Deutschland erkennt an, einen Völkermord / Genozid verübt zu haben

Hage Geingob, Präsident von Namibia

Hage Geingob, Präsident von Namibia

Am 21.09.2021 hat das Parlament der ehemaligen deutschen Kolonie Namibia (Deutsch-Südwestafrika) die Entschuldigung Deutschlands für den verübten Völkermord an zwei indigenen Gemeinschaften akzeptiert. Zwischen 1904 und 1908 töteten deutsche Truppen etwa 65.000 von 80.000 Herero und mindestens 10.000 von 20.000 Nama, nachdem sich am 12. Januar 1904 die beiden Volksgruppen gegen die deutsche Kolonialmacht erhoben hatten. Generalleutnant Lothar von Trotha besiegte mit zusätzlich 14.000 deutschen Soldaten die Aufständischen und vertrieb diese in die Omaheke-Wüste. Er befahl die Vernichtung der Flüchtigen und ließ diese in der Wüste verdursten und verhungern. Lebensnotwendige Wasserstellen und Fluchtwege aus der Wüste wurden durch die deutschen „Schutztruppen“ besetzt. Die Bundesrepublik Deutschland (als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Kaiserreichs) hat sich lange geweigert, die Tötung zehntausender Herero und Nama als Völkermord zu bezeichnen. Seit 2015 benutzt das Auswärtige Amt offiziell den Begriff Völkermord.

Ein Statement Deutschlands zum 120. Jahrestag des Völkermords ist vergangene Woche ausgeblieben. Dafür hat sich die deutsche Regierung am selben Tag zur Genozidklage Südafrikas gegen Israel geäußert. Am 12. Januar 2024 erklärt der Regierungssprecher, dass die Bundesregierung sich in dem Völkermord-Verfahren klar an die Seite Israels stellt. „Den vor dem Internationalen Gerichtshof gegen Israel erhobenen Vorwurf des Völkermords weist die Bundesregierung entschieden und ausdrücklich zurück“. Weiterhin heißt es „Dieser Vorwurf entbehrt jeder Grundlage.“. Berlin würde die Tötung von mehr als 23.000 Palästinensern in Gaza ignorieren, sagt dazu Namibias Präsident Hage Geingob. Er äußert seine tiefe Besorgnis hinsichtlich Deutschlands Entscheidung, Israel gegen Südafrikas Anklage zu unterstützen. Geingob teilt am 13. Januar 2024 in einer persönlichen Stellungnahme mit, Deutschland sei unfähig, Lehren aus seiner eigenen schrecklichen Vergangenheit zu ziehen. Der Zeitpunkt von Deutschlands Positionierung werfe, in Anbetracht von dessen historischer Verantwortung für den ersten im 20. Jahrhundert verübten Völkermord auf Namibias Boden, beunruhigende Fragen in Hinsicht auf den moralischen Kompass der Bundesregierung auf.

Nachbemerkung:

Das Anliegen des Verfassers ist es, der Sicht des Globalen Südens auf die Ereignisse in Gaza eine Stimme zu geben. Unabhängig davon, sollten wir mit Begriffen wie Völkermord und Genozid sensibel umgehen. Auch wenn der Verfasser diese Reizwörter bewusst im Titel verwendet hat, hat deren Anwendung durch deutsche Politiker und deutsche politische Organisationen immer den Beigeschmack der eigenen Entlastung. Zur schrecklichen Vergangenheit Deutschlands gehört untrennbar die industrielle Vernichtung von 6 Millionen Menschen jüdischen Glaubens. Nicht zuletzt wurde die UN-Völkermordkonvention 1948 aufgrund der Verbrechen Deutschlands am jüdischen Volk beschlossen.

Für diese persönliche Stellungnahme des Verfassers wurde u.a. in den folgenden Zeitschriften und weiteren Internetseiten recherchiert: Namibian (Namibia), Al Jazeera (Katar), Amnesty International (England), BBC (Vereinigtes Königreich), Bundeszentrale für politische Bildung (Deutschland), Courrier International (Frankreich), Deutschlandfunk (Deutschland), iAfrica (Südafrika), Telepolis (Deutschland), The Citizen (Tansania), The Nation (USA), The New Arab (Großbritannien), The Times of Israel (Israel), WOZ (Schweiz).

Verfasser: Hans-Achim / 20.01.2024