{"id":17888,"date":"2024-01-08T12:06:53","date_gmt":"2024-01-08T11:06:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=17888"},"modified":"2024-01-08T12:06:53","modified_gmt":"2024-01-08T11:06:53","slug":"erinnern-eine-bruecke-in-die-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=17888","title":{"rendered":"Erinnern &#8211; Eine Br\u00fccke in die Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>Samstag, 27. Januar 2024\u00a0 18:Uhr<\/p>\n<h3>Gedenkstunde f\u00fcr die Opfer des Nationalsozialismus<\/h3>\n<p><strong>Wo: Antoniter Citykirche Schildergasse<\/strong><\/p>\n<h4>\u201eNiemand wurde zu Recht in einem Konzentrationslager inhaftiert, gequ\u00e4lt oder ermordet.\u201c<\/h4>\n<p>Mit diesen Worten erkannte der Bundestag am 13. Februar 2020, also 75 Jahre nach Ende der NSDiktatur, Tausende von Menschen als NS-Opfer an, die bis dahin als sogenannte \u201eAsoziale\u201c und \u201eBerufsverbrecher\u201c gegolten hatten. F\u00fcr den Antrag auf Anerkennung als Opfer stimmten die<br \/>\nRegierungsparteien und die Oppositionsfraktionen, nur die AfD-Fraktion enthielt sich.<\/p>\n<p>Die Betroffenen hatten in der Regel aus Scham keine Antr\u00e4ge auf Entsch\u00e4digung gestellt und bekommen bis heute nur selten einen Stolperstein gesetzt. F\u00fcr die meisten kommt jede Anerkennung zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>Bereits im Kaiserreich hatten \u00c4mter und Polizei vielen Menschen, die sp\u00e4ter als \u201eAsoziale\u201c oder \u201eBerufsverbrecher\u201c verfolgt wurden, ein selbstbestimmtes Leben verwehrt. Es kursierten schon \u201erassenhygienische\u201c und kriminalbiologische Theorien wie die des \u201egeborenen Verbrechers\u201c. Ab 1933 bildeten diese Vorstellungen die Grundlage der Arbeit der Wohlfahrtsstellen, des Gesundheitswesens und der Kriminalistik. Die fortschrittliche Sozialarbeit, die in K\u00f6ln z.B. die Leiterin des Wohlfahrtsamtes Dr. Hertha Kraus in der Weimarer Zeit eingef\u00fchrt hatte, wurde zunichtegemacht.<\/p>\n<p>Im September 1933 durchk\u00e4mmten Polizei und SA tagelang Kneipen, Nachtasyle, \u00f6ffentliche Orte wie den Hauptbahnhof und verhafteten Personen ohne festen Wohnsitz. Besonders die Wohnungslosen waren den Razzien schutzlos ausgeliefert. Eine begleitende Pressekampagne zeichnete das Zerrbild \u201eberufsm\u00e4\u00dfiger Bettler\u201c, die nicht wirklich bed\u00fcrftig seien, sondern sich an Almosen bereichern w\u00fcrden. Sie seien \u201eSch\u00e4dlinge\u201c, von denen die \u201eVolksgemeinschaft\u201c befreit werden m\u00fcsse. Reichsweit wurden rund 10.000 Bettler*innen und Wohnungslose verhaftet. 1937 systematisierten Staat und Partei die Verfolgung von armen oder unangepassten Menschen, die nicht den Vorstellungen der \u201edeutschen Volksgemeinschaft\u201c entsprachen. Unterhaltss\u00e4umige, Wohnungslose, Wandergewerbetreibende, Suchtkranke, Frauen, die als Prostituierte arbeiteten oder von den Beh\u00f6rden f\u00fcr solche gehalten wurden, konnten ohne Gerichtsverfahren durch die Kriminalpolizei in Konzentrationslager deportiert werden. Die Festgenommenen bildeten kurzzeitig die gr\u00f6\u00dfte H\u00e4ftlingsgruppe \u2013 erkennbar am schwarzen (\u201easozial\u201c) oder gr\u00fcnen (kriminell) Winkel an<br \/>\nder H\u00e4ftlingskleidung.<\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr die \u201eS\u00e4uberungspolitik\u201c der Nazis ist die Sanierung des Martinsviertels, das zu einer gehobenen Wohn- und Gesch\u00e4ftsgegend umgestaltet werden sollte, \u2013 140 Kleinstwohnungen gingen dabei verloren. Die vertriebenen Menschen wurden am Stadtrand in Armensiedlungen untergebracht und polizeilich \u00fcberwacht.<\/p>\n<p>In der NS-Zeit konnte die Zuschreibung \u201easozial\u201c zum Todesurteil werden. Doch auch heute noch dient der herabw\u00fcrdigende Begriff dazu, Menschen auszugrenzen: unter Armut Leidende, Obdachlose oder Menschen, die angeblich nichts leisten \u2013 als w\u00e4re all dies kein \u00fcberwiegend<br \/>\ngesellschaftliches, sondern ihr privates Problem. An die Opfer zu erinnern hei\u00dft, auch heute deutlich gegen die Diskriminierung und Ausgrenzung dieser Menschen einzutreten.<\/p>\n<p><strong>Der Schwur der \u00dcberlebenden des KZ Buchenwald vom April 1945 ist immer noch aktuell: Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Flyer-27.1.24_Web.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Flyer zur Veranstaltung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag, 27. Januar 2024\u00a0 18:Uhr Gedenkstunde f\u00fcr die Opfer des Nationalsozialismus Wo: Antoniter Citykirche Schildergasse \u201eNiemand wurde zu Recht in einem Konzentrationslager inhaftiert, gequ\u00e4lt oder ermordet.\u201c Mit diesen Worten erkannte der Bundestag am 13.&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":110,"featured_media":17891,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[104,116],"tags":[],"class_list":["post-17888","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ankuendigung","category-aufruf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17888","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/110"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17888"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17888\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17893,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17888\/revisions\/17893"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/17891"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17888"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17888"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17888"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}