A Single Day – Eindrücke von einer Kinopremiere

Daniel Felder im Gespräch mit Mitgliedern de DFG-VK

Daniel Felder beantwortet nach der Premiere Fragen des Publikums. Foto: Herbert Sauerwein

Ein kunstvoller, bewegender und in jeder Hinsicht relevanter Film
Eindrücke von der Kinopremiere am 05.02.2026 im Kölner Filmhaus

„Es mag ein Ereignis in deinem Leben geben, bei dem du siehst, dass etwas falsch ist, und du hast die Wahl, ob du etwas dagegen unternimmst oder nicht.“

So bringt es im Film „A Single Day“ der Autor Michael Bilton auf den Punkt. Für die drei US-amerikanischen Soldaten Hugh Thompson, Glenn Andreotta und Larry Colburn ist dieses Ereignis der 16. März 1968, als sie sehen, wie ihre eigenen Kameraden wahllos auf unbewaffnete Zivilisten schießen: auf Alte und Kinder, Frauen, Männer… – Innerhalb von 4 Stunden kommen so über 500 Menschen zu Tode: Ein Ereignis, das später bekannt geworden ist als das Massaker von My Lai (Vietnam).

Im Mittelpunkt des Films steht Larry Colburn, einer der beiden Bordschützen eines amerikanischen Militärhubschraubers, der die Bodentruppen in My Lai begleiten soll. Für ihn wie für seine beiden Kameraden ist jetzt der Augenblick, persönlich Verantwortung zu übernehmen. Sie landen und stellen sich zwischen ihre Kameraden und einen Bunker mit Zivilisten. Hugh Thompson, der 24-jährige Pilot, befiehlt Colburn und Andreotta, auf ihre Kameraden zu schießen, falls sie auf die Zivilisten feuern. So schützen sie die Zivilisten im Bunker, bis sie ausgeflogen werden können.

Christoph Felder begleitet mit seinem Film Larry Colburn auf dessen Reise in die Vergangenheit, unterwegs zu einem Vietnamesen in Deutschland, der womöglich der Sohn jener Frau ist, die Colburn damals dort hat sterben sehen, ohne es verhindern zu können. Das Bild dieser Frau, ihres Blickes, verfolgt ihn sein Leben lang.

Wir erfahren dabei von den Ereignissen, die dem Massaker vorausgingen und sich ihm anschlossen, von den Aktivitäten zur Vertuschung der Kriegsverbrechen, vom Gerichtsverfahren danach, einer einzigen Farce, und von den Versuchen, Colburn und seine Kameraden auszulöschen und mundtot zu machen.

„Der Film hat mich sehr berührt – ich könnte ihn sofort noch einmal sehen.“ sagt eine Zuschauerin im Gespräch, das sich an die Vorführung anschließt. Mir geht es nicht anders: Die Bilder, die Berichte, die Informationen, die Dokumentationen – das alles ist so hoch verdichtet, dass man nicht alles auf einmal aufnehmen kann. Dies wird auch deutlich in den Fragen der Zuschauer*innen im anschließenden Filmgespräch.

Und dennoch ergibt der Film die schlüssige Darstellung eines Geschehen, das man eigentlich nicht angemessen erzählen und nachzeichnen kann: Junge Männer, die im Vietnamkrieg traumatisierende Erfahrungen machen und dennoch in der Situation Zugang zu ihren eigenen Gefühlen finden. Sie beschließen, menschlich zu handeln.

Wie sehr das Erlebnis dieses einzigen Tages das ganze Leben überlagern kann, wird deutlich in sich überlagernden Bildern. Im Vordergrund beispielsweise Gespräche mit Larry Colburn und anderen Zeitzeugen, und dabei im Hintergrund immer wieder Bilder aus der Zeit des Vietnamkrieges: Das traumatische Geschehen lässt sich nicht auflösen, es bleibt präsent und begleitet die Traumatisierten, alle Menschen, die an einem Krieg oder einem anderen Gewaltverbrechen teilnehmen, ihr Leben lang, egal, welche Entscheidung sie in der Situation getroffen haben. Und es setzt sich fort in die nächste Generation hinein, wie es Connor Colburn, Larrys Sohn, lebhaft bezeugt, denn es sind die Erlebnisse seines Vaters, die in ihm den tiefsten Widerwillen gegen den Krieg geweckt haben. Seine Botschaft lautet entsprechend:

„Geht nicht in diese Kriege, um für diese reichen Politiker zu kämpfen, die niemals ihre eigenen Kinder an die Front schicken würden, weil es ihnen scheißegal ist, was mit euch passiert.“

Stephan Schmitz, Mitglied der DFG-VK Köln

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