Rede

Kölner Bürgermeister Andreas Wolter: Waffen vernichten nicht nur Leben, sie töten auch Lebensfreude und Vertrauen

Andreas Wolter, Bürgermeister der Stadt Köln, redete anlässlich der Hissung der Flagge der Mayors for Peace am 8. Juli 2019 vor dem Kölner Rathaus.


Liebe Frau Forner,
sehr geehrter Pfarrer Ulrich Kock-Blunk,
sehr geehrter Herr Harald Fuchs, 
sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, dass Sie am Flaggentag der Mayors for Peace teilnehmen und begrüße Sie alle ganz herzlich auch im Namen des Kölner Stadtrats und der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker!

Ein schlanker Mann mit Brille und graumelierten Haaren spricht in ein Mikro. Er trägt einen blauen Anzug und Fliege. Links von ihm hören eine kleine asiatisch aussehende Dame und ein älterer Herr mit weißem Bart zu. Sie stehen an einem kleinen Tisch mit Infomaterial und grünen Holzstühlen.

Bürgermeister Andreas Wolter spricht beim Flaggentag der Mayors for Peace am 7. Juli 2019 vor dem Rathaus in Köln. Foto: Klaus Müller

Seitdem am 8. Juli 1996 der Internationale Gerichtshof in Den Haag in einem Rechtsgutachten feststellte, dass die Androhung und der Einsatz von Atomwaffen generell mit den Regeln des internationalen Kriegsvölkerrechts unvereinbar sind, wird am 8. Juli die grüne Friedensfahne der Mayors for Peace an den Rathäusern gehisst.

Mit der Flaggenhissung wollen wir ein Zeichen setzen für den Frieden, für die weltweite Abschaffung von Atomwaffen, für Abrüstung und gegen Kriegseinsätze und Rüstungsexporte!

Der Abwurf von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki 1945 hat uns gelehrt, dass Atomwaffen nicht in unsere Welt gehören und dass wir verhindern müssen, dass solch eine schreckliche Tat, bei der so viele Menschen ums Leben kamen, sich jemals wiederholt. 

Die Verantwortung hierfür liegt jedoch nicht nur bei den Staats- und Regierungschefs, sondern auch bei uns. Wir, die zivile Bevölkerung, müssen uns für die Abschaffung von Atomwaffen einsetzen.

Die Stadt Köln ist seit 1985 Mitglied in dem Netzwerk „Mayors for Peace“. Die Oberbürgermeisterin, ihre Stellvertreter und Stellvertreterinnen und der Kölner Rat setzen sich für den Frieden und für die weltweite Abschaffung von Atomwaffen ein. Wir Politiker fühlen uns für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Köln verantwortlich!

Großer Dank gebührt Frau Ursula Forner! Als Mitglied des Arbeitskreises Hiroshima-Nagasaki im Kölner Friedensforum erinnert sie uns Kommunalpolitiker regelmäßig daran, uns öffentlich gegen Atomwaffen und für den Frieden auszusprechen und es nicht nur bei einer Flaggenhissung zu belassen. Vielen Dank dafür und zwar stellvertretend für alle anderen aktiven Mitglieder des Kölner Friedensforums! 

Im Hintergrund der grün-weißen Flagge sind die Dächer der den Platz begrenzenden Häuser und ein Teil des Turms von Groß St. Martin zu sehen.

Die Flagge der Mayors for Peace weht am 8. Juli 2019 auf dem Alter Markt in Köln. Foto: Klaus Müller

Der Rat der Stadt hatte Köln im Oktober 1984 zur Atomwaffenfreien Zone erklärt, im April 1985 wurde die Stadt Mitglied im „Internationalen Städtebündnis mit Hiroshima und Nagasaki zur Förderung der Solidarität der Städte mit dem Ziel der vollständigen Abschaffung der Atomwaffen in aller Welt“, kurz: Mayors for Peace.

Im Juli 2017 wurde in den Vereinten Nationen ein Abkommen zum Verbot von Atomwaffen angenommen, das im selben Jahr zur Unterschrift freigegeben wurde. 

Der Vertrag verbietet Staaten, Atomwaffen zu testen, zu entwickeln, zu produzieren und zu besitzen. 50 Staaten müssen den Vertrag unterzeichnet und ratifiziert haben, bevor er rechtlich in Kraft treten kann. Der Verein ICAN Deutschland e.V. setzt sich für Völkerverständigung und die Ächtung von Atomwaffen, für Abrüstung und Frieden ein. Mayors for Peace ist eine der vielen Partnerorganisationen von ICAN.

Mit Unterzeichnung des Appells sollen Staaten dazu aufgefordert werden, sich dem Verbotsvertrag anzuschließen. Unsere Oberbürgermeisterin hat den Städteappell für die Stadt Köln am 5. März 2019 unterschrieben, und somit wurde Köln in die Liste der deutschen Städte aufgenommen, die den Appell bereits unterzeichnet haben. Der Appell lautet wie folgt:

Die Stadt Köln ist zutiefst besorgt über die immense Bedrohung, die Atomwaffen für Städte und Gemeinden auf der ganzen Welt darstellt. Wir sind fest überzeugt, dass unsere Einwohner und Einwohnerinnen das Recht auf ein Leben frei von dieser Bedrohung haben. Jeder Einsatz von Atomwaffen, ob vorsätzlich oder versehentlich, würde katastrophale, weitreichende und lang anhaltende Folgen für Mensch und Umwelt nach sich ziehen. Daher begrüßen wir den von den Vereinten Nationen verabschiedeten Vertrag zum Verbot von Atomwaffen 2017 und fordern die Bundesregierung zu dessen Beitritt auf.

Denn Massenvernichtungswaffen richten sich vor allem gegen Zivilisten, ihr Einsatz ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. Über die wichtige Frage der Atomwaffen dürfen wir aber auch die Kriege, die aktuell weltweit mit konventionellen Massenvernichtungswaffen geführt werden, nicht vergessen. Waffen vernichten nicht nur Leben, sie töten auch die Lebensfreude, sie töten die Kreativität, sie töten das Lachen und sie töten das Vertrauen. 

Ein weißer Papierkranich vor gelb-grünem Hintergrund.

Papierkranich beim Flaggentag in Köln. Foto: Klaus Müller

Wir wissen, nicht nur eine Generation ist vom Krieg gezeichnet, es sind auch die nachfolgenden Generationen, die bewusst oder unbewusst vom Krieg der Väter und Großväter gezeichnet sind. Hier in Köln leben Menschen aus mehr als 180 Nationen friedlich zusammen. Toleranz, gegenseitige Achtung und Integration bilden die Grundlage für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und damit für den Frieden auch in unserer Stadt. 

Es ist eine einfache, aber schwer zu befolgende Tatsache, dass das Miteinanderteilen und das gegenseitige Unterstützen einen Mehrwert ergeben, den man alleine, als Einzelkämpfer, nie erreichen könnte. Sie alle haben sich heute hier versammelt, um zu zeigen, wie wichtig eine atomwaffenfreie und damit eine Welt in Frieden für uns ist. 

Ich bedanke mich für Ihr Engagement und bin mir sicher, dass die vielen kleinen Veranstaltungen am heutigen Tag und Jahr für Jahr, uns näher ans Ziel einer friedlicheren Welt heranbringen!

Vielen Dank!


Klaus Müller hat weitere Fotos auf Google Fotos zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich dafür! – D. Red.