{"id":17784,"date":"2023-11-13T20:02:20","date_gmt":"2023-11-13T19:02:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=17784"},"modified":"2023-11-16T16:28:34","modified_gmt":"2023-11-16T15:28:34","slug":"combatants-for-peace-in-koeln-von-den-waffen-zur-kooperation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=17784","title":{"rendered":"&#8222;Combatants for Peace&#8220; in K\u00f6ln: Von den Waffen zur Kooperation"},"content":{"rendered":"<p><em>Von Kurt Luckhardt.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p>Am 8.11.2023 hatte der <em>St\u00e4dtepartnerschaftsverein K\u00f6ln-Bethlehem<\/em> die <em>Combatants for Peace<\/em> eingeladen. Das ist eine Gruppe von Pal\u00e4stinensern und Israelis, die sich aktiv an dem Kreislauf der Gewalt in der Region Israel beteiligt haben: israelische Soldaten und Pal\u00e4stinenser, die als K\u00e4mpfer f\u00fcr die Befreiung ihres Landes von der israelischen Besatzung k\u00e4mpfen.<\/p>\n<blockquote><p>Wir &#8211; im Dienste unserer V\u00f6lker, mit erhobenen Waffen, die wir aufeinander richteten und uns nur durch die Visiere der Waffen sahen &#8211; haben <em>Combatants for Peace<\/em> auf der Grundlage der Prinzipien der Gewaltlosigkeit gegr\u00fcndet.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieser Einladung folgten ca. 90 Interessierte. Rotem Levin (Israeli) und Osama Eliwat (Pal\u00e4stinenser) erz\u00e4hlen ihre Geschichte.<\/p>\n<p>Rotem:<\/p>\n<blockquote><p>Ich habe mit 22 das erste Mal einen Pal\u00e4stinenser kennen gelernt. Ich bin in einem Ort zwischen Haifa und Tel Aviv aufgewachsen. Mit 17 mussten wir nach Polen fahren, um den Holocaust als mentale Vorbereitung f\u00fcr den dreij\u00e4hrigen Milit\u00e4rdienst zu bekommen. Es sollte das Bewusstsein entstehen, dass wir in der Armee der Israelis nicht so leiden m\u00fcssen, wie unter den Deutschen.<\/p>\n<p>Ich kenne keinen Israeli, der den Kriegsdienst verweigert hat. Es ist f\u00fcr den sozialen Status sehr wichtig, dass man in der Armee einen hohen Status erreicht. So entschied ich mich Pilot zu werden. Ich wurde jedoch nach einem Jahr in die West Bank versetzt, wo die Soldaten alles kontrolliert haben.<\/p>\n<p>In einem Dorf haben wir in der Nacht den Befehl bekommen, ohne Grund Blendgranaten zwischen die H\u00e4user zu werfen. Mein Kamerad hatte ein schlechtes Gewissen, und als wir uns \u00fcber die Situation unterhalten haben, hat der Kommandeur diese Unterhaltung sofort unterbunden, mit dem Hinweis, dass man Befehlen zu gehorchen hat.<\/p>\n<p>Ich wurde, nachdem ich ein wenig in der Welt umhergereist bin, nach Deutschland zu einem Seminar mit Pal\u00e4stinensern eingeladen worden und war neugierig, weil ich Pal\u00e4stinenser kennen lernen wollte. Ich war geschockt \u00fcber die brutale, politische Geschichte der Israeliten.<\/p>\n<p>Ich habe Medizin studiert und dadurch auch Arabisch gelernt. Dadurch konnte ich auch das \u201eLagerdenken\u201c durchbrechen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Osama:<\/p>\n<blockquote><p>Ich bin immer ber\u00fchrt, wenn ich den Vortrag von Rotem h\u00f6re.<\/p>\n<p>Ich bin als Kind in Jerusalem aufgewachsen und meine Eltern haben mir vermittelt, dass wir die letzten Araber sind. Es gibt ein Gesetz, dass wenn ein Araber die Stadt Jerusalem verlassen hat, nie wieder dorthin zur\u00fcck kehren darf. Wir sind dann nach Jericho gefahren, wo ich mich bis 1987 wie im Paradies f\u00fchlte, da ich frei in der Natur spielen konnte.<\/p>\n<p>Nach dem Beginn der Intifada 1987 haben wir Zwiebeln mit ins Bett genommen, um uns ein wenig Erleichterung vor dem Tr\u00e4nengas der Israelis zu verschaffen.<\/p>\n<p>Durch brutales Vorgehen der Israelis im Westjordanland wurde ich immer w\u00fctender. Ich habe mit 14 mit meiner Schwester aus alten T-Shirts eine Pal\u00e4stinafahne gebastelt und sie in einen Baum geh\u00e4ngt. Drei Tage sp\u00e4ter wurde ich von zwanzig schwer bewaffneten Soldaten zu neun Monaten brutalstem Gef\u00e4ngnis verschleppt, ohne Gerichtsurteil. Der Hass auf die Israelis wurde immer gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>2009 hat ein Freund mich in Betlehem mitgenommen zu Friedensaktivisten. Sie hatten alle eine Kippa auf, und ich war emp\u00f6rt und bin raus in den Schnee gegangen und hab auf ihn gewartet. Die Bemerkung eines Juden hat mich wachger\u00fcttelt, sodass ich zum Friedensaktivisten wurde.<\/p><\/blockquote>\n<p>Fragen des Publikums:<\/p>\n<h4>Ist Euer Leben zurzeit akut gef\u00e4hrdet?<\/h4>\n<blockquote><p>Nach Ver\u00f6ffentlichungen von Rotem in sozialen Medien sind ihm offen Morddrohungen zugesendet worden. Osama f\u00fcrchtet auch um sein Leben, speziell jetzt in der aufgeheizten Stimmung.<\/p><\/blockquote>\n<h4>Gibt es eine Zusammenarbeit der israelischen Organisation \u201eBreaking the Silence\u201c und den \u201eCombatants for Peace\u201c?<\/h4>\n<blockquote><p>Der wesentliche Unterschied ist, dass <em>Breaking the Silence<\/em> eine rein israelische Organisation ist, die die Ungerechtigkeiten der Israelis gegen\u00fcber Arabern aufdeckt. Die <em>Combatants for Peace<\/em> ist eine gemeinsame Organisation von Pal\u00e4stinensern und Israelis.<\/p>\n<p>Allein dieses Jahr sind vier pal\u00e4stinensische Orte von den Israelis verbrannt worden ohne ersichtlichen Grund.<\/p><\/blockquote>\n<h4>Ist es m\u00f6glich mit Spenden und Personal in Pal\u00e4stina ein Krankenhaus zu errichten?<\/h4>\n<blockquote><p>Es gibt eine israelische Organisation <em>\u00c4rzte f\u00fcr Menschenrechte<\/em>, die mobil Pal\u00e4stinenser unterst\u00fctzt. Pal\u00e4stinenser haben f\u00fcr 400 Kindern eine Schule gebaut, die wurde nach einer Woche von israelischen Bulldozern abgerissen. Was hat das mit der Sicherheit Israels zu tun?<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_17788\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17788\" class=\"size-full wp-image-17788\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/image0-scaled.jpeg\" alt=\"Ein voll besetzter heller Kirchenraum, an dessen Ende mehrere Vortragende sitzen.\" width=\"2560\" height=\"1920\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/image0-scaled.jpeg 2560w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/image0-200x150.jpeg 200w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/image0-768x576.jpeg 768w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/image0-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/image0-2048x1536.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><p id=\"caption-attachment-17788\" class=\"wp-caption-text\">Podiumsveranstaltung der &#8222;Combatants for Peace&#8220; am 8.11.2023 in der voll besetzten Kartause, K\u00f6ln. Foto: Martin Bauer.<\/p><\/div>\n<hr \/>\n<p><em>Der Text wurde nicht von den beiden Referenten durchgesehen; daher k\u00f6nnen wir nicht ausschlie\u00dfen, dass Fehler, beispielsweise infolge der englisch-deutschen \u00dcbersetzung, enthalten sind. Bei Weiterverwendung des Textes bitten wir um entsprechende Umsicht.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Wir bedanken uns herzlich bei Kurt f\u00fcr den Text!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Kurt Luckhardt. Am 8.11.2023 hatte der St\u00e4dtepartnerschaftsverein K\u00f6ln-Bethlehem die Combatants for Peace eingeladen. 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