{"id":9072,"date":"2016-01-22T07:42:20","date_gmt":"2016-01-22T05:42:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=9072"},"modified":"2016-01-22T07:42:20","modified_gmt":"2016-01-22T05:42:20","slug":"trauer-um-andreas-buro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=9072","title":{"rendered":"Trauer um Andreas Buro"},"content":{"rendered":"<p><em>Prof. Dr. Andreas Buro, Friedensforscher und jahrzehntelanger Vordenker der deutschen Friedensbewegung, ist am Dienstag, dem 19.1.2016, im Alter von 87 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit in seinem Haus in Gr\u00e4venwiesbach im Taunus im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen und verstorben.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.grundrechtekomitee.de\/node\/735\">http:\/\/www.grundrechtekomitee.de\/node\/735<\/a><\/p>\n<p>Andreas Buro ist am 19. Januar 2016 im Alter von 87 Jahren an einem schweren Krebsleiden verstorben. Seine<br \/>\nFreundinnen und Freunde aus dem Grundrechtekomitee und der Friedensbewegung trauern um einen<br \/>\neinzigartigen Menschen. Unsere Gedanken und unser Mitgef\u00fchl sind bei seiner Familie, seinen Liebsten und<br \/>\nVertrauten.<br \/>\nAndreas Buro, geboren 1928 in Berlin, war 1980 Mitbegr\u00fcnder des Grundrechtekomitees. Bis 1994 war er<br \/>\ndessen Sprecher und zusammen mit Klaus Vack als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Vorstand aktiv. Seit 1994 bis zu seinem<br \/>\nTode wirkte er f\u00fcr das Grundrechtekomitee als friedenspolitischer Sprecher. Auf ungez\u00e4hlten Kundgebungen,<br \/>\nDemonstrationen, Tagungen und Kongressen sprach er engagiert \u00fcber seine Friedensutopien, die er realpolitisch<br \/>\nzu fundieren verstand. Der Friedensforscher, Friedensaktivist und Mitbegr\u00fcnder der Osterm\u00e4rsche war seit Ende<br \/>\nder 1950er Jahre friedenspolitisch engagiert, zuerst in der \u201eInternationale der Kriegsdienstgegner\u201c und bei<br \/>\n\u201eKampf dem Atomtod\u201c. 1965-1969 war er Sprecher des Zentralen Ostermarschausschusses. Seitdem wirkte er<br \/>\nzugleich in vielen internationalen friedenspolitischen Zusammenh\u00e4ngen.<br \/>\nF\u00fcr das Grundrechtekomitee arbeitete er in den 1980er Jahren im Koordinierungsausschuss der<br \/>\nFriedensbewegung mit, der die Gro\u00dfdemonstrationen in Bonn Anfang der 1980er Jahre gegen den<br \/>\n\u201eNachr\u00fcstungsbeschluss\u201c der NATO organisiert hatte. In den 1990er und 2000er Jahren wendete er sich immer<br \/>\nwieder gegen die neuen Interventionskriege der NATO, an denen sich die Bundesrepublik seit dem Krieg gegen<br \/>\nJugoslawien beteiligt. Den Propagandisten der sogenannten humanit\u00e4ren Intervention setzte er die Argumente der<br \/>\nzivilen Konfliktbearbeitung entgegen und entlarvte die kriegsverniedlichenden Verschleierungen, die die<br \/>\nRegierung dem neuen milit\u00e4rischen Interventionismus umzuh\u00e4ngen versucht.<br \/>\nSein Verm\u00e4chtnis lautet auch aktuell: \u201eTerror kann man nicht mit Krieg bek\u00e4mpfen. Krieg ist Terror.\u201c 2008<br \/>\nwurde ihm der Aachener Friedenspreis verliehen. 2013 erhielt er den G\u00f6ttinger Friedenspreis. 2011<br \/>\nver\u00f6ffentlichte Andreas Buro seine Autobiographie \u201eGewaltlos gegen Krieg. Lebenserinnerungen eines<br \/>\nstreitbaren Pazifisten\u201c. In Memoriam zitieren wir einen Auszug aus seinem Gedicht am Ende dieses Buches (S.<br \/>\n318):<br \/>\nEines Tages werden<br \/>\nStimme und Wort<br \/>\nmeine H\u00f6rer nicht mehr erreichen.<br \/>\nWie sollen dann meine Friedensgedanken<br \/>\nnoch wirken?<br \/>\nWird Fr\u00fchling sich immer wieder<br \/>\nstrahlend er\u00f6ffnen,<br \/>\nwenn ich nicht mehr bin,<br \/>\noder hat Apokalypse<br \/>\ndie Bl\u00fctentr\u00e4ume zertreten?<br \/>\nEinmal ist es das letzte Mal.<br \/>\nWas bohrt dieser Satz<br \/>\nso tief in mir?<br \/>\n(Zum Lebenslauf vgl. anh\u00e4ngende \u201eKurzbiographie Andreas Buro\u201c und Wikipedia:<br \/>\nhttps:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andreas_Buro)<br \/>\nEin bedeutender Schwerpunkt seiner Friedensarbeit lag in den letzten Jahren in der Erforschung und<br \/>\nBeschreibung von zivilen Strategien zur Pr\u00e4vention und Deeskalation von Konflikten. In der Dossier-Reihe des<br \/>\n\u201eMonitoring-Projektes\u201c hat Andreas Buro alternative politische Konfliktl\u00f6sungen ausgearbeitet, u.a. zum<br \/>\nAfghanistan-Krieg, zum Iran-Konflikt, zum t\u00fcrkisch-kurdischen und zum Israel-Pal\u00e4stina-Konflikt, und zuletzt<br \/>\nauch zum Krieg in Syrien und den Anforderungen an eine umfassende Friedensl\u00f6sung in Nah-Mittel-Ost.<br \/>\nMit diesem Arbeitsschwerpunkt blieb Andreas Buro seiner seit Jahrzehnten in Friedensforschung und<br \/>\nFriedensbewegung verfolgten Linie treu, die Analyse und Kritik der herrschenden Gewalt- und Kriegszust\u00e4nde<br \/>\nmit dem Aufzeigen von gewaltfreien zivilen Alternativen zu verbinden. Das r\u00fchrt aus seiner \u00dcberzeugung, dass<br \/>\nman die Menschen f\u00fcr die Sache des Friedens und des Pazifismus nur gewinnen kann, wenn glaubw\u00fcrdig und<br \/>\nnachvollziehbar dargelegt wird, wie denn ohne R\u00fcckgriff auf Waffen und Milit\u00e4r die vielf\u00e4ltigen Konflikte<br \/>\nunserer Zeit bearbeitet und einer L\u00f6sung zugef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nEr war ein kluger Stratege und Taktiker, der sich auf die Notwendigkeit einstellte, den Weg nur Schritt f\u00fcr<br \/>\nSchritt gehen zu k\u00f6nnen. Um die Vielen auf dem Weg mitzunehmen, war die geduldige Organisierung sozialer,<br \/>\nemanzipativer Lernprozesse ein weiteres durchgehendes Thema im politischen und akademischen Leben von<br \/>\nAndreas Buro. Letzteres konzentrierte sich auf die Universit\u00e4t Frankfurt, wo er seit Anfang der 70er Jahre wirkte<br \/>\n\u2013 als Lehrbeauftragter, Privatdozent und Professor, mit Schwerpunkten bei Internationalen Beziehungen,<br \/>\nEntwicklungspolitik, europ\u00e4ischer Integration, Friedensforschung und sozialen Bewegungen.<br \/>\nAndreas Buro hat in seinem Leben so viele Wellen der sozialen Bewegungen miterlebt, dass ihm Euphorie und<br \/>\nResignation gleicherma\u00dfen fern lagen. Vielmehr folgte er dem Diktum Gramscis vom Pessimismus des Wissens<br \/>\nund dem Optimismus des Handelns. Das hat ihn seit seinem Engagement in der Internationale der<br \/>\nKriegsdienstgegner (IdK) und in der Kampagne \u201eKampf dem Atomtod\u201c in den 50er Jahren bis heute<br \/>\nvorangetrieben. Ostermarschbewegung, au\u00dferparlamentarische Opposition gegen Notstandsgesetze und<br \/>\nVietnamkrieg, Kampagne f\u00fcr Demokratie und Abr\u00fcstung, Mitgr\u00fcndung des Sozialistischen B\u00fcros und der<br \/>\nZeitschrift \u201elinks\u201c waren weitere Stationen auf dem Weg. 1980 dann geh\u00f6rte er zu den Gr\u00fcndern des Komitees<br \/>\nf\u00fcr Grundrechte und Demokratie, das er seitdem mitgepr\u00e4gt hat, viele Jahre als Sprecher und im<br \/>\nGesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Vorstand, bis zuletzt als friedenspolitischer Sprecher. In den 1980er Jahren vertrat er das<br \/>\nKomitee in der \u201eneuen\u201c Friedensbewegung, die seinerzeit eine gro\u00dfe Massenbewegung war, die Hunderttausende<br \/>\nzu Demonstrationen auf die Stra\u00dfe brachte. Er war eine der Schl\u00fcsselfiguren jener Bewegung, auch damals<br \/>\ndarauf bedacht, den Protest und Widerstand gegen die nukleare \u201eNach\u201cr\u00fcstung zu verbinden mit dem Aufzeigen<br \/>\nvon Alternativen.<br \/>\nDer grenz- und block\u00fcbergreifende Charakter dieser Bewegung lag ihm besonders am Herzen. Die internationale<br \/>\nZusammenarbeit war stets ein Schwerpunkt seiner Aktivit\u00e4ten, beginnend mit seinem Engagement bei der<br \/>\nOrganisierung des Friedensmarsches San Francisco \u2013 Moskau 1961 und der Mitbegr\u00fcndung der \u201eInternational<br \/>\nConfederation for Disarmament and Peace\u201c und der World Peace Brigades, \u00fcber die Mitgr\u00fcndung der \u201eHelsinki<br \/>\nCitizens` Assembly\u201c bis zur Gr\u00fcndung des Dialog-Kreises f\u00fcr t\u00fcrkisch-kurdische Verst\u00e4ndigung und f\u00fcr eine<br \/>\npolitische L\u00f6sung des Kurdenkonflikts im Jahre 1995. Bis zuletzt war Andreas Buro der Mittelpunkt des Dialog-<br \/>\nKreises und Herausgeber seiner \u201eN\u00fctzlichen Nachrichten\u201c. Sein internationalistisches Engagement hat ihn im<br \/>\nLauf der Jahrzehnte in aller Herren L\u00e4nder gef\u00fchrt; Moskau, Washington, Peking, Istanbul, Tiflis, Paris, Beirut<br \/>\nusw. sind wiederkehrende Stationen seiner politischen Reiset\u00e4tigkeit. Von den Herrschenden wurde er zumeist<br \/>\nnicht besonders freundlich empfangen, daf\u00fcr aber erfuhr er von den menschenrechtlich und friedenspolitisch<br \/>\naktiven B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern dieser L\u00e4nder wegen seiner (kritischen) Solidarit\u00e4t und ruhig-bescheidenen<br \/>\nArt, zuzuh\u00f6ren und Vorschl\u00e4ge zu machen, desto mehr Respekt, Sympathie und Zuneigung. In dem von ihm<br \/>\nherausgegebenen Buch \u201eGeschichten aus der Friedensbewegung\u201c (K\u00f6ln 2005) kann man dar\u00fcber<br \/>\nNachdenkliches, Kurioses, Emp\u00f6rendes und Mutmachendes lesen.<br \/>\nIn seinem Buch \u00fcber die Friedensbewegung \u201eTotgesagte leben l\u00e4nger\u201c schrieb Andreas Buro: \u201eSicher ist der<br \/>\nWeg zu einer solidarischen Weltgesellschaft ein unendlicher Weg. Wir werden niemals das Ziel ganz erreichen.<br \/>\nDeshalb wird zu Recht gesagt, der Weg sei das Ziel, will sagen: Auf dem Weg erreichen wir nur Teilziel um<br \/>\nTeilziel. Nat\u00fcrlich verirren wir uns auch, aber wir haben Chancen, zur\u00fcckzufinden und dann den Weg<br \/>\nwiederaufzunehmen. W\u00e4re es nicht ein gro\u00dfartiges und bedeutendes Etappenziel, milit\u00e4rische Gewalt aus dem<br \/>\nArsenal menschlich-unmenschlicher Instrumente auszuklammern? (\u2026) der Weg, \u00fcber den wir hier sprechen,<br \/>\n(kann) ein sehr erf\u00fclltes, ereignisreiches und sinnvolles Leben bedeuten.\u201c (Andreas Buro: Totgesagte leben<br \/>\nl\u00e4nger \u2013 Die Friedensbewegung. Idstein 1997, S. 204f.). Ein solches Leben hat Andreas Johann Peter Ludwig<br \/>\nBuro bis zum Ende gefuehrt.<br \/>\nDr. Volker B\u00f6ge \/ Martin Singe<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Andreas Buro, Friedensforscher und jahrzehntelanger Vordenker der deutschen Friedensbewegung, ist am Dienstag, dem 19.1.2016, im Alter von 87 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit in seinem Haus in Gr\u00e4venwiesbach im Taunus im Kreise&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":110,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-9072","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktionen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9072","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/110"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9072"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9072\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9073,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9072\/revisions\/9073"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9072"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9072"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9072"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}