:\/\/gesundheitsbuendnisse-nrw.de\/buendnisse\/koeln\/\">K\u00f6lner B\u00fcndnis f\u00fcr mehr Personal im Gesundheitswesen<\/a>&#8220; organisiert. Michael S\u00fcnner hielt dabei die folgende Rede:<\/em><\/p>\n<div class=\"\">\n<hr \/>\n<\/div>\n<p>Liebe Kolleg*innen im Gesundheitswesen und Friedensfreund*innen,<\/p>\n<p>mein Name ist Michael S\u00fcnner, und ich spreche hier als Vertreter der DFG-VK und des K\u00f6lner Friedensforums.<\/p>\n<p>Uns verbindet nicht nur auf der pers\u00f6nlichen und emotionalen Ebene vieles, sondern auch das, was im weltpolitischen Zusammenhang definiert ist und zurzeit eine politische Zuspitzung gerade auch im Bundestagswahlkampf erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Die Satzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besagt:<\/p>\n<blockquote><p>Es ist eines der Grundrechte jedes Menschen ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen \u00dcberzeugung, der wirtschaftlichen oder sozialen Lage, sich einer m\u00f6glichst guten Gesundheit zu erfreuen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dar\u00fcber hinaus definiert sie Gesundheit als einen<\/p>\n<blockquote><p>Zustand v\u00f6lligen k\u00f6rperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens<\/p><\/blockquote>\n<p>und legt die Verantwortung der Regierungen f\u00fcr die Gesundheit ihrer V\u00f6lker dar, der<\/p>\n<blockquote><p>sie nur durch geeignete Ma\u00dfnahmen auf dem Gebiet des Gesundheits- und Sozialwesens nachkommen<\/p><\/blockquote>\n<p>k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese Formulierungen dienten als Inspiration f\u00fcr die Ausarbeitung der in der Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte verwendeten Formulierungen zur Gesundheit.<\/p>\n<p>So schrieben Abgeordnete 2019 in einem <a href=\"https:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/19\/107\/1910753.pdf\">Antrag<\/a>\u00a0an den Bundestag unter anderem:<\/p>\n<blockquote><p>Frieden ist eine unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr die Verwirklichung der Menschenrechte und die umfassende menschliche Entwicklung<\/p><\/blockquote>\n<p>und beziehen sich dabei auf den Hintergrund der positiven Dimension des Rechts auf Frieden, nach der Santiago-Deklaration von 2010:<\/p>\n<blockquote><p>Frieden geht \u00fcber die Abwesenheit von bewaffneten Konflikten hinaus und bedeutet die Beseitigung aller Arten von Gewalt, ob direkte, politische, strukturelle, wirtschaftliche oder kulturelle Gewalt, sowohl im \u00f6ffentlichen als auch im privaten Sektor.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier sind wesentliche \u00dcbereinstimmungen bzw. \u00dcberschneidungen in den internationalen Definitionen von Frieden und von Gesundheit deutlich zu erkennen.<\/p>\n<p>Auch der \u00d6kumenische Rat der Kirchen <a href=\"https:\/\/archived.oikoumene.org\/de\/@@search?SearchableText=Gesundheit+ist+gesellschaftlicher+Auftrag\">nennt<\/a> in diesem Jahrhundert eindeutig<\/p>\n<blockquote><p>Gesundheit als gesellschaftlichen Auftrag, bei dem es u. a. darum geht, weltweit Hunger und Armut zu beseitigen und dies im Zusammenhang mit Reichtum und Umwelt thematisch anzugehen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Entsprechendes erfahren wir in diesen Jahren besonders deutlich auch in den Forderungen der weltweiten Fridays For Future-Bewegung zugespitzt in der <a href=\"http:\/\/onesolutionrevolution.de\/fridays-for-future-systemwechsel-statt-klimawandel\">Forderung nach &#8222;Systemwechsel statt Klimawandel&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn wir auf diesem weltpolitischen Hintergrund \u00fcber Internationaler Verantwortung und \u00fcber die L\u00f6sung regionaler Probleme und Konflikte nachdenken, dann folgt daraus, wonach diese L\u00f6sungen ausgerichtet sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Unsere gemeinsamen politische Ziele sind dementsprechend:<\/p>\n<ul>\n<li>der Ausgleich zwischen Arm und Reich, also das Herstellen von Gerechtigkeit<\/li>\n<li>eine deutliche Senkung statt Erh\u00f6hung der Milit\u00e4rausgaben<\/li>\n<li>eine weitere Umwandlung von Arbeitspl\u00e4tzen<\/li>\n<li>Umwandung von Waffenproduktion in zivile Produktion<\/li>\n<li>Umwandlung von Milit\u00e4reinrichtungen und -organisationen in zivilen Katastrophenschutz<\/li>\n<li>Abr\u00fcstung statt Aufr\u00fcstung, also keine Erh\u00f6hung des Milit\u00e4retats auf 2% des Bruttoinlandsproduktes, sondern Senkung des Milit\u00e4retats zu Gunsten der staatlichen Ausgaben f\u00fcr Gesundheit, Bildung und Soziales.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der BSV, unser \u201eBund f\u00fcr soziale Verteidigung\u201c- eine Organisation in der Friedensbewegung -, hat zw\u00f6lf konkrete Beispiele dazu aufgelistet, von denen ich hier nur eins in der K\u00fcrze der Zeit nenne:<\/p>\n<p>Eine Fregatte 125 kostet 827 Millionen Euro! Das entspricht den monatlichen Lebenshaltungskosten von mehr als 200 Tausend Vierpersonenhaushalten. Weitere Beispiele k\u00f6nnt Ihr Euch an unserem Infostand anschauen.<\/p>\n<p>Unsere weiteren konkreten Ziele sind<\/p>\n<ul>\n<li>der Erhalt und die Schaffung neuer Arbeitspl\u00e4tze im Gesundheitswesen mit Tariflohn<\/li>\n<li>die Zur\u00fcckf\u00fchrung der Gesundheitseinrichtungen weg von profitorientierten Unternehmen hin zu staatlichen und gemeinn\u00fctzigen Organisationen. Es darf nicht so bleiben, dass Mitarbeiter*innen im Sozial- und Gesundheitswesen, die aus unseren Sozialversicherungsbeitr\u00e4gen und aus Steuermitteln bezahlt werden, mit zu geringer Entlohnung ausgebeutet werden, w\u00e4hrend gleichzeitig die Aktion\u00e4re der Gesundheitskonzerne ihren Profit daraus ziehen!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Konkrete Ma\u00dfnahmen auf dem Weg zu unseren gemeinsamen Gesundheits- und Friedenszielen sind zum Beispiel:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Aufhebung der Patente auf Impfstoffe (zumindest zeitweise). Wir haben gen\u00fcgend davon in den reichen L\u00e4ndern, aber z. B. in Afrika sind bisher nur etwa zwei Prozent der Menschen geimpft.<\/li>\n<li>Ein Stopp den neokolonialen internationalen Handelsvertr\u00e4ge, die multinationale Konzerne beg\u00fcnstigen und deren Profit sichern, anstatt den Bev\u00f6lkerungen zu helfen.<\/li>\n<li>Umsetzung des gemeinsames Anliegens von Friedens- und Klimabewegung, die Verminderung des CO2-Aussto\u00dfes bei der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung von Kriegen &#8211; also bei der Waffenproduktion und dem Milit\u00e4r ganz allgemein &#8211; in die nationalen und internationalen Klimaabkommen endlich auch mit einzubeziehen. Sie sind bisher noch davon ausgenommen.<\/li>\n<li>Die Unterzeichnung des Atomwaffenverbotsvertrages durch die Bundesregierung. Er ist bereits seit Januar internationales Recht. Wir sind gespannt auf die Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl und k\u00f6nnen dort eingreifen. Dazu geh\u00f6rt auch die Aufforderung an die US-Regierung, ihre Atomwaffen aus B\u00fcchel in der Eifel abzuziehen und zu vernichten! Wir werden uns morgen dort zu einer Menschenkette versammeln, zu der ich hier auch gerne nochmal einlade. Die Erprobung der Atombomben weltweit und die beiden Abw\u00fcrfe der US-Atomwaffen auf Hiroshima und Nagasaki 1945 d\u00fcrfen nie vergessen werden. Es sind Verbrechen an der Menschheit mit lebenslangem gesundheitlichem Leid und massenhaften T\u00f6tungen.<\/li>\n<li>Aktuell m\u00fcssen wir das neue europ\u00e4ische R\u00fcstungsprojekt FCAS (\u201eFuture Combat Air System\u201c) und die Drohnenbewaffnung der Bundeswehr stoppen, weil sie Milliarden Steuergelder verschlingen w\u00fcrden in einer noch nie dagewesenen Dimension. Die Kriegf\u00fchrung mit Drohnen ist &#8211; neben der einkalkulierten T\u00f6tung von Zivilisten &#8211; auch schon nur durch das \u00dcberfliegen ein andauernder psychischer Terror, wie wir aus den Berichten \u00fcber die Kriegf\u00fchrung in den letzten Monaten geh\u00f6rt haben, und: Drohnen sch\u00fctzen nicht die Soldaten, sondern verschlimmern den Terror insbesondere auch durch die vielen Toten und Verletzten in der Zivilbev\u00f6lkerung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr all diese Ziele und Ma\u00dfnahmen gibt es bereits tats\u00e4chlich sehr konkrete und realistische Ans\u00e4tze, nur noch in zu geringem Umfang und zu wenig bekannt:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie z. B. in den vielen, nur nicht genug gef\u00f6rderten alternativen Energiegewinnungsm\u00f6glichkeiten mit Wind, Wasser und Sonne anstelle der weiteren staatlichen F\u00f6rderung von Kohle- oder Kernenergie.<\/li>\n<li>Oder schauen wir in das Szenario der Friedensbewegung: &#8222;<a href=\"https:\/\/www.sicherheitneudenken.de\">Sicherheit neu denken<\/a>&#8220; mit einem Abr\u00fcstungs- und Entwicklungsprogramm f\u00fcr eine zivile Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik, welches genau an unserer aktuellen bundes- und weltpolitischen Gesetzeslage ankn\u00fcpft und f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Jahrzehnte fortgeschrieben ist.<\/li>\n<li>Oder nehmen wir uns die Programme der Friedensbildungseinrichtungen vor und sehen, wie im Friedensbildungswerk K\u00f6ln z. B. in &#8222;Gewaltfreier Kommunikation&#8220; und &#8222;Mediation&#8220; weitergebildet wird oder auch im &#8222;forum Ziviler Friedensdienst&#8220; in K\u00f6ln-Ehrenfeld Friedensarbeiter*innen f\u00fcr die zivile Konfliktl\u00f6sung in Krisengebieten ausgebildet und in zum Teil milit\u00e4risch umk\u00e4mpften Krisenregionen der Welt eingesetzt sind &#8211; \u00fcbrigens gef\u00f6rdert mit den Mitteln des Entwicklungshilfeministeriums.<\/li>\n<li>Oder h\u00f6ren wir auf die eindeutigen Hinweise von zivilen Hilfsorganisationen, wie z. B. &#8222;Medico international&#8220;, von denen aktuell jetzt einige nach dem Abzug der fremden Milit\u00e4rs in Afghanistan bleiben. Sie hatten schon in den letzten zwanzig Jahren wiederholt darauf hingewiesen, dass sie bei Abwesenheit von Milit\u00e4rs besser arbeiten k\u00f6nnen, als unter deren angeblichem Schutz.<\/li>\n<li>Und Teile der Gewerkschaften, der Friedensbewegung und der Klimabewegung beraten gemeinsam \u00fcber Konversions-, also Umwandlungsprojekte, zu ziviler Produktion oder zur Verkehrswende.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zusammengefasst k\u00f6nnen wir feststellen:<\/p>\n<div id=\"attachment_16933\" style=\"width: 447px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16933\" class=\" wp-image-16933\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_0237-scaled.jpg\" alt=\"Ein Mann in pinkem Hemd und Jeans spricht vor einem wei\u00dfen Transparent mit der Aufschrift &quot;Gesundheit ist keine Ware&quot;. Umstehende klatschen.\" width=\"437\" height=\"291\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_0237-scaled.jpg 2560w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_0237-200x133.jpg 200w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_0237-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_0237-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/DSC_0237-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 437px) 100vw, 437px\" \/><p id=\"caption-attachment-16933\" class=\"wp-caption-text\">Michael S\u00fcnner bei der Veranstaltung &#8222;Gesundheit ist keine Ware&#8220; am 4.9.2021 auf dem Rudolfplatz, K\u00f6ln. Foto: Stefanie Intveen<\/p><\/div>\n<p>Eine nachhaltige gesunde und friedliche Entwicklung ist nicht nur m\u00f6glich, sondern hat l\u00e4ngst begonnen, sowohl im ganzheitlichen Denken und Handeln f\u00fcr Gesundheit, als auch f\u00fcr ein gewaltfreies Zusammenleben der Menschen mit ziviler Konfliktl\u00f6sung. Es geht darum, diese Entwicklung jetzt aktuell zu beschleunigen, indem wir das &#8222;Weiter So&#8220; und &#8222;Wir Schaffen Das Schon&#8220; der Regierung ersetzen durch grunds\u00e4tzliche Ver\u00e4nderungen und einen Politikwechsel.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen nicht nur w\u00e4hlen gehen, sondern in die Gestaltung von Politik eingreifen!<\/p>\n<p>Ich danke daf\u00fcr, diese Aspekte hier einbringen zu k\u00f6nnen, und bin gespannt auf eine interessante Diskussion mit den Bundestagskandidat*innen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Michael S\u00fcnner ist einer der Sprecher*innen der DFG-VK Gruppe K\u00f6ln. Er ist Lehrer f\u00fcr Pflegeberufe und hat 43 Jahre in verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens \u00a0gearbeitet.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 4. September 2021 fand am Rudolfplatz in K\u00f6ln eine\u00a0Open-Air-Podiumsdiskussion zum Thema &#8222;Pflegenotstand&#8220; mit Politiker*innen verschiedener Parteien statt. Die Veranstaltung wurde vom &#8222;K\u00f6lner B\u00fcndnis f\u00fcr mehr Personal im Gesundheitswesen&#8220; organisiert. 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