{"id":18479,"date":"2024-05-27T21:35:34","date_gmt":"2024-05-27T19:35:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=18479"},"modified":"2024-05-27T21:36:13","modified_gmt":"2024-05-27T19:36:13","slug":"karl-hans-blaesius-extreme-risiken-russisches-atomraketen-fruehwarnsystem-durch-drohnen-angriff-getroffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=18479","title":{"rendered":"Karl Hans Bl\u00e4sius: Extreme Risiken &#8211; russisches Atomraketen-Fr\u00fchwarnsystem durch Drohnen-Angriff getroffen"},"content":{"rendered":"<p><em>Wir empfehlen die folgende Analyse von Karl Hans Bl\u00e4sius, 27.5.2024:<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h3>Zusammenfassung<\/h3>\n<p>Die Menschheit wird derzeit von gravierenden Risiken bedroht, insbesondere bezogen auf K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) und Atomwaffen. F\u00fchrende KI-Wissenschaftler haben erneut vor extremen Risiken durch KI gewarnt. Auch Angriffe auf gegnerische Nuklearstreitkr\u00e4fte k\u00f6nnten ein Atomkriegsrisiko erheblich erh\u00f6hen. Es ist \u00e4u\u00dferst fraglich, ob die Verbesserung milit\u00e4rischer St\u00e4rke und nuklearer Abschreckung geeignet ist, diese Risiken zu reduzieren. Stattdessen k\u00f6nnte dieser Weg in einem Atomkrieg enden. Andere Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnten dringend erforderlich sein, um diese Risiken zu reduzieren. Dazu kann jeder Einzelne etwas beitragen. Nachfolgend werden die Risiken und m\u00f6gliche Ma\u00dfnahmen beschrieben.<\/p>\n<h3>Extreme Risiken durch KI<\/h3>\n<p>In einem Artikel bei Science warnen am 20.5.24 f\u00fchrende KI-Wissenschaftlern erneut vor extremen KI-Risiken und dass es zu einem Kontrollverlust kommen k\u00f6nnte. Links zu dem Artikel und der PDF-Datei:<br \/>\n\u2022 https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/science.adn0117<br \/>\n\u2022 https:\/\/www.science.org\/doi\/suppl\/10.1126\/science.adn0117\/suppl_file\/science.adn0117_sm.pdf<\/p>\n<p>Bereits 2023 gab es Warnungen von f\u00fchrenden KI-Wissenschaftlern und Chefs gro\u00dfer KI-Unternehmen, dass KI zum Aussterben der Menschheit f\u00fchren k\u00f6nnte. Solche Warnungen sind auch verbunden mit der Erwartung, dass KI-Systeme schon bald ein menschliches Intelligenzniveau erreichen k\u00f6nnten und dann vielleicht sogar eine Superintelligenz m\u00f6glich sei. Allerdings k\u00f6nnen extreme Risiken durch KI auch bereits lange vorher entstehen. Auf solche Aspekte wird hier hingewiesen: https:\/\/fwes.info\/GenKI-Internet-2024-1.pdf<\/p>\n<p>Bezogen auf die Risiken durch KI kann es auch gef\u00e4hrliche Wechselwirkungen zwischen solchen KI-Systemen und Atomwaffen sowie anderen Massenvernichtungswaffen geben, die sich einer menschlichen Kontrolle m\u00f6glicherweise vollst\u00e4ndig entziehen. In der neuen Warnung bei Science wird auch bem\u00e4ngelt, dass die Warnungen der f\u00fchrenden KI-Wissenschaftler von Politik und Gesellschaft viel zu wenig ernst genommen werden.<\/p>\n<h3>Atomkriegsrisiko<\/h3>\n<p>Am 25.5.24 gab es Meldungen, dass ein russisches Atomraketen-Fr\u00fchwarnsystem durch einen Drohnen-Angriff getroffen wurde. Solche Vorf\u00e4lle in Krisen- oder Kriegszeiten k\u00f6nnen das Atomkriegsrisiko erheblich erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Hinweise auf diesen Vorfall:<br \/>\n\u2022 https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Eskalation-im-Ukraine-Krieg-Russisches-Atomraketen-Fruehwarnsystem-getroffen-9732435.html<br \/>\n\u2022 https:\/\/www.dailyalert.de\/ukrainischer-angriff-auf-russisches-fruehwarnradar-droht-einen-nuklearen-weltkrieg-auszuloesen\/<br \/>\n\u2022 https:\/\/www.kurier.de\/inhalt.krieg-in-der-ukraine-berichte-treffer-auf-russisches-atomraketen-fruehwarnsystem.79bbacd5-8bc1-4483-a1cb-699ea67d9fd6.html.<\/p>\n<p>Hinweise auf diesen Vorfall gab es in unseren \u201eLeitmedien\u201c kaum. Drohungen mit dem Einsatz von Atomwaffen sind genauso unverantwortlich, wie Angriffe auf Komponenten der Nuklearstreitkr\u00e4fte einer Atommacht. Solche Ereignisse k\u00f6nnen leicht zu Missverst\u00e4ndnissen und Fehlinterpretationen und damit zu einem Atomkrieg aus Versehen f\u00fchren.<\/p>\n<h3>Reicht milit\u00e4rische St\u00e4rke zur Risikoreduzierung?<\/h3>\n<p>Die westliche Politik setzt auf milit\u00e4rische St\u00e4rke und eine nukleare Abschreckung. Diese Haltung wird von den meisten Medien unterst\u00fctzt oder sogar gefordert. Als Vorbild gilt vielen der Nato-Doppelbeschluss zu Beginn der 1980er Jahre und die damit verbundene nukleare Aufr\u00fcstung. Dies habe schlie\u00dflich zum INF-Vertrag, nuklearer Abr\u00fcstung und Entspannung gef\u00fchrt. Deshalb k\u00f6nnte es auch jetzt der richtige Weg sein, auf milit\u00e4rische St\u00e4rke, einschlie\u00dflich Atomwaffen zu setzen. Angenommen diese Strategie funktioniert auch jetzt, dann w\u00e4re nichts weiter zu tun und alle Aktivit\u00e4ten der Friedensbewegung w\u00e4ren irrelevant.<br \/>\nWie sicher ist es aber, dass eine solche Strategie auch dieses Mal funktioniert? Was k\u00f6nnte dagegensprechen?<\/p>\n<h3>Risiken der Strategie milit\u00e4rischer St\u00e4rke<\/h3>\n<p>Der Nato-Doppelbeschluss h\u00e4tte auch in den 1980er Jahren schief gehen k\u00f6nnen. Es gab auch in den 1980er Jahren gef\u00e4hrliche Situationen, die zu einem Atomkrieg aus Versehen h\u00e4tten f\u00fchren k\u00f6nnen. Dass eine solche Strategie der milit\u00e4rischen St\u00e4rke gegen eine Atommacht einmal gut ging, bedeutet nicht, dass eine solche Strategie immer funktioniert und immer zu einem positiven Ergebnis f\u00fchrt.<br \/>\nEs ist auch fraglich, wie der weitere geschichtliche Verlauf gewesen w\u00e4re, wenn nicht Gorbatschow in der Sowjetunion an die Macht gekommen w\u00e4re, sondern jemand anders. Es ist nicht sicher, dass es dann zu einem \u00e4hnlichen Ergebnis gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p>In den 1980er Jahren gab es keine direkte Konfrontation zwischen den Atomm\u00e4chten. In den jetzigen Ukraine-Krieg droht die Nato immer st\u00e4rker hereingezogen zu werden. Dies k\u00f6nnte viele Ebenen betreffen, wie z.B. Waffenlieferungen, Ausbildung, direkte Unterst\u00fctzung, Cyberangriffe, Weltraumaktivit\u00e4ten. Damit steigt das Risiko von Zusammenst\u00f6\u00dfen und Konflikten zwischen Atomm\u00e4chten. Folglich sind die nuklearen Risiken gr\u00f6\u00dfer als in den 1980er Jahren.<\/p>\n<p>In den 1980er Jahren waren die Atomm\u00e4chte vorsichtig bei Aktionen, die zu nuklearen Missverst\u00e4ndnissen h\u00e4tten f\u00fchren k\u00f6nnen. Dieses Risikobewusstsein scheint jetzt geringer zu sein. Selbst Komponenten der Nuklearstreitkr\u00e4fte eines Gegners werden angegriffen und zerst\u00f6rt, wie Ende Mai 2024 (siehe oben).<br \/>\nIn den 1980er Jahren spielten Cyberbedrohungen und autonomen Waffensysteme noch keine Rolle. Heute kann es diesbez\u00fcglich gef\u00e4hrliche Wechselwirkungen mit Nuklearstreitkr\u00e4ften geben, die kaum kontrollierbar sind.<\/p>\n<p>Es ist also \u00e4u\u00dferst zweifelhaft, ob auch dieses Mal eine Strategie milit\u00e4rischer St\u00e4rke ausreichend ist. Wenn die Strategie schief geht und es zu einem Atomkrieg kommt, ist das \u00dcberleben der gesamten Menschheit bedroht.<\/p>\n<h3>Pyrrhussieg bei Erfolg der Strategie milit\u00e4rischer St\u00e4rke<\/h3>\n<p>Falls die Strategie milit\u00e4rische St\u00e4rke weiterverfolgt wird und diese sich tats\u00e4chlich als erfolgreich herausstellen sollte, dann wird dies vermutlich lediglich ein Pyrrhussieg sein. Denn der Weg dorthin wird mit einem enormen R\u00fcstungswettlauf verbunden sein. Dieser R\u00fcstungswettlauf wird alle milit\u00e4rischen Dimensionen, auch das Weltall und den Cyberraum betreffen und stark von Informatik und KI gepr\u00e4gt sein. Dabei werden Waffensysteme entstehen, die f\u00fcr Menschen nicht mehr kontrollierbar sein werden, aber verheerende Auswirkungen haben werden. Auch ein Wettlauf um eine Superintelligenz wird ungebremst weiter gehen. Alle gro\u00dfen Industrienationen werden sich hieran beteiligen. Die Folgen werden v\u00f6llig unkalkulierbar sein.<\/p>\n<h3>Grenzen der Abschreckung<\/h3>\n<p>Selbst unter der Annahme, dass die nukleare Abschreckung bisher erfolgreich war und Kriege verhindert hat, gilt nicht, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Nukleare Abschreckung ist lediglich eine Androhung von Strafe, dieses Konzept kann versagen. Die neuen technischen Entwicklungen vor allem im Bereich der Informatik und speziell der K\u00fcnstlichen Intelligenz f\u00fchren zu neuen Bedrohungsarten, gegen die eine nukleare Abschreckung nicht sch\u00fctzen kann. Stattdessen erh\u00f6ht sich das nukleare Eskalationsrisiko.<\/p>\n<p>Solche neuen Bedrohungsarten k\u00f6nnen sein:<br \/>\n\u2022 Gravierende Cyberangriffe, z.B. auf kritische Infrastruktur,<br \/>\n\u2022 Autonome Waffensysteme,<br \/>\n\u2022 Einsatz von Biowaffen, eventuell mit Hilfe von KI erzeugt,<br \/>\n\u2022 Desinformationen, Deep Fakes, St\u00f6rung des Informationsaustausches im Internet,<br \/>\n\u2022 Superintelligenz<\/p>\n<p>Eine nukleare Abschreckung mag sch\u00fctzen gegen einen Angriff durch einen anderen Staat mit konventionellen oder nuklearen Waffen. Aber eine nukleare Abschreckung<br \/>\n\u2022 sch\u00fctzt nicht vor einem Atomkrieg aus Versehen als Folge von Fehlern in einem Fr\u00fchwarnsystem und Missverst\u00e4ndnissen in Krisensituationen,<br \/>\n\u2022 sch\u00fctzt nicht vor schwerwiegenden Cyberangriffen, die auch von privaten Akteuren durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen,<br \/>\n\u2022 sch\u00fctzt nicht vor massenhafter Anwendung von autonomen Waffen, z.B. durch Terroristen,<br \/>\n\u2022 sch\u00fctzt nicht vor Biowaffen, eventuell mit Hilfe von KI erzeugt und von Terroristen eingesetzt,<br \/>\n\u2022 sch\u00fctzt nicht vor Risiken durch Systeme der generativen KI ,<br \/>\n\u2022 sch\u00fctzt nicht vor den Folgen einer Superintelligenz.<\/p>\n<p>Gravierende Folgen der aktuellen technischen Entwicklungen k\u00f6nnen schon relativ bald eintreten, auch eine AGI oder sogar eine Superintelligenz.<br \/>\nGegen diese Risiken k\u00f6nnen keine Atomwaffen sch\u00fctzen. Davor sch\u00fctzen kann nur ein schnelles Ende der aktuellen Kriege und der Aufbau von Vertrauen und Zusammenarbeit mit allen Nationen, auch mit Russland und China.<\/p>\n<h3>Optionen zur Risikoreduzierung<\/h3>\n<p>Aufgrund der erheblichen Risiken, die durch neue technische Entwicklungen auf uns zu kommen k\u00f6nnen, stellt sich die Frage, wie diese reduziert werden k\u00f6nnen. Als M\u00f6glichkeiten Cyberangriffe abzuschrecken, nennen Generalleutnant a.D. Kersten Lahl und Politikwissenschaftler Johannes Varwick vier Optionen:<\/p>\n<p>1. Androhung von Strafe,<br \/>\n2. Sicherheit durch Resilienz<br \/>\n3. internationale Verflechtung<br \/>\n4. internationale Normensetzung<\/p>\n<p>Lahl und Varwick betonen, dass keine dieser vier Optionen alleine f\u00fcr eine bessere Sicherheit reicht, erforderlich sei eine Kombination von mehreren oder allen Optionen. Diese Optionen sind nicht nur als Schutz und Abschreckung von Cyberangriffen relevant, sondern k\u00f6nnen auch f\u00fcr viele der anderen Risiken herangezogen werden.<\/p>\n<p>Zu Option 1 k\u00f6nnen entsprechende Gegenangriffe aber auch Sanktionen z\u00e4hlen. Die nukleare Abschreckung ist ein Kernelement dieser Option und bezieht sich nicht nur auf m\u00f6gliche nukleare Angriffe. Nach Milit\u00e4rstrategien k\u00f6nnten z.B. auch schwerwiegende Cyberangriffe zu einem Einsatz von Atomwaffen f\u00fchren. Eine solche Option alleine wird nicht reichen und kann versagen.<\/p>\n<p>Option 2 beruht darauf die Sicherheit durch technische und organisatorische Vorsorge zu bessern. Das kann in vielen F\u00e4llen sinnvoll sein, wird alleine aber auch nicht reichen. Nicht gegen alle m\u00f6glichen Angriffe im Cyberraum, gegen Angriffe durch Waffensysteme mit zunehmender Autonomie und nukleare Waffen ist ein vollkommener technischer Schutz m\u00f6glich. Bei einem Atomkrieg aus Versehen k\u00f6nnten alleine deshalb mehr Raketen als Vergeltung gestartet werden, weil alle Seiten wissen, dass ein Teil der Raketen abgefangen werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Option 3 ist eine internationale Verflechtung. Dazu schreiben Lahl und Varwick: \u201eDieser Ansatz nutzt die Erkenntnis, dass in einer global vernetzten Welt jede gewaltsame Auseinandersetzung unter dem Strich nur Verlierer hervorbringt. Je st\u00e4rker also die Akteure miteinander wirtschaftlich, technologisch, kulturell und ggf. auch milit\u00e4risch vernetzt sind, desto geringer ist die Chance, durch Aggression einseitige Vorteile erzielen zu k\u00f6nnen. Dieser oft zu Unrecht als naiv empfundene Gedanke l\u00e4uft damit auf eine Art der Selbstabschreckung hinaus.\u201c Die Grenzen dieses Ansatzes sehen Lahl und Varwick darin, dass oft nationale Interessen verfolgt werden und es daher eventuell an der Bereitschaft der betreffenden Akteure zu Vertrauensbildung und gegenseitiger Verflechtung mangelt.<\/p>\n<p>Option 4 ist eine internationale Normensetzung. Internationale Vereinbarungen k\u00f6nnten ein Mittel sein, um einen unkontrollierten R\u00fcstungswettlauf zu d\u00e4mpfen. Es gibt keine Garantie, dass solche Regeln eingehalten werden, trotzdem k\u00f6nnten diese eine abschreckende Wirkung haben und die Risiken reduzieren.<br \/>\nF\u00fcr eine dauerhafte globale Sicherheit k\u00f6nnte Option 3 wichtiger sein als Option 1. Auch wenn die nukleare Abschreckung bisher eine Wirkung erzielt hat, gibt es keine Garantie, dass dies so bleibt. Sie kann mit verheerenden Folgen versagen.<\/p>\n<h3>Notwendigkeit von Zusammenarbeit und Vertrauen<\/h3>\n<p>Die Optionen 1 und 2 sch\u00fctzen nicht vor Risiken in Zusammenhang mit Systemen der generativer KI. Milit\u00e4rische St\u00e4rke und Abschreckung helfen nicht, da diese Risiken nicht in erster Linie von Staaten ausgehen. Schutz bieten k\u00f6nnen nur eine weltweite Zusammenarbeit und Vereinbarungen zwischen allen Nationen. Als Grundlage daf\u00fcr ist ein gewisses Ma\u00df an Vertrauen erforderlich.<br \/>\nDie Globalisierung der Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten hat in die Richtung einer Internationalen Verflechtung gewirkt, also Option 3 unterst\u00fctzt. Nun ist dieser Prozess gebremst oder gestoppt und viele Beziehungen zwischen dem Westen und Russland sind abgebrochen. Beziehungen zu China werden in Frage gestellt. Seit Beginn des Ukraine-Krieges wird immer wieder behauptet, die Strategie \u201eWandel durch Handel\u201c sei gescheitert. \u201eWandel\u201c ist in diesem Zusammenhang ein ung\u00fcnstiger Begriff. Besser w\u00e4re der Begriff \u201eSicherheit\u201c. Statt eine Behauptung aufzustellen \u201eSicherheit durch Handel\u201c sei gescheitert, w\u00e4re eine Unterscheidung von notwendigen und hinreichenden Bedingungen korrekter. Wenn eine Aussage A hinreichend f\u00fcr eine Aussage B ist, dann gilt \u201eaus A folgt B\u201c. Wenn eine Aussage A notwendig f\u00fcr eine Aussage B ist, dann gilt \u201eaus B folgt A\u201c. Die Folgerung gilt hier also genau in der entgegengesetzten Richtung.<\/p>\n<p>Die Strategie \u201eSicherheit durch Handel\u201c war also nicht hinreichend, um den Krieg in der Ukraine zu verhindern. Daf\u00fcr w\u00e4ren noch weitere Ma\u00dfnahmen erforderlich gewesen. Aber eine solche Strategie ist notwendig, um das Risiko weiterer Eskalationen und weiterer milit\u00e4rischer Konflikte zu reduzieren. \u201eSicherheit durch Handel\u201c ist notwendig, um dauerhaft ein gewisses Ma\u00df an globaler Sicherheit und damit eine friedlichere Welt zu erreichen.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine globale Sicherheit und eine friedlichere Welt sind alle vier genannten Optionen relevant. Die Optionen 1 und 2 werden alleine nicht ausreichen. Die Optionen 3 und 4 sind besonders wichtig. Bez\u00fcglich Option 4 w\u00e4ren dringend wirksame Vereinbarungen zwischen allen Nationen erforderlich zum Klimawandel, zur R\u00fcstungskontrolle bei Atomwaffen, zu autonomen Waffen und Cyberwaffen sowie zur Regulierung der KI. Als Voraussetzung hierf\u00fcr m\u00fcssen Vertrauen, Zusammenarbeit und gute Kommunikationskan\u00e4le zwischen allen Nationen, auch heutigen Gegnern, aufgebaut und verbessert werden. Die kommenden Risiken sind nicht alleine auf technischer Ebene l\u00f6sbar.<\/p>\n<p>Je st\u00e4rker potenzielle Gegner wirtschaftlich, technologisch und kulturell miteinander vernetzt sind, je besser damit Vertrauen und Zusammenarbeit sind, desto geringer werden Motivation und Bestrebungen sein, Mittel und Priorit\u00e4ten auf die Entwicklung z.B. von autonomen Waffen zu legen. Die Entwicklung von gef\u00e4hrlichen Waffensystemen kann damit vermutlich nicht ganz verhindert, aber zumindest abgeschw\u00e4cht werden. Bei einem guten Verh\u00e4ltnis zwischen allen Nationen auf verschiedenen Ebenen verschieben sich Priorit\u00e4ten, hin zu sinnvollen KI-Anwendungen, die dem Menschen nutzen. Des Weiteren k\u00f6nnten damit auch die Voraussetzungen geschaffen werden, um wichtige weltweite Vereinbarungen zur R\u00fcstungskontrolle und zur Regulierung der KI zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>F\u00fcr ein gutes Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen Nato-Staaten und Russland sind enge Beziehungen auf verschiedenen Ebenen wichtig, dazu geh\u00f6ren wirtschaftliche, wissenschaftliche, sportliche, kulturelle und auch private Beziehungen. Auch St\u00e4dtepartnerschaften spielen hierbei eine wichtige Rolle. War es wirklich notwendig und sinnvoll, all dies, was seit Jahren und Jahrzehnten aufgebaut wurde, jetzt zu zerst\u00f6ren? Ist es sinnvoll, K\u00fcnstler und Sportler aus Russland von allem auszuschlie\u00dfen, St\u00e4dtepartnerschaften zu beenden? Zum Erreichen einer dauerhaften globalen Sicherheit w\u00e4re es gut, wenn dieser Prozess wieder umgekehrt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Jede Verbesserung von Beziehungen zwischen verschiedenen Nationen ist ein Beitrag zu vertrauensbildenden Ma\u00dfnahmen und damit zum Erhalt oder zum Schaffen von Frieden.<\/p>\n<h3>Was kann ich tun?<\/h3>\n<p>Zur Verbesserung von Beziehungen zwischen verschiedenen Nationen kann jeder Einzelne einen Beitrag leisten. Man kann sich lokal f\u00fcr Partnerschaften mit russischen Regionen oder St\u00e4dten einsetzen oder f\u00fcr mehr kulturellen Austausch. Auch Gespr\u00e4che mit Freunden und Bekannten sowie mit Politikern und Medienvertretern k\u00f6nnen relevant sein. Zu Journalisten von lokalen Zeitungen oder Lokalpolitikern findet man h\u00e4ufig auch Kontaktdaten im Netz, auch Telefonnummern. Man kann diese anrufen, mit ihnen sprechen, diskutieren, Argumente vorbringen und auf aktuelle Risiken hinweisen.<\/p>\n<p>Die bevorstehenden Risiken insbesondere im m\u00f6glichen Zusammenwirken zwischen KI und Massenvernichtungswaffen k\u00f6nnen so gravierend sein, dass sich das Engagement jedes Einzelnen lohnt. Wenn es in einem Fr\u00fchwarnsystem f\u00fcr nukleare Bedrohungen zu einem Fehlalarm kommt, sodass ein nuklearer Angriff gemeldet wird, obwohl kein Angriff vorliegt, kann das \u00dcberleben der gesamten Menschheit von Kleinigkeiten abh\u00e4ngen. F\u00fcr die Einsch\u00e4tzung, ob es sich um einen echten Angriff handelt oder nicht, kann wesentlich sein, wie das Vertrauensverh\u00e4ltnis zu dem Gegner gerade ist und ob man ihm aktuell einen solchen Angriff zutraut. Ma\u00dfnahmen, die zu einer Verbesserung des Verh\u00e4ltnisses zwischen den Nuklearm\u00e4chten f\u00fchren, k\u00f6nnten so einen Atomkrieg aus Versehen verhindern. Dies kann auch f\u00fcr wissenschaftliche, kulturelle und viele andere Aspekte gelten. Das eigene Engagement bez\u00fcglich solcher Aspekte k\u00f6nnte so entscheidend f\u00fcr die Vermeidung eines Atomkriegs und die Bewahrung des Friedens sein, ohne dass man dies jemals erfahren w\u00fcrde. Entsprechendes Engagement lohnt sich also.<\/p>\n<div id=\"attachment_13409\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13409\" class=\"size-full wp-image-13409\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/raketen_kol.jpg\" alt=\"Zwei kleine Menschlein unterhalten sich zwischen einem riesigen Arsenal furchteinfl\u00f6\u00dfender Raketen, die aus ihren Bodensilos herausragen.\" width=\"990\" height=\"691\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/raketen_kol.jpg 990w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/raketen_kol-150x105.jpg 150w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/raketen_kol-768x536.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 990px) 100vw, 990px\" \/><p id=\"caption-attachment-13409\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Und du bist dir sicher, es ist die Umweltpolitik, mit der sich die Menschheit selbst ausl\u00f6scht?!&#8220; Karikatur (4.2.2019): Klaus Stuttmann.<\/p><\/div>\n<hr \/>\n<p><em>Link zu diesem Dokument: https:\/\/www.fwes.info\/extreme-risiken-2024-1.pdf\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Karl Hans Bl\u00e4sius ist Informatiker an der Hochschule Trier. <\/em><\/p>\n<p><em>Aktivist*innen, die wegen Aktionen Zivilen Ungehorsams gegen die Nukleare Teilhabe Deutschlands in Cochem vor Gericht standen, haben mehrfach versucht, seine Expertise den jeweiligen Richtern vortragen zu lassen. Jedoch wollte sich kein Gericht mit den Atomkriegsrisiken befassen. Entsprechende Beweisantr\u00e4ge wurden s\u00e4mtlich abgelehnt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir empfehlen die folgende Analyse von Karl Hans Bl\u00e4sius, 27.5.2024: Zusammenfassung Die Menschheit wird derzeit von gravierenden Risiken bedroht, insbesondere bezogen auf K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) und Atomwaffen. 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