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Erinnern – eine Brücke in die Zukunft: Einladung zur Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus

 Das Gedenken an die Opfer der NS-Diktatur ist ein wichtiger Bestandteil unserer Demokratie.

Aber das Erinnern wird sich verändern, weil nur noch wenige Überlebende authentisch berichten können. Die Erinnerung an NS-Verbrechen und ihre Opfer wird aber auch durch rechtsextreme und rechtspopulistische Akteure massiv in Frage gestellt. Es wird eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert. Wir wollen uns deshalb am 28.1.2018 mit der Geschichte und der Bedeutung unserer Erinnerungskultur befassen.

Auf dem Handzettel, der auf rotem und schwarzen Hintergrund gedruckt ist, springt das Wort "Erinnern" ins Auge.

Wie fing es an mit dem Gedenken in Köln nach 1945? Wenige Tage nach Kriegsende wurde am 3. Juni 1945 am Hansaplatz die erste Stätte des Erinnerns eingeweiht, nachdem auf dem Gelände des Gefängnisses Klingelpütz sieben Leichen gefunden worden waren. Auf der bald platzierten Grabplatte heißt es: „Hier ruhen sieben Opfer der Gestapo. Dieses Mal erinnere an Deutschlands schandvollste Zeit 1933 – 1945“. Im gleichen Jahr entstanden auf Initiative von ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern Ehrenmale zur Erinnerung an polnische und sowjetische NS-Opfer auf Kölner Friedhöfen. 1948 erinnerte die Kölner Synagogengemeinde auf dem Jüdischen Friedhof in Bocklemünd mit einem eindrucksvollen Denkmal an die „über 11.000 Schwestern und Brüder unserer Gemeinde“, die Opfer des „nationalsozialistischen Rassenwahns“ wurden.

Dieses frühe Gedenken an die NS-Opfer wurde in der Stadt bald von einem allgemeinen Totengedenken überlagert und verdrängt, das sich „allen Opfern“ zuwandte, in der Regel aber die deutschen Soldaten, die Vertriebenen und die Bombenopfer meinte. Beispiele dafür sind die Skulptur „Trauernde“ in St. Maria im Kapitol (1949), der „Schwebende Engel“ in der Antoniterkirche (1952) und das „Trauernde Elternpaar“ in St. Alban, dessen Ruine 1959 als zentrale Gedenkstätte der Stadt Köln eingeweiht wurde. Mit diesen Gedenkformen stilisierte sich der Großteil der deutschen Nachkriegsgesellschaft zu Opfern von Krieg und Nationalsozialismus. Ausgeblendet blieben Fragen von Schuld und Verantwortung, ausgeblendet blieben auch die Opfer der NS-Verbrechen.

Es waren immer wieder Einzelne oder Verfolgtengruppen, die sich besonders engagiert für eine andere Erinnerungskultur einsetzten. Einer von ihnen war Walter Kuchta, als Kommunist im Widerstand, in Haft genommen und nach 1945 Mitglied in VVN und der KPD. Er spürte als einer der ersten den NS-Verbrechen im Kölner Raum nach, sammelte Berichte von Überlebenden und organisierte Gedenkveranstaltungen. Auch der Sozialdemokrat Sammy Maedge kämpfte bemerkenswert früh gegen das Vergessen und Verdrängen der Verbrechen an, etwa indem er auf den Handel mit verbotenen Nazi-Emblemen aufmerksam machte, gegen die Straffreiheit von NS-Verbrechern oder gegen Antisemitismus agitierte und die Einrichtung einer Gedenkstätte im ehemaligen Gestapogebäude forderte.

Viele Faktoren, etwa die bundesweite Debatte um eine drohende Verjährung von NS-Verbrechen, der Frankfurter „Auschwitz-Prozess“, die lokale Auseinandersetzung um die „Edelweißpiraten“ oder auch der Prozess gegen den ehemaligen Gestapoleiter Kurt Lischka, führten zu einem allmählichen erinnerungspolitischen Wandel. Die 1979 ausgestrahlte US-amerikanische Fernsehserie „Holocaust“ bewegte ein Millionenpublikum. Das Engagement für eine Gedenkstätte für die NS-Opfer sowie eine professionelle Aufarbeitung der NS-Zeit in Köln verdichtete sich und führte schließlich 1979 zu dem Beschluss des Stadtrats, den Keller des EL-DE-Hauses als Gedenkstätte herzurichten und ein NS-Dokumentationszentrum aufzubauen.

Seit den 1980er Jahren rückten immer stärker die bis dahin „vergessenen Verfolgten“ in den Blick: Die Opfer der NS-Krankenmorde oder der Zwangssterilisationen, die nicht entschädigten Opfer von Zwangsarbeit, die Opfer der NS-Militärjustiz. Nach und nach entstanden auch für diese Gruppen Denkmäler. Nach jahrelanger Kriminalisierung und Stigmatisierung der homosexuellen Opfer war es beispielsweise erst 1995 möglich, das Rosa-Winkel- Mahnmal am Rheinufer aufzustellen. Aber auch die Opfer der NS-Völkermorde – Juden sowie Sinti und Roma – wurden stärker beachtet. Hervorzuheben sind die Kunstaktionen von Gunter Demnig, der seit 1990 mehrfach an die verfolgten Sinti und Roma erinnerte und daraus sein Projekt „Stolpersteine“ entwickelte.

Auch wurde 1990 der Platz der jüdischen Schule Jawne nach ihrem früheren Direktor Erich Klibansky benannt. Auf Initiative des Ehepaars Dieter und Irene Corbach ermöglicht heute ein „Arbeitskreis Lern- und Gedenkort Jawne“ aufklärerische Arbeit vor Ort und bringt zahlreiche ZeitzeugInnen in Kontakt mit Schulen und anderen Einrichtungen.

Die Erinnerungskultur wurde insgesamt vielfältiger und dank der Arbeit des NS-DOK auch professioneller. Neue Formen des Erinnerns – etwa das all- jährliche „Edelweißpiraten-Festival“ – traten hinzu.

Also alles gut in Köln mit dem Gedenken?


Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus

Befreiung des KZ Ausschwitz am 27.1.1945  

Eine Brücke in die Zukunft 

Veranstalter:
AK Lern- und Gedenkort Jawne – AK Regenbogen ver.di Köln/Bonn/Lev. – Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Köln – Bündnis 90/Die Grünen im Kölner Rat – Bünd- nis90/Die Grünen Köln – Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte – Centrum Schwule Geschichte – DFG/VK Köln – DGB Region Köln-Bonn – Die Linke Köln – Die Linke. Fraktion im Rat der Stadt Köln – DKP Köln – Evangelische Gemeinde Köln – FDP Kreisverband Köln – Friedensbildungswerk Köln e.V. – Friedensforum Köln – Geschichtswerkstatt Kalk – Jugendclub Courage Köln e.V. – Jungsozialisten Köln – Karl Rahner Akademie – Katholikenausschuss – Kölner Appell gegen Rassismus e.V. – Kölner Frauengeschichtsverein – Kölnische Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit – LAG Lesben in NRW – LSVD, Lesben- und Schwulenverband – Melancht- hon-Akademie – NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln – Pax Christi Köln – Rom e.V. – Schwules Netzwerk NRW – SPD Fraktion im Rat der Stadt Köln – SPD Köln – Synagogen-Gemeinde Köln – ver.di Bezirk Köln – Verein EL-DE-Haus e.V. – Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten Köln – Werkstatt für Ortsgeschichte Köln-Brück
Verein Mizwa

Sonntag 28. Januar 2018 14 Uhr Antoniterkirche Schildergasse 

Grußwort
Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes 

Sprecher*innen
Maria Ammann
Klaus Nierhoff
Doris Plenert-Sieckmeyer
Stefan Preiss 

Musik
Katharina Müther Akkordeon und Gesang 
Projektgruppe Gedenktag 

Mahngang
Es spricht Tamar Dreifuss 

1 reply »

  1. Nach dem 2.Weltkrieg sind die Verbrechen des 3.Reichs teilweise nicht konsequent geahndet worden, viele Täter und Strippenzieher landeten auch wieder in einflussreichen Positionen bei uns, oder sie wurden in Lateinamerika, für US- Geheimdienste und in den
    false flag Aktionen der Gladio- Geheimarmeen Europas bewusst eingesetzt. Der sog. Tiefe Staat hat faschistische Hintergründe und Strukturen, und Geheimdienste arbeiten auch heute mit Rechtsextremen zusammen, schon immer. seit Bestehen der BRD. Sie sind die Schutzbastion des mächtigen Establishments. Leider ist es durch bewusste PR für Linke anrüchig gemacht worden, dieses Establishment so wie früher kritisch zu hinterfragen, indem man der Elitenkritik einen rechten Anstrich gab (u.a. „antisemitisch“) und das ganze einst linke, ergiebige und wichtige Thema so den Rechtspopulisten anbot, die es natürlich für sich nutzten und so an Überzeugungskraft gewannen.
    Die Linken fühlen gern viel, aber um den wirklichen Kampf gegen Rechts zu erkennen und führen zu können, müssten sie auch nüchtern hinschauen, selbständig, und auch mal um die Ecke, denken, analysieren und Unbequemes nicht abwehren. Aber das ist sehr vielen zu hässlich und unharmonisch und „verschwörungstheoretisch“ . Der Gegner, ob oben oder nominell rechts, ist wesentlich gewiefter, benutzt Think Tanks… kommt aber leider schon mit den durchschschaubarsten Manipulationstricks bei vielen Linken durch. Weil die „Guten“ auf so etwas einfach nicht eingestellt sind, weil es sie verwirren würde, und aus Angst als „rechts“ zu gelten, wehren sie die Beschäftigung damit es ab. Z.B hat die eifrige Fokussierung der Medien auf die AFD als „die Rechten“ auch eine Ablenkungsfunktion: “ Schaut, d i e sind die Rechten, wir nicht, wir sind die Guten!“ Aber die „Guten“ von CDU-CSU über FDP und SPD bis zu den Grünen, verfolgen den bisher nicht offen diskutierten Plan, Deutschland über wirtschaftliche und bald auch offen militärische Macht mithilfe der EU zur imperialen Weltmacht aufzubauen. „Deutschlands neue Grösse und Verantwortung“ nennt man das. Die AFD soll einetseits deutsche Grösse wohl wieder salonfähig machen und gleichzeitig vom Zentrum der Dynamik, also von oben, ablenken. Durch sie wird definiert was rechts ist, so dass andere Vorgänge nicht gesehen werden: dauernd als rechts benannt werden Rassismus, nationalistische Abkapselung, Grenzen, und EU-Skepsis. Und was ist mit Imperialismus? Nun: Imperialismus ist nat. keine Abkapselung, sondern soz. „weltoffen“ , Grenzen mochte er noch nie und warum sollte deutsches Machtstreben EU-skeptisch sein, wenn Deutschland die EU benutzt? So fällt das neue Machtstreben nicht als „rechts“ auf. Dass zum 3.Reich nicht nur innerer Rassismus, sonder auch aussenpolitischer, kriegerischer Imperialismus gehörte, den man nun wieder anstrebt, wird so verborgen.!
    Kreise, die sich links nennen, verfolgen inquisitorisch regierungskritische Kreise und Personen als vermeintlich „rechts“ , Neulinke greifen die Meinungsfreiheit an , angeblich um Rassismus zu bekämpfen und bauen das “ völkische Volk“ als Hauptgefahr auf., um abzulenken und damit es sich nicht solidarisieren kann. Währenddessen baut das Establishment nahezu ungestört seinen Machtapparat nach innen und aussen auf.
    Es hat keinen Sinn, immer wieder Gedenkfeiern abzuhalten, wenn man nichts aus der Vergangenheit lernt. Betroffenheitsgefühle und rechtschaffene moralische Reflexe lösen ohne Analyse und offen kritischen Blick nach oben kein einziges Problem, sie werden sogar zur Ablenkung missbraucht. Die Faschisten, Heer der mächtigen Eliten, sind doch nicht dumm und kommen nicht nur von einer Seite und auf eine Art. Sie kennen Marketing-Strategien und wissen, welche Gruppe der Gesellschaft man auf welche Weise gewinnt oder ausschaltet. Natürlich nützen sie ihre Möglichkeiten umd ihr know how , um ihre Macht zu erhalten! Um sich gegen sie zu behaupten, braucht es mehr als Andachten und Gefühlseinkehr, man muss seinen Verstand frei benutzen egal was andere denken oder sagen.