{"id":19575,"date":"2026-02-20T10:08:10","date_gmt":"2026-02-20T09:08:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=19575"},"modified":"2026-02-20T10:08:10","modified_gmt":"2026-02-20T09:08:10","slug":"a-single-day-eindruecke-von-einer-kinopremiere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=19575","title":{"rendered":"A Single Day &#8211; Eindr\u00fccke von einer Kinopremiere"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_19581\" style=\"width: 584px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19581\" class=\"wp-image-19581\" src=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/photo_2026-02-07_21-21-52-1.jpg\" alt=\"Daniel Felder im Gespr\u00e4ch mit Mitgliedern de DFG-VK\" width=\"574\" height=\"322\" srcset=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/photo_2026-02-07_21-21-52-1.jpg 1280w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/photo_2026-02-07_21-21-52-1-200x112.jpg 200w, https:\/\/www.friedenkoeln.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/photo_2026-02-07_21-21-52-1-768x431.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 574px) 100vw, 574px\" \/><p id=\"caption-attachment-19581\" class=\"wp-caption-text\">Daniel Felder beantwortet nach der Premiere Fragen des Publikums. Foto: Herbert Sauerwein<\/p><\/div>\n<h4>Ein kunstvoller, bewegender und in jeder Hinsicht relevanter Film<br \/>\n<em>Eindr\u00fccke von der Kinopremiere am 05.02.2026 im K\u00f6lner Filmhaus<\/em><\/h4>\n<p><em>\u201eEs mag ein Ereignis in deinem Leben geben, bei dem du siehst, dass etwas falsch ist, und du hast die Wahl, ob du etwas dagegen unternimmst oder nicht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>So bringt es im Film <strong>\u201eA Single Day\u201c<\/strong> der Autor Michael Bilton auf den Punkt. F\u00fcr die drei US-amerikanischen Soldaten Hugh Thompson, Glenn Andreotta und Larry Colburn ist dieses Ereignis der 16. M\u00e4rz 1968, als sie sehen, wie ihre eigenen Kameraden wahllos auf unbewaffnete Zivilisten schie\u00dfen: auf Alte und Kinder, Frauen, M\u00e4nner&#8230; \u2013 Innerhalb von 4 Stunden kommen so \u00fcber 500 Menschen zu Tode: Ein Ereignis, das sp\u00e4ter bekannt geworden ist als das <strong>Massaker von My Lai<\/strong> (Vietnam).<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt des Films steht <strong>Larry Colburn<\/strong>, einer der beiden Bordsch\u00fctzen eines amerikanischen Milit\u00e4rhubschraubers, der die Bodentruppen in My Lai begleiten soll. F\u00fcr ihn wie f\u00fcr seine beiden Kameraden ist jetzt der Augenblick, pers\u00f6nlich Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Sie landen und stellen sich zwischen ihre Kameraden und einen Bunker mit Zivilisten. Hugh Thompson, der 24-j\u00e4hrige Pilot, befiehlt Colburn und Andreotta, auf ihre Kameraden zu schie\u00dfen, falls sie auf die Zivilisten feuern. So sch\u00fctzen sie die Zivilisten im Bunker, bis sie ausgeflogen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Christoph Felder<\/strong> begleitet mit seinem Film Larry Colburn auf dessen Reise in die Vergangenheit, unterwegs zu einem Vietnamesen in Deutschland, der wom\u00f6glich der Sohn jener Frau ist, die Colburn damals dort hat sterben sehen, ohne es verhindern zu k\u00f6nnen. Das Bild dieser Frau, ihres Blickes, verfolgt ihn sein Leben lang.<\/p>\n<p>Wir erfahren dabei von den Ereignissen, die dem Massaker vorausgingen und sich ihm anschlossen, von den Aktivit\u00e4ten zur Vertuschung der Kriegsverbrechen, vom Gerichtsverfahren danach, einer einzigen Farce, und von den Versuchen, Colburn und seine Kameraden auszul\u00f6schen und mundtot zu machen.<\/p>\n<p>\u201eDer Film hat mich sehr ber\u00fchrt \u2013 ich k\u00f6nnte ihn sofort noch einmal sehen.\u201c sagt eine Zuschauerin im Gespr\u00e4ch, das sich an die Vorf\u00fchrung anschlie\u00dft. Mir geht es nicht anders: Die Bilder, die Berichte, die Informationen, die Dokumentationen \u2013 das alles ist so hoch verdichtet, dass man nicht alles auf einmal aufnehmen kann. Dies wird auch deutlich in den Fragen der Zuschauer*innen im anschlie\u00dfenden Filmgespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Und dennoch ergibt der Film die schl\u00fcssige Darstellung eines Geschehen, das man eigentlich nicht angemessen erz\u00e4hlen und nachzeichnen kann: Junge M\u00e4nner, die im Vietnamkrieg traumatisierende Erfahrungen machen und dennoch in der Situation Zugang zu ihren eigenen Gef\u00fchlen finden. Sie beschlie\u00dfen, menschlich zu handeln.<\/p>\n<p>Wie sehr das Erlebnis dieses einzigen Tages das ganze Leben \u00fcberlagern kann, wird deutlich in sich \u00fcberlagernden Bildern. Im Vordergrund beispielsweise Gespr\u00e4che mit Larry Colburn und anderen Zeitzeugen, und dabei im Hintergrund immer wieder Bilder aus der Zeit des Vietnamkrieges: Das traumatische Geschehen l\u00e4sst sich nicht aufl\u00f6sen, es bleibt pr\u00e4sent und begleitet die Traumatisierten, alle Menschen, die an einem Krieg oder einem anderen Gewaltverbrechen teilnehmen, ihr Leben lang, egal, welche Entscheidung sie in der Situation getroffen haben. Und es setzt sich fort in die n\u00e4chste Generation hinein, wie es Connor Colburn, Larrys Sohn, lebhaft bezeugt, denn es sind die Erlebnisse seines Vaters, die in ihm den tiefsten Widerwillen gegen den Krieg geweckt haben. Seine Botschaft lautet entsprechend:<\/p>\n<p><em>\u201eGeht nicht in diese Kriege, um f\u00fcr diese reichen Politiker zu k\u00e4mpfen, die niemals ihre eigenen Kinder an die Front schicken w\u00fcrden, weil es ihnen schei\u00dfegal ist, was mit euch passiert.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Stephan Schmitz, Mitglied der DFG-VK K\u00f6ln<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein kunstvoller, bewegender und in jeder Hinsicht relevanter Film Eindr\u00fccke von der Kinopremiere am 05.02.2026 im K\u00f6lner Filmhaus \u201eEs mag ein Ereignis in deinem Leben geben, bei dem du siehst, dass etwas falsch ist,&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":109,"featured_media":19532,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[107],"tags":[85],"class_list":["post-19575","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kommentar","tag-kriegsverbrechen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19575","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/109"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19575"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19575\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19584,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19575\/revisions\/19584"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/19532"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19575"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19575"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19575"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}