{"id":18295,"date":"2024-04-06T17:25:39","date_gmt":"2024-04-06T15:25:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=18295"},"modified":"2024-04-06T17:25:39","modified_gmt":"2024-04-06T15:25:39","slug":"ein-waffenstillstand-und-ein-gerechter-frieden-in-nahost-sind-jetzt-geboten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=18295","title":{"rendered":"&#8222;Ein Waffenstillstand und ein gerechter Frieden in Nahost sind jetzt geboten&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Wir dokumentieren hier die Rede eines Vertreters der Pal\u00e4stinensischen Gemeinde K\u00f6ln beim Ostermarsch am 30.03.2024 in K\u00f6ln:<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p>Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,<\/p>\n<div id=\"attachment_18282\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18282\" class=\"size-medium wp-image-18282\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DSC_0061-500x500.jpg\" alt=\"Ein \u00e4lterer Mann mit grauem Haarkranz und Brille spricht in ein Mikro. Eine Frau mit grauen Locken schaut ihm ernst von hinten zu.\" width=\"500\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DSC_0061-500x500.jpg 500w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DSC_0061-80x80.jpg 80w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DSC_0061-320x320.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><p id=\"caption-attachment-18282\" class=\"wp-caption-text\">Vertreter der Pal\u00e4stinensischen Gemeinde beim Ostermarsch, Roncalliplatz, K\u00f6ln, 30.3.2024. Foto: Stefanie Intveen<\/p><\/div>\n<p>das Leid und T\u00f6ten im Nahen Osten muss sofort enden. Jeder Tote, egal auf welcher Seite, ist einer zu viel. Die Bundesregierung muss sich endlich f\u00fcr einen sofortigen<br \/>\nWaffenstillstand einsetzen. Alle Geiseln der Hamas und alle pal\u00e4stinensischen Gefangenen in Israel m\u00fcssen umgehend ihre Freiheit erlangen. Die m\u00f6rderische Blockade von Gaza, die israelische Besetzung der Westbank m\u00fcssen enden, damit alle Menschen zwischen dem Meer und den Fluss in W\u00fcrde und Frieden leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Jedes Jahr am 30.M\u00e4rz erinnert sich das pal\u00e4stinensische Volk an dem Tag wo 6 pal\u00e4stinensische Jugendliche, die von der israelischen Armee, bei der Verteidigung ihres Landes gegen die Anexion erschossen wurden.<\/p>\n<p>Dieser unvergessene Tag best\u00e4tigt nochmal, dass das Pal\u00e4stinensische Volk nicht bereit ist auf sein Land und seine Rechte zu verzichten.<\/p>\n<p>Es wiederholt sich jetzt in Gaza, wo die israelische Armee die Pal\u00e4stinenser aus ihrem Land vertreiben m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Seit 6 Monaten versucht die israelische Armee mit seiner T\u00f6tungsmaschinerie das pal\u00e4stinensischen Volkes in zu brechen.<\/p>\n<p>Der israelische Genozid in Gaza geht unvermindert weiter. Millionen von Menschen droht die Vernichtung durch den israelischen Krieg und die Belagerung. Die menschenverachtende Blockade der Hilfslieferungen durch Israel f\u00fchrt zu akutem Hunger, Krankheiten und katastrophalen Lage.<\/p>\n<p>\u201e<em>Wenn es eine H\u00f6lle auf Erden gibt, dann ist es der n\u00f6rdliche Gazastreifen\u201c<\/em>, dies sagte der Sprecher des Amtes der Vereinten Nationen f\u00fcr die Koordinierung humanit\u00e4rer Angelegenheiten Jens Laerke schon vor Monaten.\u00a0 Seitdem ist es noch viel schlimmer geworden. Systematisch bombardiert die israelische Armee jede lebensnotwendige Infrastruktur in Gaza. Es gibt keine medizinische Versorgung mehr, kein Wasser, keinen Strom, keinen Treibstoff, keine sanit\u00e4ren Anlagen, keine ausreichenden Lebensmittel.<\/p>\n<p>Egal ob Krankenh\u00e4user, Moscheen, Schulen, Kinderg\u00e4rten, Wasserversorgung, Fl\u00fcchtlingslager oder Einrichtungen der Vereinten Nationen, alles wird systematisch mit einem Bombenteppich \u00fcberzogen.<\/p>\n<p>Bis heute sind mindestens 35000 Menschen get\u00f6tet worden, 70% davon sind Kinder und Frauen. 1,9 Millionen Menschen wurden seit dem 7. Oktober aus ihren Wohnungen vertrieben, ihre H\u00e4user sind zerst\u00f6rt, sie wohnen in Zelten.<\/p>\n<p>Die israelische Regierung ist fest entschlossen, die Massaker an der Bev\u00f6lkerung des Gazastreifens ungeachtet aller internationalen Proteste fortzusetzen.<\/p>\n<p>Sie hat aus der Absicht nie einen Hehl gemacht, die pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung nun endg\u00fcltig aus dem Gazastreifen zu vertreiben. Das Knesset-Mitglied Ariel Kallner von der Likud-Partei erkl\u00e4rte schon am 8. Oktober\u00a0 deutlich: \u201eGenau jetzt ist die Zeit f\u00fcr ein Ziel: Nakba. Eine Nakba, die die Nakba von 1948 in den Schatten stellen wird.\u201c Avi Dichter, Mitglied des israelischen Sicherheitskabinetts bekr\u00e4ftigte: <em>\u201eWir f\u00fchren jetzt die Gaza-Nakba durch!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auch im Westjordanland verst\u00e4rkt die israelische Armee ihre T\u00f6tungs- und Vertreibungsstrategie. Seit dem 7. Oktober wurden dort mehr als 450 Menschen get\u00f6tet, vor allem Jugendliche, mehr als 7800 verhaftet. tagt\u00e4glich terrorisieren bewaffnete Siedler die pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung unter dem Schutz der Armee.<\/p>\n<p>An diesen Ostermarschtagen, geht die massive Enteignungen pal\u00e4stinensischen Bodens weiter. Es werden alle m\u00f6glichen Gesetze und Erl\u00e4sse beschlossen, um mehr Land zu vereinnahmen.<\/p>\n<p>Das heutige Gedenken am Tag des Bodens stellt ein wichtiges Ereignis in unserer kollektiven Erz\u00e4hlung dar. Er steht f\u00fcr Millionen von Fl\u00fcchtlingen und Vertriebenen innerhalb wie au\u00dferhalb Pal\u00e4stinas sowie f\u00fcr Zehntausende von Toten und Gefangenen, das Gedenken steht f\u00fcr das uneingel\u00f6ste Recht der Pal\u00e4stinenser auf einen pal\u00e4stinensischen Staat.<\/p>\n<p>Alle Versuche, die pal\u00e4stinensische Geschichte auszul\u00f6schen, zu verf\u00e4lschen und zu vertuschen sind zum Scheitern verurteilt.<\/p>\n<p>Wir widersetzen uns den Behauptungen, dass die Alten sterben und die Jungen die Nakba, die massenhafte Vertreibung von Pal\u00e4stinensern im Jahr 1948 vergessen w\u00fcrden. Jetzt sind die Jungen selbst alt, aber sie und ihre Kinder haben die Nakba immer noch nicht vergessen.<\/p>\n<p>Sie sind diejenigen, die nun gefoltert, get\u00f6tet und verst\u00fcmmelt werden, aber sie geben das Recht auf einen pal\u00e4stinensischen Staat nicht auf.<\/p>\n<p>Das gnadenlose Zerst\u00f6ren und T\u00f6ten in Gaza macht die ganze Trag\u00f6die eines nun 75 Jahre dauernden unausgesprochenen Krieges in Pal\u00e4stina sichtbar. Die israelische Besatzung, die Apartheid und die Vertreibung \u2013 sowie die Komplizenschaft der USA und der meisten europ\u00e4ischen Staaten bei dieser Unterdr\u00fcckung \u2013 sind die Ursachen all dieser Gewalt.<\/p>\n<p>Diese Komplizenschaft setzt sich auch nach der Resolution des UN-Sicherheitsrates vom Montag dieser Woche f\u00fcr einen sofortigen Waffenstillstand in Gaza w\u00e4hrend des Ramadans fort.<\/p>\n<p>Gleich nach Beschluss des Sicherheitsrates erkl\u00e4rte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby: <em>\u201eEs handelt sich um eine nicht bindende Resolution, die keinerlei Auswirkungen auf Israel und dessen F\u00e4higkeit hat, weiterhin gegen die Hamas vorzugehen. Israel ist f\u00fcr uns nach wie vor ein enger Verb\u00fcndeter und ein Freund\u201c<\/em>. Skrupellos treten die USA das V\u00f6lkerrecht mit F\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Auch die deutsche Regierung steht weiterhin uneingeschr\u00e4nkt an der Seite Israels, wie Kanzler Scholz und Au\u00dfenministerin Baerbock betonen. Sie verhindern mit aller Macht einen Aufruf der EU zu einem dauerhaften Waffenstillstand in Gaza. Die deutsche Regierung gibt damit gewissenlos gr\u00fcnes Licht f\u00fcr das Massaker der israelischen Armee. Durch Waffenlieferungen und die Streichung der zugesagten Finanzierung f\u00fcr das UNHilfswerk UNRWA macht sich die Bundesregierung mitschuldig am Verhungern und Verbluten der Menschen in Gaza!<\/p>\n<ul>\n<li>Wir fordern einen sofortigen Stopp der Bombardierungen und einen sofortigen Waffenstillstand.<\/li>\n<li>Die Aufhebung der Blockade des Gazastreifens und ein Ende jeglicher Unterst\u00fctzung des Krieges gegen die Pal\u00e4stinenser!<\/li>\n<li>Deutschland und die EU m\u00fcssen Israel dazu bewegen, das Recht des pal\u00e4stinensischen Volkes auf R\u00fcckkehr in seine Heimat und seine Selbstbestimmung anzuerkennen und die<br \/>\nResolutionen der Vereinten Nationen zu akzeptieren!<\/li>\n<li>Das international verbriefte Recht des pal\u00e4stinensischen Volkes auf einen unabh\u00e4ngigen souver\u00e4nen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt und das Recht auf R\u00fcckkehr der<br \/>\npal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlinge in ihre Heimat muss von der deutschen Regierung anerkannt und unterst\u00fctzt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Erzbischof und Friedensnobelpreistr\u00e4ger Desmond Tutu schrieb 2014 in einem Artikel f\u00fcr die israelische Zeitung Haaretz, und ich m\u00f6chte daraus zitieren:<\/p>\n<p><em>&#8222;Wir sind gegen die Ungerechtigkeit der illegalen Besetzung von Pal\u00e4stina. Wir sind gegen <\/em><em>das willk\u00fcrliche Morden im Gazastreifen. Wir sind gegen die Erniedrigung von <\/em><em>Pal\u00e4stinensern an Kontrollpunkten und Stra\u00dfensperren. Wir sind gegen die von allen <\/em><em>Beteiligten begangenen Gewalttaten. Aber wir sind nicht gegen Juden. (\u2026) Es wird immer <\/em><em>deutlicher, dass Politiker und Diplomaten einfach keine Anworten finden und dass die <\/em><em>Verantwortung, eine nachhaltige L\u00f6sung f\u00fcr die Krise im Heiligen Land zu erarbeiten, bei <\/em><em>der Zivilgesellschaft und den Bewohnern Israels und Pal\u00e4stinas selber liegt.<\/em><\/p>\n<p><em>Abgesehen von der j\u00fcngsten Verw\u00fcstung im Gazastreifen sind anst\u00e4ndige Menschen \u00fcberall <\/em><em>\u2013 darunter auch viele in Israel \u2013 zutiefst verst\u00f6rt von der Tatsache, dass t\u00e4glich die <\/em><em>Menschenw\u00fcrde und die Bewegungsfreiheit der Pal\u00e4stinenser an Kontrollpunkten und <\/em><em>Stra\u00dfensperren verletzt wird.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0(\u2026.) Am Ende setzt sich das Gute durch. Das Streben danach, die Menschen in Pal\u00e4stina <\/em><em>von der Dem\u00fctigung und Verfolgung durch die Politik Israels zu befreien, ist ein gerechtes <\/em><em>Anliegen. (\u2026)<\/em><\/p>\n<p><em>Von Nelson Mandela stammt der ber\u00fchmte Ausspruch, die S\u00fcdafrikaner w\u00fcrden sich nicht <\/em><em>frei f\u00fchlen, bis auch die Pal\u00e4stinenser frei sind. Er h\u00e4tte ebenfalls hinzuf\u00fcgen k\u00f6nnen, dass <\/em><em>die Befreiung Pal\u00e4stinas auch Israel befreien wird.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Frieden ist nicht gegeneinander, sondern nur miteinander m\u00f6glich. Ein Waffenstillstand und ein gerechter Frieden in Nahost sind jetzt geboten. F\u00fcr gleiche Rechte, Frieden und W\u00fcrde f\u00fcr alle Menschen vom Flu\u00df bis zum Meer.<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen zum Unrecht nicht schweigen, damit endlich die Waffen schweigen.<\/p>\n<p>K\u00f6ln, den 30.03.2024<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/koelner-friedensforum.org\/wp-content\/mediathek\/2024\/03\/Palaestinensische-Gemeinde-Koeln-Rede-Ostermarssch-2024.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rede als pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir dokumentieren hier die Rede eines Vertreters der Pal\u00e4stinensischen Gemeinde K\u00f6ln beim Ostermarsch am 30.03.2024 in K\u00f6ln: Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde, das Leid und T\u00f6ten im Nahen Osten muss sofort enden. 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