{"id":19830,"date":"2026-10-21T14:27:56","date_gmt":"2026-10-21T12:27:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=19830"},"modified":"2026-10-21T14:27:56","modified_gmt":"2026-10-21T12:27:56","slug":"brief-der-friedensaktivistin-und-publizistin-dr-sumaya-farhat-naser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=19830","title":{"rendered":"Brief der Friedensaktivistin und Publizistin Dr. Sumaya Farhat Naser"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\">Im Folgenden ver\u00f6ffentlichen wir einen Brief der pal\u00e4stinensischen Friedensaktivistin und Publizistin Dr. Sumaya Farhat Naser, mit ihrer freundlichen Erlaubnis:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"justify\"><span lang=\"de-CH\"><b>Birzeit, 2.10.2026<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-CH\">Liebe Freunde,<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-CH\">ich schreibe wieder, ich muss schreiben, denn es ist noch schwerer und aussichtsloser geworden in unserem Land. Was geschieht \u00fcbersteigt unseren Verstand. Wir leben in st\u00e4ndiger Angst und die Lage wird mehr und mehr aussichtslos. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-CH\">Seit einem Jahr ist offiziell Waffenstillstand in Gaza vereinbart. Doch israelische Dronen, Hubschreiber und Panzer t\u00f6ten t\u00e4glich Menschen in Gaza. In diesem Jahr mehr sind mehr als 1800 Menschen in Gaza get\u00f6tet worden und viel mehr hunderte verletzt worden. Kein einziger Israelischer Soldat wurde in dieser Zeit get\u00f6tet. Ein internationales Friedensrat, Netanjahu dazu geh\u00f6rend aber keinen einzigen Arabischen Menschen, ist von Herrn Trump ernannt worden f\u00fcr Regieren und Aufsicht von Gaza. Dazu geh\u00f6rt eine internationale Milit\u00e4rtruppe f\u00fcr Sicherheit. Ein Gremium von 15 Gaza-Pal\u00e4stinenser wurde zusammengestellt hochqualifiziert in Finanz, Wirtschaft , Verwaltung, Gesundheits-und Bildungsangelegenheiten. Hauptaufgabe ist der Wiederaufbau und Sicherung des normalen Lebens. So viele Monate sind vergangen und Israel erlaubt es nicht, dass dieser Verwaltungsrat f\u00fcr Wiederaufbau in den Gaza Streifen einreist oder seine Aufgaben beginnt. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span lang=\"de-CH\">Israelische Milit\u00e4r h\u00e4tte sich aus dem gr\u00f6ssten Teil des Gaza-Streifens zur\u00fcckziehen sollen, doch Milit\u00e4r hat noch mehr Gebiete vom Gaza-Streifen besetzt sodass fast 70% des Streifens nun unter israelische Besatzung steht. In diesem \u00f6stlichen L\u00e4ngsstreifen sind \u00fcber 90%der H\u00e4user zerst\u00f6rt worden und alle Bev\u00f6lkerung ist vertrieben worden zum westlichen Teil des Streifens, wo nun \u00fcber zwei Millionen Menschen auf ein Drittel des \u00fcberbev\u00f6lkerten Teils des Streifens leben m\u00fcssen. Es gibt noch mehr Zerst\u00f6rungen anstelle von Wiederaufbau. Hungersnot ist sehr gross, Ausbleiben von medizinischer Versorgung ist ein gewaltiges Problem. Gesamte Infrastruktur f\u00fcr Strassen-, wasser- und Kanalisationssysteme sind zerst\u00f6rt worden. Es ist ein systematisches Treiben in den Tod, oder gezielte Vertreibung ins Ausland. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">Ja, die Situation in Pal\u00e4stina ist be\u00e4ngstigend. In unserer Region herrscht weiterhin Krieg. Unser Volk wird durch die Zerst\u00f6rung seiner Existenzgrundlagen und durch den Raub von Grund und Boden zersplittert. Die Missachtung von Gerechtigkeit f\u00fchrt zu einem R\u00fcckfall in unmoralische Strukturen und versch\u00e4rft die Gewaltspirale. Menschenrechtsverletzungen werden international weitgehend ohne angemessene Reaktion hingenommen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Auch in der Westbank werden H\u00e4user und Infrastruktur zerst\u00f6rt, Vertreibung und Landraub sind allt\u00e4glich geworden. Israel kontrolliert bereits rund 83 Prozent des Landes (Area B und C). Die Regierung betreibt eine schleichende Annexionspolitik. Ein neues Gesetz erm\u00f6glicht es, Land in der Westbank als israelisches Staatseigentum registrieren zu lassen und damit zu annektieren.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Westbank wird zunehmend fragmentiert. Mehr als 920 Checkpoints und Stra\u00dfensperren machen das Leben durch massive Bewegungseinschr\u00e4nkungen und Kontrollen zur Qual. T\u00e4gliche Angst um die Sicherheit der Kinder, versperrte Schulwege, Isolation und Unsicherheit pr\u00e4gen den Alltag vieler Familien.<\/p>\n<p align=\"justify\">Von Vertreibungen besonders hart betroffen sind Nomaden, Hirten und Beduinen. In den traditionell von ihnen bewirtschafteten Gebieten zwischen W\u00fcste und fruchtbarem Land werden Z\u00e4une errichtet und Weidefl\u00e4chen besetzt. Insgesamt wurden in den letzten 16 Monaten fast 40.000 Menschen in der Westbank vertrieben, die meisten infolge von Milit\u00e4reins\u00e4tzen in den Fl\u00fcchtlingslagern von Jenin und Tulkarm.<\/p>\n<p align=\"justify\">In der Westbank entsteht eine Rekordzahl neuer Siedlungen sowie zahlreicher Au\u00dfenposten auf geraubtem Land. Die derzeitige israelische Regierung hat in den letzten drei Jahren 69 Siedlungen genehmigt. Seit 2023 ist die Gewalt durch Siedler stark angestiegen. Sie wird zunehmend von organisierten, paramilit\u00e4rischen Gruppen ausge\u00fcbt, bekannt als die \u201eJugend der H\u00fcgel\u201c. Schwer bewaffnet zerst\u00f6ren sie H\u00e4user, verbrennen Felder, entwurzeln B\u00e4ume und vertreiben die Bev\u00f6lkerung \u2013 meist unter Schutz des Milit\u00e4rs. Bauern werden gezielt angegriffen und bedroht, um sie von der Bewirtschaftung ihres Landes abzuhalten. Tiere werden vertrieben oder geraubt. Selbst das Pfl\u00fcgen des eigenen Landes ist lebensgef\u00e4hrlich geworden. Zurzeit ist Olivenerntezeit. Die bewaffneten hunderten von Siedler verteilen sich auf alle D\u00f6rfer und verbieten die Bauern zu ihren Feldern zu gehen. Sie d\u00fcrfen die Olivenfr\u00fcchte nicht ernten. Sie schie\u00dfen auf die Bauern, streuen Pfeffergas in die Augen, ja sie schlagen und t\u00f6ten die Bauern. Gestern war ein Mann 19 Jahre alt, in Deir abu Mishaal, von meinem Dorf 12 km entfernt erschossen, in Jabroud sind f\u00fcnf M\u00e4nner von den Siedlern mit Eisenst\u00f6cke geschlagen und mussten zum Krankenhaus, in Taybeh sind in dieser Woche, die mehr als 300 Olivenb\u00e4ume abgehackt und in Deir Jrier sind zwei H\u00e4user in Brand gesetzt. Das alles geschieht unter Schutz der Milit\u00e4r. Vor gestern ist Rechtsanwalt Ala Takrouri in Nablos von Siedlern gehalten worden, geschlagen, sein Geld genommen, ihn gefesselt, Kreditkarte genommen, ihn gezwungen das Passwort zu nennen und haben mehrere tausend Schekel abgezogen. Danach gaben sie ihn an die Soldaten und wird nun vor Gericht gehen, es habe die bewaffneten Siedler geschlagen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Nach der Verhaftung setzt sich die Gewalt in israelischen Gefangenenlagern und Gef\u00e4ngnissen fort. Mehr als 9.100 Pal\u00e4stinenser sind inhaftiert, viele von ihnen ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Administrativhaft. Die Gefangenen leiden unter unmenschlichen Bedingungen. Folter, Aushungern und auch sexuelle Gewalt zeigen, wie sehr die Menschenw\u00fcrde hier ausgeh\u00f6hlt wird. Mindestens 102 Pal\u00e4stinenser starben in der Haft. Die meisten Leichname werden nicht \u00fcbergeben. Insgesamt h\u00e4lt Israel die sterblichen \u00dcberreste von etwa 700 Pal\u00e4stinensern zur\u00fcck; die Angeh\u00f6rigen warten verzweifelt auf eine w\u00fcrdige Beisetzung.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die wirtschaftliche Lage versch\u00e4rft das Leid zus\u00e4tzlich. \u00dcber 160.000 Pal\u00e4stinenser hatten eine Arbeitsgenehmigung f\u00fcr Israel; fast alle haben ihre Arbeit verloren, weil sie die Grenze nicht mehr passieren d\u00fcrfen. Viele Familien verarmen, manche hungern. Israel h\u00e4lt Einnahmen aus Z\u00f6llen und Steuern, die es f\u00fcr die Autonomiebeh\u00f6rde erhebt, zur\u00fcck. Dadurch k\u00f6nnen die Geh\u00e4lter im \u00f6ffentlichen Dienst nicht vollst\u00e4ndig ausgezahlt werden. Beamte arbeiten nur noch an drei Tagen pro Woche, Schulen und Beh\u00f6rden sind stark eingeschr\u00e4nkt. Diese gezielte wirtschaftliche Schw\u00e4chung f\u00fchrt zu Not, Armut und sozialem Zerfall. Viele Familien werden zur Abwanderung gedr\u00e4ngt \u2013 eine subtile Form der Vertreibung.<\/p>\n<p align=\"justify\">Meine Arbeit mit Jugendlichen in Schulen und mit Frauengruppen geht trotz Stra\u00dfensperren und Gefahren weiter. Wir st\u00e4rken uns gegenseitig, achten auf unsere psychische Gesundheit und bef\u00e4higen uns, f\u00fcreinander da zu sein. Wir fragen, wie wir mit Kindern \u00fcber Krieg sprechen k\u00f6nnen und wie wir mit Traurigkeit, Wut und Angst umgehen. Wir richten den Blick auf Natur sowie kulturelle und soziale Aktivit\u00e4ten. Wir bleiben im Glauben verwurzelt, aktiv und hoffnungsvoll.<\/p>\n<p align=\"justify\">Niemals kann Krieg Probleme l\u00f6sen oder Sicherheit und Frieden bringen. Niemals kann man mit Gewalt Frieden schaffen. Wir lassen uns nicht beirren. Wir glauben an bessere Zeiten. Diese \u00dcberzeugung pr\u00e4gt unsere Friedens<span style=\"font-family: Cambria Math, serif;\">\u2011<\/span> und Bildungsarbeit mit Jugendlichen und Frauen. Wir machen uns gegenseitig Mut und bleiben aktiv \u2013 denn nur so k\u00f6nnen wir \u00fcberleben und Ver\u00e4nderung bewirken.<\/p>\n<p align=\"justify\">Hoffnung ist die Kraft, die uns bef\u00e4higt, an eine bessere Zukunft zu glauben und f\u00fcr sie zu arbeiten. Sie l\u00e4sst uns menschlich sein \u2013 und bleiben.<\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Sumaya Farhat-Naser<\/b><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"color: #0563c1;\"><u><a href=\"mailto:sumaya@mac.com\"><b>sumaya@mac.com<\/b><\/a><\/u><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Ende Oktober bis Anfang Dezember mache ich eine Vortragsreise in BRD,Schweiz und \u00d6sterreich.<\/b><\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Bei <\/b><span style=\"color: #0563c1;\"><u><a href=\"http:\/\/www.Lenos.ch\/\"><b>www.Lenos.ch<\/b><\/a><\/u><\/span><b> und bei Berliner Mssionswerk Home Page k\u00f6nnen Sie das Programm sehen. <\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Folgenden ver\u00f6ffentlichen wir einen Brief der pal\u00e4stinensischen Friedensaktivistin und Publizistin Dr. Sumaya Farhat Naser, mit ihrer freundlichen Erlaubnis: Birzeit, 2.10.2026 Liebe Freunde, ich schreibe wieder, ich muss schreiben, denn es ist noch schwerer&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":111,"featured_media":19832,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[105],"tags":[],"class_list":["post-19830","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bericht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19830","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/111"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19830"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19830\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19833,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19830\/revisions\/19833"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/19832"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19830"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19830"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19830"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}