{"id":17997,"date":"2024-01-21T17:09:05","date_gmt":"2024-01-21T16:09:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=17997"},"modified":"2024-03-17T23:36:19","modified_gmt":"2024-03-17T22:36:19","slug":"deutschland-erkennt-an-einen-voelkermord-genozid-veruebt-zu-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=17997","title":{"rendered":"Deutschland erkennt an, einen V\u00f6lkermord \/ Genozid ver\u00fcbt zu haben"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_17998\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17998\" class=\"size-medium wp-image-17998\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/IMG_0404-500x452.jpg\" alt=\"Hage Geingob, Pr\u00e4sident von Namibia\" width=\"500\" height=\"452\" \/><p id=\"caption-attachment-17998\" class=\"wp-caption-text\">Hage Geingob, Pr\u00e4sident von Namibia<\/p><\/div>\n<p>Am 21.09.2021 hat das Parlament der ehemaligen deutschen Kolonie Namibia (Deutsch-S\u00fcdwestafrika) die Entschuldigung Deutschlands f\u00fcr den ver\u00fcbten V\u00f6lkermord an zwei indigenen Gemeinschaften akzeptiert. Zwischen 1904 und 1908 t\u00f6teten deutsche Truppen etwa 65.000 von 80.000 Herero und mindestens 10.000 von 20.000 Nama, nachdem sich am 12. Januar 1904 die beiden Volksgruppen gegen die deutsche Kolonialmacht erhoben hatten. Generalleutnant Lothar von Trotha besiegte mit zus\u00e4tzlich 14.000 deutschen Soldaten die Aufst\u00e4ndischen und vertrieb diese in die Omaheke-W\u00fcste. Er befahl die Vernichtung der Fl\u00fcchtigen und lie\u00df diese in der W\u00fcste verdursten und verhungern. Lebensnotwendige Wasserstellen und Fluchtwege aus der W\u00fcste wurden durch die deutschen &#8222;Schutztruppen&#8220; besetzt. Die Bundesrepublik Deutschland (als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Kaiserreichs) hat sich lange geweigert, die T\u00f6tung zehntausender Herero und Nama als V\u00f6lkermord zu bezeichnen. Seit 2015 benutzt das Ausw\u00e4rtige Amt offiziell den Begriff V\u00f6lkermord.<\/p>\n<p>Ein Statement Deutschlands zum 120. Jahrestag des V\u00f6lkermords ist vergangene Woche ausgeblieben. Daf\u00fcr hat sich die deutsche Regierung am selben Tag zur Genozidklage S\u00fcdafrikas gegen Israel ge\u00e4u\u00dfert. Am 12. Januar 2024 erkl\u00e4rt der Regierungssprecher, dass die Bundesregierung sich in dem V\u00f6lkermord-Verfahren klar an die Seite Israels stellt. \u201eDen vor dem Internationalen Gerichtshof gegen Israel erhobenen Vorwurf des V\u00f6lkermords weist die Bundesregierung entschieden und ausdr\u00fccklich zur\u00fcck\u201c. Weiterhin hei\u00dft es \u201eDieser Vorwurf entbehrt jeder Grundlage.\u201c. Berlin w\u00fcrde die T\u00f6tung von mehr als 23.000 Pal\u00e4stinensern in Gaza ignorieren, sagt dazu Namibias Pr\u00e4sident Hage Geingob. Er \u00e4u\u00dfert seine tiefe Besorgnis hinsichtlich Deutschlands Entscheidung, Israel gegen S\u00fcdafrikas Anklage zu unterst\u00fctzen. Geingob teilt am 13. Januar 2024 in einer pers\u00f6nlichen Stellungnahme mit, Deutschland sei unf\u00e4hig, Lehren aus seiner eigenen schrecklichen Vergangenheit zu ziehen. Der Zeitpunkt von Deutschlands Positionierung werfe, in Anbetracht von dessen historischer Verantwortung f\u00fcr den ersten im 20. Jahrhundert ver\u00fcbten V\u00f6lkermord auf Namibias Boden, beunruhigende Fragen in Hinsicht auf den moralischen Kompass der Bundesregierung auf.<\/p>\n<p>Nachbemerkung:<\/p>\n<p>Das Anliegen des Verfassers ist es, der Sicht des Globalen S\u00fcdens auf die Ereignisse in Gaza eine Stimme zu geben.\u00a0Unabh\u00e4ngig davon, sollten wir mit Begriffen wie V\u00f6lkermord und Genozid sensibel umgehen. Auch wenn der Verfasser diese Reizw\u00f6rter bewusst im Titel verwendet hat, hat deren Anwendung durch deutsche Politiker und deutsche politische Organisationen immer den Beigeschmack der eigenen Entlastung. Zur schrecklichen Vergangenheit Deutschlands geh\u00f6rt untrennbar die industrielle Vernichtung von 6 Millionen Menschen j\u00fcdischen Glaubens. Nicht zuletzt wurde die UN-V\u00f6lkermordkonvention 1948 aufgrund der Verbrechen Deutschlands am j\u00fcdischen Volk beschlossen.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese pers\u00f6nliche Stellungnahme des Verfassers wurde u.a. in den folgenden Zeitschriften und weiteren Internetseiten recherchiert: Namibian (Namibia), Al Jazeera (Katar), Amnesty International (England), BBC (Vereinigtes K\u00f6nigreich), Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung (Deutschland), Courrier International (Frankreich), Deutschlandfunk (Deutschland), iAfrica (S\u00fcdafrika), Telepolis (Deutschland), The Citizen (Tansania), The Nation (USA), The New Arab (Gro\u00dfbritannien), The Times of Israel (Israel), WOZ (Schweiz).<\/p>\n<p>Verfasser: Hans-Achim \/ 20.01.2024<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 21.09.2021 hat das Parlament der ehemaligen deutschen Kolonie Namibia (Deutsch-S\u00fcdwestafrika) die Entschuldigung Deutschlands f\u00fcr den ver\u00fcbten V\u00f6lkermord an zwei indigenen Gemeinschaften akzeptiert. 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