{"id":8633,"date":"2015-08-11T23:40:32","date_gmt":"2015-08-11T21:40:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=8633"},"modified":"2015-08-11T23:56:03","modified_gmt":"2015-08-11T21:56:03","slug":"rede-von-joachim-schramm-zum-70-jahrestag-des-atombombenabwurfs-auf-hiroshima","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=8633","title":{"rendered":"Rede von Joachim Schramm zum 70. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima."},"content":{"rendered":"<p><em>K\u00f6ln, Aachener Weiher, 5. 8. 2015<\/em><br \/>\n<em>Joachim Schramm<\/em>, Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der DFG-VK NRW<br \/>\nDer ehemalige K\u00f6lner Oberb\u00fcrgermeister Konrad Adenauer sprach in den 50er Jahren &#8211; er war inzwischen Bundeskanzler &#8211; davon, die Atomwaffe sei doch nur eine Weiterentwicklung der Artillerie. Dies ist eines der herausragenden Beispiel daf\u00fcr, wie die schreckliche Wirkung der Atomwaffen bis heute verharmlost wird, um so ihre Existenz zu rechtfertigen. Doch die Atombombe ist keine Waffe wie jede andere. Mit dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima und Nagasaki ist die Menschheit in eine Phase eingetreten, in der sie sich selbst vernichten kann.<br \/>\nViele von uns kennen die Zahlen, kennen die Fakten. Doch es ist notwendig, sie immer erneut ins Ged\u00e4chtnis zu rufen. Als am 6. August 1945 um 8:15 Uhr die Bombe \u00fcber Hiroshima gez\u00fcndet wurde, waren im Umkreis von einem halben Kilometer 90% aller Menschen sofort tot. F\u00fcr kurze Zeit herrschten dort Temperaturen von bis zu 5000 Grad Celsius, alles verdampfte, auch die Menschen, von denen nur noch ein Schatten auf Stein \u00fcbrig blieb. Eine enorme Druckwelle verw\u00fcstete die Stadt, Feuerst\u00fcrme wurden entfacht. Am ersten Tag starben in Hiroshima mindestens 45.000 Menschen. Die Opferzahlen sind bis heute umstritten, denn erst ab 1950 wurde ein Opferregister eingef\u00fchrt. Man sch\u00e4tzt die Zahl der<br \/>\nMenschen in Hiroshima und Nagasaki, die in den ersten Monaten nach den Abw\u00fcrfen starben, auf mindestes 200.000. Es gibt aber auch deutlich h\u00f6here Sch\u00e4tzungen. Und die Opfer der Bombe starben noch Jahrzehnte danach, an Krebs und anderen, durch die radioaktive Strahlung ausgel\u00f6sten Krankheiten.<br \/>\nDie USA rechtfertigen sich bis heute damit f\u00fcr die Bombenabw\u00fcrfe, dass damit der Krieg im Pazifik rascher beendet wurde und so weitere Opfer vermieden wurden. Doch die historischen Umst\u00e4nde legen den Verdacht nahe, dass die Opfer von Hiroshima und Nagasaki die ersten Opfer des Kalten Krieges waren. Die Sowjetunion stand kurz vor dem Eintritt in den Krieg gegen Japan und vieles weist darauf hin, dass die USA dies verhindern wollten, um m\u00f6gliche Gebietsanspr\u00fcche der Sowjetunion gegen Japan zu verhindern. Aber auch als Drohgeb\u00e4rde gegen\u00fcber der Sowjetunion werden die Bombenabw\u00fcrfe heute gewertet.<br \/>\nNach Ende des Kalten Krieges atmeten viele Menschen auf und hielten den Schrecken der atomaren Hochr\u00fcstung in Ost und West f\u00fcr beendet. Bis heute h\u00e4lt sich auch in bestimmten Kreisen die Behauptung, die Atomwaffe h\u00e4tte durch die gegenseitige Abschreckung den Frieden gesichert. Doch die \u00d6ffnung der Milit\u00e4rarchive in den letzten Jahren hat das Ausma\u00df der Fehleinsch\u00e4tzungen verschiedener Situationen und der Fehlalarme ans Tageslicht gebracht, die die Menschheit mehrfach an den Rand des atomaren Untergangs gef\u00fchrt hatten.<br \/>\nZuletzt l\u00f6ste 1995 eine norwegische Forschungsrakete in Russland irrt\u00fcmlich Atomalarm aus. 1983 hielten sowjetische Milit\u00e4rs ein NATO-Man\u00f6ver f\u00fcr die Vorbereitung zum Atomschlag und standen kurz vor der Ausl\u00f6sung eines Angriffs. Die Zahl der Unf\u00e4lle von Atomwaffentr\u00e4gern ist ebenfalls erschreckend: Allein die USA haben 32 Atomsprengk\u00f6pfe bei Unf\u00e4llen verloren, einige liegen noch heute auf dem Meeresgrund oder im arktischen Eis.<br \/>\nAtomwaffen haben nie Sicherheit gebracht, sie sind bis heute die Quelle st\u00e4ndiger Bedrohung der Menschheit. Sie geh\u00f6ren abgeschafft!<\/p>\n<p>Da die Zahl der Atomwaffen nach Ende des Kalten Kriegs auf ein Viertel reduziert wurde und die direkte Konfrontation zwischen den beiden atomaren Hauptm\u00e4chten UdSSR und USA nicht mehr zu bestehen schien, haben viele Menschen die Gefahr durch die Bombe aus den Augen verloren. Doch in den letzten Monaten ist durch den Ukraine-Konflikt auch die Atomwaffe wieder mehr in den Fokus der \u00d6ffentlichkeit ger\u00fcckt. Denn auf beiden Seiten dieses Stellvertreterkonflikts, in Russland und in der NATO, wird mit dem Einsatz vonAtomwaffen gedroht. In diesen Wochen berichtete die NY-Times von einem Man\u00f6ver-Einsatz des US- Atomwaffen-Bombers B-52 \u00fcber Litauen. Und wenn wir die Situation w\u00e4hrend des Kalten Krieges als brandgef\u00e4hrlich ansahen, dann ist es die derzeitige Situation in noch h\u00f6herem Ma\u00dfe: Im Kalten Krieg bestand ein ausgearbeitet System von Sicherheitsmechanismen und Kommunikationskan\u00e4len zwischen Ost und West, die einen Krieg aus Zufall verhindern sollten. Diese Kommunikationswege gibt es heute nicht mehr, sp\u00e4testens seit Beginn der Ukraine-Krise sind sie gekappt worden.<br \/>\nDie Ukraine-Krise lenkt das Augenmerk auf die Konfrontation zwischen den beiden Haupt-Atomm\u00e4chten. Doch auch der Besitz von Atomwaffen in den H\u00e4nden der beiden verfeindeten Staaten Indien und Pakistan, die Atomwaffen Israels in einer der Hauptkonfliktzonen der Welt oder die Atomwaffen in Nordkorea bieten Anlass zur Sorge und zur Best\u00e4tigung der Forderungen, dass wir die Atomwaffen abschaffen m\u00fcssen. Mit dem Atomwaffensperrvertrag von 1970 sollte die Zahl der Atomm\u00e4chte auf f\u00fcnf begrenzt werden und diese f\u00fcnf sich verpflichten, ihre Waffen abzur\u00fcsten. Diese Begrenzung hat nicht funktioniert und die atomare Abr\u00fcstung l\u00e4sst bis heute auf sich warten. Daher haben mehrere Staaten seit 2010 an einer &#8222;Humanit\u00e4ren initiative zur Abschaffung der Atomwaffen&#8220; gearbeitet. Sie wollen die erstarrten Fronten innerhalb des Sperrvertrages \u00fcberwinden, in denen vor allem die jeweiligen Sicherheitsbedenken der Atomstaaten im Vordergrund steht. Stattdessen wollen sie auf die schrecklichen humanit\u00e4ren Folgen eines Atomwaffeneinsatzes abheben und daher das weltweite Verbot der Atomwaffen vereinbaren, so wie es z.B. bei den Landminen der Fall ist. In diesem Jahr hat \u00d6sterreich sich an die Spitze dieser Initiative gestellt und sich verpflichtet,<br \/>\ndieses Verbot der Atomwaffen juristisch anzugehen. \u00dcber 100 Staaten haben sich bereits dieser Selbstverpflichtung angeschlossen. Wir fordern hier aus Anlas des 70 Jahrestages des Atombombenabwurf auf Hiroshima unsere Bundesregierung auf, sich dieser \u00f6sterreichischen Initiative anzuschlie\u00dfen und aktiv auf das Verbot der Atomwaffen hinzuarbeiten!<br \/>\nDoch noch nimmt unsere Regierung leider eine andere Position ein. Und dies betrifft besonders auch uns hier in NRW. In B\u00fcchel in der Eifel, nur wenige zig Kilometer jenseits der Landesgrenze, sind 20 Atombomben der USA auf einem Bundeswehr-Luftwaffenst\u00fctzpunkt stationiert, die von deutschen Tornado-Piloten ins Ziel getragen werden sollen. In Kleine Brogel in Belgien und in Volkel in den Niederlanden sind ebenfalls jeweils 20 dieser Bomben stationiert. Zusammen haben sie eine Sprengkraft von bis zu 1000 Hiroshima-Bomben. Seit mehreren Jahren arbeiten die USA an der Modernisierung dieser Waffen. Und mit dem Ukraine-Konflikt, in dessen Zusammenhang vom Einsatz solcher taktischen Atomwaffen gesprochen wird, bekommt dieses Drohpotential entlang unserer Landesgrenzen eine hochbrisante Bedeutung. Wir sagen: es ist genug, wir wollen diese Waffen weghaben!<br \/>\nSeit Jahren protestiert die Friedensbewegung immer wieder in B\u00fcchel, so wie wir es am Ende unserer Fahrradtour am Sonntag auch tun werden. Und 2010 hat der Bundestag einstimmig die Bundesregierung aufgefordert, sich f\u00fcr einen Abzug dieser US-Waffen stark zu machen. Doch ganz im Gegenteil hat die Bundesregierung 2013 auf der NATO-Tagung in Chicago dieser Modernisierung zugestimmt. Das nenne ich einen Skandal!<br \/>\nAus Anlass des 70. Jahrestages der Bombenabw\u00fcrfe auf Hiroshima und Nagasaki fordern Friedensaktivisten aus der ganzen Bundesrepublik in einem offenen Brief an Kanzlerin Merkel, sich f\u00fcr eine Unterst\u00fctzung der \u00f6sterreichischen Verbotsinitiative einzusetzen und sich innerhalb de NATO gegen die Modernisierung der Atomwaffen stark zu machen sowie den Abzug der Bomben aus B\u00fcchel einzufordern. Wir werden keine Ruhe geben und weiterhin gegen die schreckliche Bedrohung durch die Atomwaffen angehen. Dabei wissen wir Millionen Menschen in aller Welt an unserer Seite, die wie wir in diesen Tagen rund um die Hiroshima und Nagasaki &#8211;\u00a0 Jahrstage fordern:<\/p>\n<p>Atomwaffen abschaffen &#8211; jetzt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6ln, Aachener Weiher, 5. 8. 2015 Joachim Schramm, Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der DFG-VK NRW Der ehemalige K\u00f6lner Oberb\u00fcrgermeister Konrad Adenauer sprach in den 50er Jahren &#8211; er war inzwischen Bundeskanzler &#8211; davon, die Atomwaffe sei doch&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":110,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[33],"class_list":["post-8633","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktionen","tag-atomwaffen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8633","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/110"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8633"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8633\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8639,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8633\/revisions\/8639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8633"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8633"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8633"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}