{"id":17252,"date":"2022-09-21T10:44:07","date_gmt":"2022-09-21T08:44:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=17252"},"modified":"2022-09-21T10:44:07","modified_gmt":"2022-09-21T08:44:07","slug":"peter-trinogga-zum-antikriegstag-wenn-alles-nazi-ist-ist-irgendwann-nichts-mehr-nazi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=17252","title":{"rendered":"Peter Trinogga zum Antikriegstag: &#8222;Wenn alles &#8218;Nazi&#8216; ist, ist irgendwann nichts mehr &#8218;Nazi&#8216;!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Peter Trinogga, VVN-BdA K\u00f6ln, hielt am 1. September 2022, dem Antikriegstag, auf dem Rudolfplatz in K\u00f6ln die folgende Rede:<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p>Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,<br \/>\nmeine Damen und Herren,<\/p>\n<p>die Begriffe Faschismus und Antifaschismus werden im Propagandakrieg, der dem Waffenkrieg in der Ukraine vorausging und ihn begleitet, von beiden Konfliktparteien ausgiebig benutzt. Als Antifaschistinnen und Antifaschisten m\u00fcssen wir dazu Stellung beziehen. Wir sollten uns in Deutschland aber in erster Linie um die Politik unserer Regierung, die Inhalte unserer Massenmedien k\u00fcmmern, daher zu Beginn meines Beitrages nur einige, wenige Worte zum Thema Propaganda:<\/p>\n<h4>Ukraine ist kein Nazistaat<\/h4>\n<div id=\"attachment_17264\" style=\"width: 537px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17264\" class=\" wp-image-17264\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/20220901-_DSC3214-scaled.jpg\" alt=\"Ein \u00e4lterer Herr in heller Sommerhose und hellblauem Hemd spricht in ein Mikrofon. Im Hintergrund ein junger Mann mit blauem T-Shirt, auf dem eine wei\u00dfe Friedenstaube zu sehen ist. Vorn ist ein blaues selbst beschriftetes Plakat mit der Aufschrift &quot;Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!&quot; zu sehen.\" width=\"527\" height=\"329\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/20220901-_DSC3214-scaled.jpg 2560w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/20220901-_DSC3214-200x125.jpg 200w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/20220901-_DSC3214-768x480.jpg 768w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/20220901-_DSC3214-1536x960.jpg 1536w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/20220901-_DSC3214-2048x1280.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 527px) 100vw, 527px\" \/><p id=\"caption-attachment-17264\" class=\"wp-caption-text\">Peter Trinogga am Antikriegstag 1.9.2022 auf dem Rudolfplatz in K\u00f6ln. Foto: Herbert Sauerwein<\/p><\/div>\n<p>Die Ukraine ist kein Nazistaat, wie es die russische Regierung und die meisten dortigen Medien behaupten. Dieser Vorwurf beruht nicht auf nachpr\u00fcfbaren Kriterien, nicht auf Kategorien, auf deren Grundlage, sachliche Bewertungen getroffen werden k\u00f6nnten. Er dient der politischen Denunziation und der ideologischen Rechtfertigung des Krieges. Wir sollten das wissen und sagen, denn wenn alles \u201eNazi\u201c ist, ist irgendwann nichts mehr \u201eNazi\u201c &#8211; und das w\u00e4re der Tod jeder ernsthaften antifaschistischen Politik.<\/p>\n<p>Die Ukraine ist aber auch kein Staat des Antifaschismus, wie das hierzulande, meist unter Berufung auf die j\u00fcdische Herkunft ihres Pr\u00e4sidenten, gerne behauptet wird. Die ukrainische Staatsraison gr\u00fcndet auf Nationalismus, auf einer Traditionslinie, die zur\u00fcckgeht nicht zuletzt auf die Nazikollaborateure der ukrainischen Nationalbewegung der vierziger Jahre. Es gibt starke Anzeichen f\u00fcr Nazistrukturen in den ukrainischen Sicherheitskr\u00e4ften, in der Armee. Oppositionelle Parteien sind verboten, Antikommunismus und Russenhass Grundlage der Politik- Denkm\u00e4ler und Stra\u00dfenbenennungen f\u00fcr antifaschistische K\u00e4mpferinnen und K\u00e4mpfer werden beseitigt oder umbenannt. Diese Tradition, diese Politik ist in unseren Augen nicht wert, verteidigt zu werden.<\/p>\n<h4>Stimmungsmache gegen Russland und russische Menschen<\/h4>\n<p>Kommen wir zur\u00fcck in unser Land. Ich m\u00f6chte mich in meinem Beitrag auf drei Gesichtspunkte beschr\u00e4nken. Da ist zum einen die Stimmungsmache gegen Russland und russische Menschen.<\/p>\n<p>Immer wieder h\u00f6ren wir von Politikerinnen und Politikern fast aller Parteien, im Ukrainekrieg w\u00fcrde \u201eEuropa\u201c verteidigt. W\u00fcrde das stimmen, was w\u00e4re dann Russland? Asien wahrscheinlich \u2013 ein anderer Kontinent steht nicht zur Auswahl. Wie weit ist es von der &#8222;Verteidigung Europas&#8220; gegen Russland zu den &#8222;asiatischen Horden&#8220; der Nazipropaganda?<\/p>\n<p>Vor einigen Monaten war in der Talkshow des Markus Lanz Frau Florence Gaub zu Gast, die am Institut der EU f\u00fcr Sicherheitsstudien wissenschaftlich t\u00e4tig ist. Sie \u00e4u\u00dferte in dieser Sendung w\u00f6rtlich:<\/p>\n<blockquote><p>Ich glaube, wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass auch wenn Russen europ\u00e4isch aussehen, dass es keine Europ\u00e4er sind \u2013 im kulturellen Sinne.<\/p><\/blockquote>\n<p>Russische Menschen h\u00e4tten einen anderen Bezug zu Gewalt und Tod. Sie findet:<\/p>\n<blockquote><p>Es gibt [bei Russen] nicht diesen liberalen und postmodernen Zugang zum Leben. Das Leben als ein Projekt, das jeder f\u00fcr sich individuell gestaltet. Sondern das Leben kann halt einfach auch mit dem Tod recht fr\u00fch enden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was ist das anders, als banaler alter Rassismus, gekleidet in modernen Wissenschaftsjargon?<\/p>\n<p>In Berlin waren am diesj\u00e4hrigen 8. und 9. Mai, dem Jahrestag der Befreiung vom Faschismus und dem Tag des Sieges, wie er in der Sowjetunion und in Russland begangen wurde und wird, russische und sowjetische Fahnen an den meisten Gedenkst\u00e4tten f\u00fcr gefallene Sowjetsoldatinnen und -soldaten vom rot-rot-gr\u00fcnen Senat verboten worden. Man stelle sich vor: Die Flagge des Landes, dessen Menschen den weitaus h\u00f6chsten Blutzoll f\u00fcr die Befreiung Europas vom Faschismus entrichtet hatten, durfte nicht gezeigt werden! Dabei verdankt die Ukraine ihre Staatlichkeit genau dieser Sowjetunion, die mit dem derzeitigen Krieg nichts, aber auch gar nichts, zu tun haben kann, da es sie seit 30 Jahren nicht mehr gibt.<\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte noch einiges ausf\u00fchren: Die Diskussionen dar\u00fcber, ob russische Menschen noch Einreisevisa nach Deutschland erhalten sollen oder Au\u00dfenministerin Baerbocks Aussage, sie wolle Russlands Wirtschaft ruinieren&#8230; Aber ich m\u00f6chte meine Redezeit nicht zu sehr \u00fcberschreiten. Nur soviel: Auch die Nazis haben die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger der Sowjetunion, auch Ukrainerinnen und Ukraine entmenschlicht \u2013 bei ihnen hie\u00dfen diese allerdings \u201eslawische Untermenschen\u201c.<\/p>\n<h4>Zweiter Weltkrieg wurde auch medial vorbereitet<\/h4>\n<p>Zweiter Gesichtspunkt: In den deutschen Medien, egal od gedruckt oder gesendet, findet, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eine unertr\u00e4gliche Stimmungsmache f\u00fcr den Krieg statt. Ich habe den Eindruck, es kann den Journalistinnen und Journalisten, die einerseits nicht schnell genug die Ukraine verlassen konnten, als der russische Angriff begann, andererseits nicht schnell genug gehen mit einer aktiven Kriegsbeteiligung Deutschlands (im Rahmen der NATO nat\u00fcrlich). Damit wurden auch die Waffenlieferungen, die die Kassen der R\u00fcstungskonzerne klingeln lassen, herbeigeschrieben und -gesprochen. Das \u201eMassaker von Butscha\u201c, bei dem bis heute nicht klar ist, welche Seite die Verantwortung daf\u00fcr tr\u00e4gt, wurde sofort Russland in die Schuhe geschoben \u2013 mittlerweile ist es stiller darum geworden. Oder der andauernde Beschuss das Atomkraftwerks in Saporischschja, bei dem vieles darauf hindeutet, dass er vom ukrainischen Milit\u00e4r zu verantworten ist \u2013 in unseren Medien ist meist nat\u00fcrlich \u201eder Russe\u201c schuld.<\/p>\n<p>Der Zweite Weltkrieg, der heute vor 82 Jahren, am 1. September 1939 begonnen wurde, wurde auch medial vorbereitet. Die Kolleginnen und Kollegen in den Zeitungsredaktionen und Funkh\u00e4usern sollten das wissen und Lehren daraus ziehen. Und wir sollten mit Briefen und Meinungs\u00e4u\u00dferungen zu dieser Art der Berichterstattung Stellung nehmen \u2013 noch viel st\u00e4rker als es jetzt bereits geschieht.<\/p>\n<h4>Verarmung nach unsinnigen Gassanktionen &#8211; Unzufriedenheit wird sich entladen<\/h4>\n<p>Und jetzt zum dritten und letzten Gesichtspunkt, \u00fcber den ich etwas sagen m\u00f6chte: Die Auswirkungen des Krieges und die unsinnigen Gas-Sanktionen gegen Russland haben mit daf\u00fcr gesorgt, dass viele Menschen in Deutschland Monat f\u00fcr Monat real weniger Geld ausgeben k\u00f6nnen, dass Menschen verarmen, sich entscheiden m\u00fcssen, ob sie Ihre Kr\u00f6ten nutzen, um zu heizen oder um Essen zu kaufen. In einem der reichsten L\u00e4nder der Erde stellt sich die Frage f\u00fcr Viele: Hungern oder frieren \u2013 das ist doch ein Hohn! Nicht nur aus diesem Grund w\u00e4chst bei vielen Leuten die Unzufriedenheit \u2013 und sie w\u00e4chst nicht nur, sie wird sich auch entladen.<\/p>\n<p>Die Rechten, egal ob AfD, NPD, Dritter Weg, Freie Sachsen oder aktuell hier in K\u00f6ln Markus Beisicht, seit Jahrzehnten einschl\u00e4gig bekannter und ber\u00fcchtigter Faschist, wollen diese berechtigte Unzufriedenheit f\u00fcr sich nutzen \u2013 genau wie die Nazis, die Unzufriedenheit vieler Menschen in der Endphase der Weimarer Republik f\u00fcr Ihre menschenfeindliche Propaganda nutzten.Den Rechten geht es aber keineswegs darum, f\u00fcr Frieden und V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung einzutreten, f\u00fcr Abr\u00fcstung und die bessere finanzielle Ausstattung von Schulen und Krankenh\u00e4usern. Sie stehen f\u00fcr Aggressivit\u00e4t nach au\u00dfen und Unterdr\u00fcckung nach innen.<\/p>\n<p>Was hei\u00dft das f\u00fcr uns, f\u00fcr Demokratinnen und Demokraten, Antifaschisten und die Menschen, die f\u00fcr Frieden und Verst\u00e4ndigung eintreten? Sollen wir die Proteste, an denen auch Rechte beteiligt sein werden, ignorieren, uns an deren Rand stellen und \u201eNazis raus!\u201c rufen? Ich glaube nicht! Wir d\u00fcrfen den rechten Demagoginnen und Demagogen weder die Inhalte sozialen Protests noch die Stra\u00dfen \u00fcberlassen.Nicht alle, vielleicht sogar nur wenige derer, die ihre Unzufriedenheit auf die Stra\u00dfen tragen, sind Nazis und Rassistinnen und Rassisten. Wir demokratischen Kr\u00e4fte, wir Linken sollten uns an berechtigten Protesten gegen Sozialabbau und steigende Preise, die nicht von den Rechten initiiert oder beherrscht werden, mit unseren Forderungen beteiligen und f\u00fcr unsere humanen Alternativen werben. Sie hei\u00dfen:<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcr Frieden und Verst\u00e4ndigung in der Ukraine! Beide Kriegsparteien m\u00fcssen sofortige Verhandlungen \u00fcber die Beendigung des Kriegs beginnen!<\/li>\n<li>Gegen die Verarmung der Menschen, gegen die stattfindende Umverteilung von unten nach oben in die Kassen der Konzerne!<\/li>\n<li>Gegen Sanktionen \u2013 f\u00fcr friedlichen Handel und Gespr\u00e4che mit allen Konfliktparteien.<\/li>\n<li>Gegen Nazis, und Rassisten \u2013 in Deutschland, in der Ukraine, in Russland und \u00fcberall auf der Welt!<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p><em>Wir bedanken uns f\u00fcr die M\u00f6glichkeit, die Rede hier zu ver\u00f6ffentlichen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Trinogga, VVN-BdA K\u00f6ln, hielt am 1. September 2022, dem Antikriegstag, auf dem Rudolfplatz in K\u00f6ln die folgende Rede: Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde, meine Damen und Herren, die Begriffe Faschismus und Antifaschismus werden im&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":110,"featured_media":17264,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[111],"tags":[208,123,81,219,29,214],"class_list":["post-17252","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rede","tag-armut","tag-faschismus","tag-medien","tag-russland","tag-solidaritat","tag-ukraine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17252","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/110"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17252"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17252\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17266,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17252\/revisions\/17266"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/17264"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17252"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17252"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17252"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}